Zu Gast beim Rotary Club Achim

Marco Bode: In 11 Minuten 15 Millionen verloren

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Marco Bode (li.) mit Rotary Clubsekretär Axel Marschhausen.

Achim - Er erwies sich wieder einmal als großer Sympathieträger und berichtete von dramatischen und atemberaubenden Entwicklungen im Profifußball. Marco Bode, früher Nationalspieler und heure Aufsichtsratschef von Werder Bremen, war beim Rotary Club Achim zu Gast.

TV-Gelder und irre Transfererlöse beziehungsweise -ausgaben bestimmten heute den Markt. Erlöse aus Kartenverkäufen für einzelne Spiele würden dagegen unwichtiger, sagte er im Gasthaus Weserterrassen am Badener Berg. 

Dennoch könne es bei einzelnen Spielen um viel Geld gehen, wie zum Beispiel am letzten Spieltag der jüngsten Saison in Dortmund: Werder rutschte durch Gegentreffer innerhalb von elf Minuten von Platz 8 auf Platz 12 der so genannten Fernsehtabelle ab, was den Verein unter dem Strich etwa 10 bis 15 Millionen Euro an TV-Erlösen gekostet habe, ein beträchtlicher Wermutstropfen in einer ansonsten höchst erfolgreichen Rückrunde.

Bode berichtet über Entwicklung

Zur längerfristigen Entwicklung berichtete Bode, dass 2002 die Umsätze von Werder und Bayern München bei 40 beziehungsweise 100 Millionen Euro gelegen hätten. Heute habe Werder 100 und Bayern 600 Millionen Euro Umsatz, der Abstand sei also vom 2,5-fachen auf das sechsfache gestiegen.

Die gesamte Gehaltssumme bei den Bayern belaufe sich auf 240 Millionen Euro jährlich. Dort allerdings konkurriere man mit den Top Ten in Europa, die auf einem eigenen Niveau spielen und teilweise mit noch erheblich größeren Zahlen rechneten. So zahle der FC Barcelona derzeit Spielergehälter in Höhe von über 400 Millionen Euro.

Für Werder Bremen, so Marco Bode, sind finanzielle Ziele immer nur Zwischenziele und den sportlichen Zielen untergeordnet. Man habe sich aber vorgenommen, bis zu drei Millionen Euro Gewinn pro Jahr zu erwirtschaften, um die Eigenkapitalquote auf 30 Prozent zu steigern. 

Unfaire Situation in der Liga

Der Vorsitzende des Aufsichtsrats wies auf die „unfaire Situation“ in der Bundesliga hin, wo einige Mannschaften viele Millionen Euro von Unternehmen oder Unternehmern erhielten. Es handele sich dabei r um einmalige Finanzspritzen, für die man im Gegenzug Mitspracherechte der Investoren in Kauf nehmen müsse. Um seine Unabhängigkeit zu wahren, habe Werder bisher nicht nach solchen Beteiligungen Ausschau gehalten.

Man setzt lieber auf die „Werder-Familie“ und die wichtige Nachwuchsarbeit. Bode wies auf die seit Jahren sehr erfolgreiche U 17 hin, die in der Nordliga alle Spiele gewann und erst das Endspiel gegen die beste Truppe aus dem Süden, natürlich den FC Bayern, unglücklich verlor.

Auch ist Werder die einzige Bundesliga-Mannschaft, die noch eine zweite Mannschaft in der 3. Liga, der U 23, hat. Insbesondere dort sollten die Nachwuchsstars generiert werden. Stars würden also möglichst nicht gekauft, sondern selbst entwickelt. Wichtig sei auch die Scouting-Abteilung, die nach passenden Spielern suche.

Allen sei klar, wurde Bode sportlich, dass die vielen Gegentore ein Problem seien und die Abwehr gestärkt werden müsse. Bode findet es aber genauso wichtig, attraktiv zu spielen. Er möchte lieber 3:2 als 1:0 gewinnen.

Weserstadion groß genug

Das Weser-Stadion hält der Werder-Chef für ausreichend dimensioniert. Der Bau eines dritten Ranges sei statisch nicht möglich. Es bleibe also nur der Umzug und Neubau. Das wolle man aber nicht. Ein Stadion dort, wo die Weser einen großen Bogen macht, sei ein Alleinstellungsmerkmal. 5000 Zuschauer könnten allein per Schiff zum Stadion befördert werden.

Die in das Gebäudekonzept integrierte Photovoltaikanlage sei in Deutschland einzigartig und beschere mit EWE und SWB auch starke Sponsoren.

Viele Fragen auch zu Werders sozialem, ökologischem und finanziellem Engagement rundeten den munteren und höchst informativen Clubaband ab.

mis

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