Gedränge im Bahnhofstunnel

Amazon und Stadt fordern Bahn zum Handeln auf: „Mehr Zugkapazitäten für Achim nötig“

Immer mehr Pendler nutzen den Achimer Bahnhof. Dadurch sind der Tunnel, Bahnsteige und Züge zu bestimmten Zeiten überfüllt.
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Immer mehr Pendler nutzen den Achimer Bahnhof. Dadurch sind der Tunnel, Bahnsteige und Züge zu bestimmten Zeiten überfüllt.

Achim – „Eine hohe Anzahl der neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Amazon-Standortes im Uesener Feld nutzt erfreulicherweise die Bahn und den Shuttlebusservice über den Bahnhof Achim und entlastet so die Straßen“, leitet SPD-Ratsfrau Cornelia Schneider-Pungs ein Schreiben an den Bürgermeister ein. Dies führe allerdings zum Teil zu Gedränge im Bahnhofstunnel und auf den Bahnsteigen.

„Dabei werden sowohl beim Umsteigen als auch im Zug Verhaltensweisen beobachtet, die mit dem immer noch geltenden Abstandsgebot der Corona-Pandemie nicht konform gehen und auf die übrigen ÖPNV-Nutzer irritierend wirken“, merkt Schneider-Pungs an. Die Ex-Bürgermeisterkandidatin fordert die Stadtverwaltung auf, sich um die genannten Missstände zu kümmern und darauf zu dringen, dass diese aufhören.

Schneider-Pungs fragt, ob mit der Firma Amazon über entsprechende Einweisungen für deren Personal gesprochen worden sei und auch darüber, die Schichtwechsel so zu gestalten, dass zeitliche Entzerrungen am Bahnhof möglich sind. Auch regt die Sozialdemokratin den Einsatz von Begleitpersonal dort und in den Zubringerbussen an. Schließlich schlägt sie vor, „das vorhandene Ordnungspersonal der Bahn zumindest für die nächsten Monate auf die hauptbetroffenen Zeiten beziehungsweise Zugverbindungen zu konzentrieren“.

Die Anfrage von Schneider-Pungs und die Antwort der Stadtverwaltung steht heute auf der Tagesordnung des Ratsausschusses für Wirtschaft, Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr. Die öffentliche Sitzung beginnt um 17 Uhr im Ratssaal. Rund 60 Prozent der Belegschaft des Logistikzentrums im Uesener Feld nutzten Bus und Bahn, habe eine Befragung des Unternehmens ergeben, lässt die Verwaltung wissen. „Eines der Ziele im Rahmen der Ansiedlung von Amazon, den Individualverkehr der rund 2 000 Mitarbeitenden möglichst gering zu halten und den ÖPNV in Achim zu stärken, konnte damit eindrucksvoll erreicht werden. Das Ergebnis, dass zu den Schichtwechseln ein erhöhtes Aufkommen von Fahrgästen an den Bahnhöfen Achim und Baden besteht, ist damit letztlich sogar gewollt.“

Die „Pendlersituation“ und das angemessene Verhalten in der Pandemie werde immer wieder mit den Verantwortlichen bei Amazon erörtert. Standortleiter Jörn Asmussen habe zum ersten Teil der Anfrage folgende Stellungnahme abgegeben:

„Die Sicherheit unserer Teams hat oberste Priorität. Wir haben mehr als 150 Prozesse in unserem Logistiknetzwerk maßgeblich angepasst. Dazu gehören unter anderem erhöhte Reinigungs- und Desinfektionsintervalle, Temperaturmessung beim Betreten der Gebäude, Maskenpflicht, Zwei-Meter-Abstandsregeln, gestaffelte Schicht- und Pausenzeiten sowie das freiwillige Angebot von zwei wöchentlichen Tests an die Mitarbeiter:innen. Hier setzen wir auf die besonders sicheren PCR-Tests.“ Seit Inbetriebnahme des Logistikzentrums im Mai seien die Covid-19-Schutzmaßnahmen auf dem Firmengelände nicht gelockert worden. Und es bestehe die Anordnung, dass diese, insbesondere das Abstand halten und das Tragen von Masken, auch an der Bushaltestelle vor dem Gebäude einzuhalten sind.

Amazon habe darüber hinaus eine Aufsichtspflicht mit der Weser-Ems-Busgesellschaft als Betreiber der Zubringerlinie vereinbart. Allerdings hat der Arbeitgeber laut Asmussen „keine Befugnisse, regulatorisch einzugreifen, da sich die betreffenden Mitarbeitenden sowohl außerhalb des Firmengeländes aufhalten, als auch außerhalb der Arbeitszeiten den ÖPNV nutzen“.

Die Stadt Achim hat nach eigenen Angaben „als Standortkommune keine rechtlichen und tatsächlichen Möglichkeiten, auf den Bushaltestellen oder den Bahnhöfen Achim und Baden nach öffentlichem Ordnungsrecht beziehungsweise zur Einhaltung der Abstandsregelungen und Maskenpflicht nach der Corona-Verordnung des Landes Niedersachsen tätig zu werden und Maßnahmen gegen Reisende des ÖPNV einzufordern oder anzuordnen“. Diese Befugnis obliege „bisher nur den Vollzugsbeamten der Polizei (Bundespolizei und Landespolizei) und den bestellten Vollzugsbeamten der Kreisverwaltung“.

Ordnungspersonal auf bestimmte Züge zu konzentrieren, sei seit der Privatisierung, Deregulierung und Regionalisierung des Zugverkehrs im Zuge der Bahnreform 1993 schwerlich möglich. Denn für die in Achim haltenden Züge und Linien gebe es drei Betreiber. „Die Strecke wird derzeit von der Deutschen Bahn AG, der Nordwestbahn GmbH und der Erixx GmbH bedient“, erläutert Birgit Gieschen namens der Stadtverwaltung. Hausrecht und damit Anordnungsgewalt auf den von der Deutschen Bahn AG verwalteten Bahnhöfen, also insbesondere den Bahnsteigen, habe nur die Bundespolizei.

Gespräche mit den Verantwortlichen des Zweckverbands Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (ZVBN) und des Referats Schienenverkehr der Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau in Bremen im Hinblick auf andere Fahrtzeiten seien „leider ohne greifbaren Erfolg“ geführt worden. Dabei gelte es, die „Mitarbeiterströme im ÖPNV von und nach Bremen“ zu entzerren.

Auch Gespräche über zusätzliches Personal der Bahn würden der Stadt zufolge zu keinem anderen Ergebnis führen. Denn dafür, legt Gieschen dar, wäre der jeweilige Linienbetreiber zuständig, „und es müsste die gesamte Fahrtstrecke abgedeckt werden und nicht nur die sehr kurze Teilstrecke von Bremen-Hauptbahnhof bis nach Achim oder Baden. Diese Zugbegleiter hätten wiederum auch nur in den Zügen ihrer Betreibergesellschaft Weisungsbefugnisse und nicht auf den Bahnhöfen“.

Vermehrter Personaleinsatz löst nach Auffassung der Verwaltung auch nicht das „eigentliche Kernproblem der nicht ausreichenden Beförderungskapazitäten und der daraus resultierenden räumlichen Enge“. Was Amazon genauso sieht. „Wir würden aufgrund des hohen Gesamtpassagieraufkommens erweiterte Zugkapazitäten zu bestimmten Zeiten als außerordentlich sinnvoll erachten“, sagt Asmussen.

Die Stadt verspricht, in diesem Punkt Druck zu machen. „Hier wird die Verwaltung gemeinsam mit dem Landkreis Verden weitere Anläufe beim ZVBN unternehmen, um für den veränderten Beförderungsbedarf angepasste Kapazitäten zu erhalten.“  

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