Dokumentation zum Magdeburger Viertel

Menschen aus aller Welt suchen Zuflucht im Norden

Dokumentation zur sozialen Stadterneuerung im Norden Achims von 2000 bis 2017.

Achim - „Die Menschen fanden und finden im Magdeburger Viertel eine neue Heimat“, ist zu erfahren in der Broschüre zum Abschluss der sozialen Stadterneuerung in Achim-Nord unter dem Titel „Für ein neues Morgen.“

Die von Stadtplanerin Angelika Steinbach und Bürgerzentrums-Chef Dirk Ysker verantwortete nicht schönfärberische Dokumentation, die den Weg der in den 70er Jahren entstandenen Modellsiedlung mit Hochhäusern bis zum sanierungsbedürftigen Ghetto aufzeigt, hält fest, dass dieses Magdeburger Viertel bis heute der zentrale Ankunftsort für all diejenigen ist, die es aus fernen Ländern nach Achim verschlagen hat.

Mit türkischen Gastarbeitern und Familien aus dem ehemaligen Jugoslawien hat es begonnen. Meist waren es Gastarbeiter im Textilbetrieb Runken, der Aluminiumfirma Alcan oder der Schuhmaschinenfabrik Desma, die auf Zeit gekommen waren und doch blieben. Als ihre Familien nachkamen, verließen sie firmeneigene Unterkünfte und fanden bezahlbaren Wohnraum nur hier in den Häusern des Nordens.

Integrations-Bereitschaft schwankt

Menschen aus anderen Kulturkreisen folgten. Ende der 70er-Jahre die Boatpeople aus Vietnam, in den 80er-Jahren Kurden aus der Türkei, Flüchtlinge aus dem Libanon, Aus- und Übersiedler aus der ehemaligen Sowjetunion und der DDR oder auch die sogenannten Balkanflüchtlinge während des Kriegs im zerfallenen Jugoslawien.

Krieg, Verfolgung und Hunger brachten mit der Flüchtlingswelle auch Menschen aus Afghanistan, Syrien, Iran, Irak oder Afrika nach Achim. Während manche hoffen, in ihre Heimat zurückzukehren, sind viele gekommen, um zu bleiben.

Die Bereitschaft, sich zu integrieren, schwankt zwischen den vorbildlichen Vietnamesen bis zu Kosovo-Albanern oder Libanesen. In der Dokumentation ist zu einigen Kosovo-Albanern zu lesen: „Die Großfamilien leben in Clans organisiert in einer Parallelgesellschaft nach ihren Sitten und Regeln. Das führte nicht selten zu Nachbarschaftskonflikten sowie zu Problemen mit Behörden und Schulen. Kaum jemand dieser jungen Menschen, die vielfach bereits als Teenager verheiratet werden, hat einen Bildungsabschluss. Oftmals waren sie schon früh mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Auch einzelne Familien aus dem Libanon, die seit Ende der 80er Jahre als Asylsuchende kamen, formierten sich zu kriminellen Clans im Magdeburger Viertel.“

Eine explosive Mischung

Multikulti oft in einer Parallelgesellschaft, überdurchschnittlich viele deutsche Sozialhilfeempfänger sowie der Verfall und die Verwahrlosung der einst gepriesenen Hochhäuser schufen eine explosive Mischung. „Das Zusammenleben der Deutschen und Zugewanderten wurde auf eine harte Probe gestellt.“

Die städtebauliche Sanierung des Magdeburger Viertels und die weiter unverzichtbare Sozialarbeit des Bürgerzentrums lassen hoffen „auf ein erfolgreiches Morgen“, wie die lesenswerte und reich bebilderte Broschüre betitelt ist. Sie ist im Bürgerzentrum und im Achimer Rathaus kostenlos zu haben oder auch im Internet unter www.achim.de zu sehen und herunterzuladen. 

mb

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