Menschen mit Behinderungen kicken um die „Special Euro Championship“

Barca jubelt auch in Achim

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Riesige Siegesfreude beim TSV Achim nach dem Auftaktspiel.

Achim - Am Wochenende war Barca da – in Berlin und in Achim. Während Messi, Neymar, Suarez & Co. im Olympiastadion mit Hochgeschwindigkeits-Kombinationen Juventus Turin das Fürchten lehrten, spielte ein Team von behinderten Menschen, denen der Fußball zum wichtigen Lebensinhalt geworden ist, für den FC Barcelona auf der Sportanlage des TSV Achim um die „Special Euro Championship“.

Doch der FC Barcelona war nur eine von mehr als 20 Mannschaften und nicht der einzige klangvolle Name. Das Fünf-Länder-Turnier (Deutschland, Niederlande, Spanien, England, Israel) war überaus prominent besetzt. Auf die Gruppen verteilt spielten auch noch der FC Chelsea, Pokalverteidiger Mainz 05, Hapoel Tel Aviv, Werder Bremen und nicht zuletzt der gastgebende TSV Achim. Dazu Teams aus dem schleswig-holsteinischen Eichede, Wilhelmshaven, Hannover, Worpswede, Delmenhorst, Osterholz-Scharmbeck...

Schon bei der Eröffnung des Turniers war die Vorfreude spürbar. Die Delegation des FC Barcelona versprühte katalanisches Temperament, aber die Stimmung in der Reihen der Organisatoren um Kai Tietjen und Heiko Strüver, beim Kooperationspartner SV Werder Bremen sowie bei den vielen freiwilligen Helfern war kaum weniger ausgelassen. Und Bürgermeister Rainer Ditzfeld, gemeinsam mit Werders Ehrenpräsident Klaus-Dieter Fischer Schirmherr dieser Veranstaltung, freute sich über die „einmalige internationale Besetzung“ und den Imagegewinn für die Stadt. Mit diesem Fußballturnier sei Achim nicht nur deutschlandweit in vieler Munde, sondern sogar in mindestens vier weiteren europäischen Ländern.

Klaus-Dieter Fischer nannte die „Special Euro Championship das tollste Turnier seiner Art“, während Heiko Strüver und Kai Tietjen gemeinsam mit den Fußballern und ihren Begleitern noch vor dem Einlagespiel zweier Jugendmannschaften des TSV Achim, das von Schiedsrichter Heino Stadtlander geleitet wurde, das erste gemeinsame Jubeln choreographierten.

Eine Besonderheit der „Special Euro Champion-ship“ sind die überraschenden Spielergebnisse. Nicht immer garantiert ein großer Name auch Erfolg. Der FC Chelsea hatte gegen Mainz 05 nicht die Spur einer Chance. Der Titelverteidiger war in allen Belangen überlegen. Das galt zeitweise auch für die erste Mannschaft des TSV Achim. Gegner im ersten Gruppenspiel war der SV Werder. Stürmer Pascal Rattinger war davon wenig beeindruckt und brachte den TSV mit zwei wunderschönen Toren in Führung. Den Bremern gelang nur noch der Anschlusstreffer.

Peter Kathmann, einer der Trainer des TSV Achim, war sehr zufrieden mit seiner Mannschaft. Kathmann trainiert das Handicap-Team bereits seit neun Jahren: „Damals haben wir uns nicht vorstellen können, dass diese Art des Fußball einmal einen solchen Stellenwert haben könnte.“ Innerhalb des Gesamtvereins und für jeden einzelnen Akteur: „Natürlich waren die Jungs vor diesem Turnier etwas aufgeregter als sonst.“ Die spieltaktische Ausrichtung jedoch bleibt unbeeinflusst vom jeweiligen Gegner. Vor dem Spiel gegen Werder baute Kathmann eine übliche, aber diesmal besonders wirksame Sicherung ein: „Wenn einer unserer Abwehrspieler mit nach vorne geht, lässt sich jemand aus dem Mittelfeld zurückfallen.“ Das half dem TSV Achim bei der Raumaufteilung und schützte vor Konter. Werder wusste dagegen kein Mittel, der Jubel war ganz auf Seiten der Gastgeber.

Die nächste „Special Euro Championship“ ist schon terminiert: Im Juni 2018 wird die Inklusion zum dritten Mal mit einem großen Fußballturnier sportlich gestärkt.

häg

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