Eröffnung am 26. November 1971

„Mic Mac“: Als der Disko-Boom nach Baden kam

Diese drei Herren gehören zur DJ-Riege der Badener Diskothek: Uwe Schröder, Edmund Kühn und Günther Großwendt.
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Diese drei Herren gehören zur DJ-Riege der Badener Diskothek: Uwe Schröder, Edmund Kühn und Günther Großwendt.

Eine Disco mit Kultstatus lockte einst die Menschen nach Achim-Baden: das Mic Mac“. Wir blicken zurück auf eine unvergleichliche Zeit.

Baden – Für die Generation Babyboom, die von Mitte der 50er-Jahre bis Mitte der 60er- Jahre geboren wurden, gehören sie untrennbar zu den Jugenderinnerungen und haben sich unauslöschlich in die Gedächtnisse eingegraben: Diskos. Ihre große Zeit ist lange vorbei. Es gibt immer noch und immer mal wieder Revival-Partys. Aber wer heute tanzen und feiern will, geht in Clubs. Für die Generation Babyboom gab es die Diskotheken. Manche haben heute den Ruf von Legenden. Das „Mic Mac“ in Achim-Baden ist so eine Legende. Wenn es die Disko noch geben würden, könnte sie in diesen Tagen ihr 50-jähriges Bestehen feiern.

Aber wie kam der Disko-Boom nach Baden? Erhard Teuber, einer der beiden Väter des „Mic Mac“, war zum Interview bereit.

„Im Sommer 1971 sprach mich Rolf Rathjen in der Gaststätte Harmonie in Verden an und fragte, ob ich mit ihm eine Diskothek in Baden eröffnen möchte. Ich kannte Rolf Rathjen vorher nicht, und das Gespräch hatte sich eher zufällig ergeben. Er hatte berichtet, dass er mit dem Besitzer des Gasthauses Badener Berg, Heini Jäger, bereits Gespräche über einen Pachtvertrag geführt hatte. Damals wurden Diskotheken oft auf einem Tanzsaal durchgeführt.“

Rolf Rathjen hatte die Idee, für die Disko und die Verbindungen, benötigte aber einen Geschäftspartner, der sich finanziell an dem Projekt beteiligte. Und fand ihn in Erhard Teuber. „Ich war 24 Jahre alt, und Rolf Rathjen zwei Jahre älter. Ich hatte damals etwas Geld und mich ein Jahr zuvor selbstständig gemacht. Ich bin gelernter Industriekaufmann.“

Im Gasthaus Pape am Badener Berg etablierte sich Anfang der 1970er-Jahre die Diskothek „Mic Mac“.

Feierte die Jugend bis dato noch auf den Tanzböden der Gasthöfe (wenn überhaupt), brach vor gut 50 Jahren in der Republik eine ganz andere Ära an. „Anfang der 1970er-Jahre ging der Diskothekenboom richtig los“, erinnert sich Teuber. „Es gab Meyers Tanzpalast in Wehldorf, das ,Mic Mac’ in Moisburg bei Stade und den Kronsberg, wo Rolf Rathjen gelegentlich Platten auflegte. Rolf, der als Dekorateur arbeitete, kannte den Besitzer des ,Mic Mac’ in Moisburg und hatte bestimmte Vorstellungen, wie wir das ,Mic Mac’ in Baden einrichten sollten. Das war neben der Programmgestaltung sein Part. Ich war für die Finanzen und die Personalplanung zuständig. Deshalb kannten viele Besucher eher Rolf als mich.“

Beginn des Badener „Mic Mac“ war vor allem schlicht, aber engagiert

Dabei war der Beginn des Badener „Mic Mac“ aus heutiger Sicht ausgesprochen schlicht, war aber mit jeder Menge Engagement versehen. Die Eröffnung am 26. November 1971 wurde mit einer großen Anzeige und einer kleinen redaktionellen Notiz im Achimer Kreisblatt begleitet. „Endlich wird das Ding eröffnet“, stand in der Anzeige.

„Zu Beginn haben wir alles selbst gemacht. Sogar die Getränkekarte hatte ich auf einer Schreibmaschine getippt“, so Teuber. „Bis zum Eröffnungstag wurde unentwegt gehämmert und geschraubt. Wir waren noch gar nicht richtig fertig, da war der Tag gekommen und die ersten Besucher standen vor der Eingangstür. Zur Eröffnung hatten wir den Radiomoderator Christian Günther von Radio Bremen eingeladen. Der Besucheransturm war überwältigend, auch wenn wir beim Start einen Stromausfall verkraften mussten.“

Rolf Rathjen gelang es, jede Menge Liveauftritte auf die kleine Bühne des „Mic Mac“ zu bringen.

Die damaligen Eintrittspreise, gerade zum Start, scheinen heute wie aus einer anderen Welt. „Wir hatten zuerst 50 Pfennig Eintritt genommen und führten die Sparstunde ein. Mitte der 1970er-Jahre waren die 30-Stunden-Fete sowie unsere Beach-Partys ein Aushängeschild. Auch der sonntägliche Teenieball wurde gut angenommen. Zu den Highlights zählten zweifelsohne die Konzertveranstaltungen. Rolf Rathjen hatte eine eigene Konzertagentur und holte Otto Waalkes, Boney M., Baccara, Jennifer Rush, Torfrock und andere Größen ins Mic Mac. Das war nicht nur eine gute Werbung, es machte uns bekannt.“

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Die Gastronomie, der Diskothekenbetrieb und die Konzerte – ein Leben mit Glanz und Glitter? Mitnichten. „Das ,MicMac’ betrieben wir nebenbei. Ich hatte mein Versicherungsgeschäft, und meine Frau arbeitete bei Dodenhof. Es waren stressige Zeiten. Da die Kunden oft in unserem Alter waren, haben wir die Arbeit nicht so belastend wahrgenommen. Es gab aber nicht nur gute Zeiten. Nach der Eröffnung des Zeppelins in Oyten hatten wir ein Jahr lang schwer zu kämpfen. Es begann die Zeit der Großraumdiskotheken. Ab 1984 haben wir das ,Mic Mac’ sukzessive an unseren Nachfolger Hansi Peymann abgegeben. Rückblickend muss ich sagen: Wir haben gearbeitet wie die Tiere. Aber es waren schöne Zeiten.“

Werbung für das „Mic Mac“: die Eröffnungsanzeige im Achimer Kreisblatt vom 26. November 1971.

Die Babyboomer sind heute so Mitte 50, Mitte 60. Wer kann, amüsiert sich noch einmal im Jahr prächtig auf einer Revival-Party. Im nächsten Frühjahr soll es übrigens in Langwedel wieder eine Kronsberg-Revival-Party geben, aber das nur ganz am Rande.

Und das „Mic Mac“? Ist längst geschlossen, seit 1991. Mit ein bisschen Poesie und Fantasie kann man sagen: Auf seinen Fundamenten steht jetzt ein Senioren-Pflegezentrum. Irgendwie sind sie an diesem Ort in Baden immer mit der Zeit gegangen.

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