Kleines, aber dankbares Publikum

Liedermacher im Kulturhaus: Mal melancholisch, kritisch oder lustig

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Miss Allie: Gewieft, forsch und deutlich.

Achim - Liederabend am Freitag im Kulturhaus Alter Schützenhof (Kasch). Mit dabei der Bremer Michael Gerdes. Er vertraut gerne auf die Wirkung eigener Worte. Schon vielfach Strapaziertes und Altbekanntes einfach nur nachzusingen, ist seine Sache nicht. Vielmehr betrachtet er die alltäglichen Momente des Lebens zumeist aus persönlicher, seltener aus distanzierter Perspektive. Dabei entdeckt er überraschende Zusammenhänge.

Gerdes war am Freitagabend in der Veranstaltungsreihe „Haste Töne“ durchaus prägendes Element eines Gemeinschaftskonzertes. Seine gleichberechtigten musikalischen Mitstreiter waren das Liedermacher-Duo Howald & Thölen sowie „Miss Allie“.

Letztgenannte heißt bürgerlich Elisa und stammt aus Lüneburg. In Achim ist sie lebendiger Bestandteil einer Bühne mit kommodem Mobiliar und Stehlampe. Sie erzählt von Herz und Klosett und schafft in ihren Texten eine Verbindung. Das könnte für Extravaganz stehen oder für schräge Metaphern.

In der Folge erfüllt Miss Allie mitunter beide Erwartungen. Musikalisch schreitet sie eher forsch voran und gibt sich zwischendurch gewieft herzig. Denn Vorsicht! Sobald Miss Allie in gereimter Form die Klinge kreuzt mit aufdringlichen fremden Männern oder nachlässigen Liebhabern, mangelt es ihr nicht an verbaler Deutlichkeit. Selbst Basti, der nicht kapiert, dass Elisa ihn anhimmelt, kommt schließlich nicht wirklich gut weg. Basti hat zwar einen Astralkörper, ist aber im Kopf nicht besonders helle.

Michael Gerdes: Persönliche, nicht distanzierte Sicht.

Der Abend im Kasch wurde von Marno Howald in drei Kategorien unterteilt. Gerdes Part ist der melancholisch-liebevolle, Miss Allie ist die Humoristin. Das Bremer Liedermacher-Duo Howald & Thölen nimmt für sich den kritischen Part in Anspruch. Und klingt dabei hin und wieder wie Kunze aus den 80ern oder wie Wader und Degenhardt zusammen. Nur die Themen geraten dabei etwas kleiner.

Howald singt von eigenen Fehlern, die bei einer neuen Freundin ins Gewicht fallen könnten, auch von nervender Gartenarbeit, oder er sucht „Die Unsichtbare“.

Miss Allie mag auf dieser „Meta-Ebene“ nicht so recht mitspielen. Sie kümmert sich in ihren Liedern um durchgeknallte Schlossermeister („Du kleine Süße“), um perfekt gebratene Schweinesteaks, die wichtiger sind als Zweisamkeit, oder ganz allgemein um den schönen Schein. Und Michael Gerdes? Sagt „Ich sing für Dich“ und tut es dann. Im Kasch gerade einmal für etwas mehr als 50 Zuhörer. Die allerdings applaudieren kräftig.  J häg

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