Leenen zeigt menschliche Abgründe

Bibliotheksleiter legt mit „Der Tibeter“ seinen vierten Krimi vor

+
Der Buddhismus und der politisch-spirituelle Tibet-Konflikt spielen eine Rolle in Stephan Leenens neuem Krimi.

Achim - Von Ulf Kaack. Bücher sind eine der ganz großen Leidenschaften von Dr. Stephan Leenen. Das ist Grundvoraussetzung für seinen Job als einer der beiden Chefs in der Doppelspitze der Stadtbibliothek Achim. Klar, dass er auch hochgradig belesen ist. Aber der schreibenden Zunft gehört er ebenfalls an.

„Der Tibeter“ lautet der Titel seines kürzlich erschienenen Kriminalromans. Es ist bereits sein viertes Werk in diesem literarischen Fach und knüpft inhaltlich an die vorangegangene Trilogie an. Spreenebel-Reihe betitelt er die abgeschlossenen Krimis, die 2015 mit dem Titel „Blutroter Wahn“ ihren Anfang nahm. Es folgten „Missbrauchte Seelen“ und „Der Fluch des Ikarus“.

Schauplatz der Handlungen ist Berlin, im Zentrum stehen die beiden Kriminalhauptkommissare Britt Bredehorst und Ralf Ziether. Während letzterer ein eher zerrissener, mental labiler Charakter ist, nimmt seine Kollegin den geerdeten Part ein. „Jeder Krimi steht für sich allein, man muss nicht mit dem ersten Teil beginnen, um den vierten zu verstehen“, sagt Stephan Leenen, der Wert darauf legt, dass es sich hierbei nicht um Regionalkrimis handelt. 

„Berlin ist einfach nur die Bühne. Ich habe die Hauptstadt gewählt, weil ich mich dort ganz gut auskenne und die Handlungen ja irgendwo stattfinden müssen.“ Es hätte auch jede andere europäische Großstadt sein können, aber Berlin habe seine ganz eigene Geschichte und Kultur. „Dort ist Internationalität angesagt. Ich finde, eine optimale Kulisse.“

Mitreißender Erzählstil

Spannung und ein mitreißender Erzählstil machen alle vier Krimis aus. Wichtig ist es Leenen, gesellschaftlich relevante Themen aufzugreifen. Korruption, Drogen, Rüstung oder Menschenhandel waren nur einige Problemfelder, auf die Stephan Leenen in der Vergangenheit eingegangen ist. 

In „Der Tibeter“ wird es komplexer. Da spielen Buddhismus und der politisch-spirituelle Tibet-Konflikt eine große Rolle. Der Fall, den die beiden Protagonisten bearbeiten müssen, ist hochgradig mysteriös, für den Leser geradezu verstörend. Leichen werden Geiern mitten in Berlin zum Fraß vorgeworfen. Stehen Morde hinter dem grausamen Ritual? Woher kommen die exotischen Vögel? Ein alles andere als genretypisches Szenario, das Ermittler Ralf Ziether sogar eine unfreiwillige Einweisung in die Psychiatrie beschert. Ein fesselnder Stoff von der ersten bis zur letzten Seite.

Stephan Leenen behandelt den Plot umfänglich und in aller Ausführlichkeit. Er hat einen geschärften Blick für Details und verwebt geschickt verschiedene Handlungsstränge miteinander, die für den Leser zunächst unsichtbar auf ein gemeinsames Finale hinauslaufen. Sprachlich und stilistisch liefert er dabei ein blitzsauberes Handwerk ab. Kein Wunder, hat der 59-Jährige einst in den Fächern Germanistik und Geschichte promoviert.

Schockierende Motive

In Leenens Romanen tun sich immer wieder menschliche Abgründe auf, wo teilweise schockierend die Täter mit ihren Motiven und Antrieben auch selbst durchaus zu Wort kommen: „Oft haben mich entsprechende Zeitungsmeldungen aufgerüttelt, die aber schon nach wenigen Tagen von neuen Schlagzeilen verdrängt wurden – obwohl man davon ausgehen konnte, dass Ungerechtigkeiten wie Menschenhandel, Hunger, Unterdrückung und Gewalt natürlich nicht damit abgestellt waren.“ 

Die Meldungen blieben in seinem Hinterkopf und es entstand die Idee, diese Themen in einem Roman zu verarbeiten. „Dann fing ich an zu recherchieren, und es entstand eine fiktive Geschichte, die so vielleicht hätte stattfinden können.“

Erschienen ist „Der Tibeter“, ebenso wie seine drei Vorgänger im Selbstverlag. Erhältlich sind sie im Internet sowie in Achim in den Buchhandlungen Hoffmann und im Bücherwurm. Selbstredend, dass man sie auch in der Stadtbibliothek ausleihen kann – den vierten Band aber wohl erst nach der Lesung am 18. Oktober.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

„Tanz macht Schule“ in der Verdener Stadthalle

„Tanz macht Schule“ in der Verdener Stadthalle

Das waren die zwölf erfolgreichsten Deals aus "Die Höhle der Löwen"

Das waren die zwölf erfolgreichsten Deals aus "Die Höhle der Löwen"

Rapid Wien weiter - AC Mailand verpasst K.o.-Runde

Rapid Wien weiter - AC Mailand verpasst K.o.-Runde

EU will angeschlagener May helfen - aber nur mit Worten

EU will angeschlagener May helfen - aber nur mit Worten

Meistgelesene Artikel

Traditionelles Weihnachtskonzert des Gymnasiums am Wall im Dom

Traditionelles Weihnachtskonzert des Gymnasiums am Wall im Dom

Wilde Verfolgungsfahrt: Auch ein Unfall stoppt 27-Jährigen nicht

Wilde Verfolgungsfahrt: Auch ein Unfall stoppt 27-Jährigen nicht

Adelheid Schwägermann: Vollblut-Pädagogin mit viel Herz und ohne Handy

Adelheid Schwägermann: Vollblut-Pädagogin mit viel Herz und ohne Handy

Erich Schwinge schreibt Buch über die Eisenbahnbrücke

Erich Schwinge schreibt Buch über die Eisenbahnbrücke

Kommentare