Kirchengemeinde St. Matthias ruft zu Spenden auf

Achimer Pastor schlägt Alarm: „Menschen in meiner Heimat Indien sterben wie Tiere“

Pastor Sebastian Chencheril bittet um Spenden, die Indern eine Corona-Behandlung im Krankenhaus ermöglichen.
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Pastor Sebastian Chencheril bittet um Spenden, die Indern eine Corona-Behandlung im Krankenhaus ermöglichen.

Achim – „Menschen sterben wie Tiere“, sagt Pastor Sebastian Chencheril mit Blick auf die rasant zunehmende Zahl der Corona-Toten in seiner Heimat Indien. Die Politik dort unternehme zu wenig, um die Seuche zu bekämpfen und der Bevölkerung zu helfen, beklagt er. Premierminister Narendra Modi habe vor Monaten im eigenen Land entwickelten Impfstoff sogar verschenkt, der nun für seine Landsleute bitter fehle.

„Er hat nicht mit der dritten Infektionswelle gerechnet“, erklärt Chencheril, der aus dem Bundesstaat Kerala im Südwesten des Subkontinents stammt und seit fünf Jahren Pastor in der katholischen Kirchengemeinde St. Matthias in Achim ist. Angesichts der dramatischen Situation in seiner Heimat mit den weltweit höchsten Opferzahlen der Pandemie bittet er die heimische Bevölkerung um Spenden für das katholische Krankenhaus „Mar Sleeva Medicity“ im Bistum Palai in Kerala.

„Es wird dort für die Menschen verwendet werden, die kein Geld für eine Behandlung haben und die zu den Ärmsten gehören“, verspricht Sebastian Chencheril. „Es geht darum, Leben zu retten“, betont er und fügt hinzu: „In Indien sterben auch viele junge Leute an Corona.“

Das Virus und seine Mutationen verbreiteten sich derzeit unaufhaltsam. Denn es fehle an medizinischer Ausstattung und ausreichendem Impfstoff. „Das Gesundheitssystem ist völlig überlastet. Die Menschen leiden unsäglich“, stellt der Pastor fest.

Kerala sei eine der mit am stärksten von der Pandemie betroffenen Provinzen in Indien. Die Wahlen für das Regionalparlament im April hätten im Vorfeld zu Massenversammlungen geführt. „Das hat die Ansteckungsrate erheblich befördert.“

Chencheril berichtet von 40 000 Neuinfizierten pro Tag in Kerala, das rund 34 Millionen Einwohner hat. „99 Prozent der Betten in den Krankenhäusern dort sind belegt.“ Für die Behandlung der an Covid-19-Erkrankten fehle es vielfach an Sauerstoff.

Auch Verwandte in seinem Heimatdorf Keezhoor habe es schon „erwischt“. Ein Bruder von ihm, dessen Frau und zwei der drei Kinder hätten Corona zum Glück überstanden, eines leide jedoch nach wie vor darunter, schildert der 45-Jährige und sorgt sich auch um seine Mutter und seinen Vater. „Meine ebenfalls in dem Dorf lebenden Eltern, beide über 80, sind immer noch nicht geimpft und zum Schutz vor Ansteckung in ihrem Haus isoliert.“

Das Sozialsystem in Indien sei leider längst nicht so gut wie in Deutschland. „Gerade die vielen ärmeren Menschen sind nicht krankenversichert“, weiß Chencheril. „Sie müssen alle ärztlichen Behandlungen aus eigener Tasche bezahlen. Deswegen suchen die meisten Inder nur bei ganz schweren Erkrankungen eine Klinik auf.“

Auch seine Verwandten, die überwiegend in der Landwirtschaft arbeiteten und Kühe hielten, verfügten über keine Krankenversicherung. „Sie sind Tagelöhner und zählen damit gar nicht mal zu den Ärmsten“, ordnet Chencheril ein. Aber für die eigene Gesundheitsvorsorge oder gar einen teuren Krankenhausaufenthalt bleibe kaum Geld übrig.

Die Pandemie bringe Menschen in dem zweitbevölkerungsreichsten Land der Erde mit rund 1,4 Milliarden Einwohnern nicht nur vielfach den Tod, sondern habe darüber hinaus auch zu einer hohen Arbeitslosigkeit geführt, informiert der Geistliche weiter. So habe ein anderer Bruder von ihm, der in der Autoindustrie in Nordindien beschäftigt gewesen sei, infolge Corona seinen Job verloren. Und anders als hierzulande fängt in Chencherils Heimat selbstverständlich keine Arbeitslosenversicherung mit ihren Leistungen oder Kurzarbeitergeld Bedürftige auf.

Kerala ist nach seinen Angaben deutlich stärker christlich geprägt als das übrige Indien. Zwar zähle auch in diesem Bundesstaat die Religion des Hinduismus mit 54 Prozent die meisten Anhänger. „Doch gleich nach den Muslimen, die 26 Prozent stellen, kommen die Christen mit einem Anteil von 18 Prozent, während es in ganz Indien lediglich zwei Prozent sind“, berichtet Chencheril.

In seinem Heimatdorf Keezhoor gebe es deshalb nicht nur eine katholische Kirche, sondern auch eine christliche Schule. Dort sei bei ihm die Grundlage gelegt worden für sein Studium der Theologie. Nach der Priesterweihe war Sebastian Chencheril zunächst als Seelsorger im Bistum Palai tätig. „Viele junge Männer werden in Indien Pastor oder Pfarrer.“ Anders als in Europa herrsche in Südasien bei der katholischen Kirche kein Priestermangel, ganz im Gegenteil. Bereits in der Heimat habe er deshalb einen Deutschkurs besucht. „Richtig gelernt habe ich die Sprache dann, nachdem mich mein Bischof nach Hildesheim entsandt hatte und anschließend in einer Gemeinde in Gronau, bevor ich nach Achim gekommen bin.“ Hier wolle er solange in St. Matthias wirken bis ihn sein Bischof in Palai wieder zurückrufe.

Aufgrund der akuten Notlage in Indien hätten ihn nun Pfarrer Matthias Ziemens, Heinrich Wellen, 2. Vorsitzender des Pastoralrats, und weitere führende Mitglieder der Gemeinde gefragt, ob denn nicht eine Spendenaktion für Bedürftige gestartet werden solle. „Und da habe ich dann an das Krankenhaus in meinem Heimatbistum gedacht.“ Spenden sind auf das Konto von St. Matthias unter dem Stichwort „Corona-Hilfe für Indien“ möglich; IBAN: DE60 2915 2670 0011 0379 26.

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