Podiumsrunde des Achimer Kreisblatts

Bürgermeisterkandidaten bekennen Farbe: Mehr Einnahmen, weniger Blechlawinen

Stellten sich den Fragen von Moderatorin Sandra Bischoff (r.): Marcel Dominic Bandowski, Cornelia Schneider-Pungs, Rainer Ditzfeld und Dr. Nadine Fischer (von links).
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Stellten sich den Fragen von Moderatorin Sandra Bischoff (r., Bild bitte vergrößern): Marcel Dominic Bandowski, Cornelia Schneider-Pungs, Rainer Ditzfeld und Dr. Nadine Fischer (von links).

Achim – „Was sind die größten Herausforderungen, vor denen Achim steht?“, wollte Moderatorin Sandra Bischoff von den Kandidatinnen und Kandidaten für die Bürgermeisterwahl am 12. September wissen. „Die Einnahmen zu steigern, weil Kindergärten und andere Infrastruktur ausgebaut werden müssen“, antwortete Cornelia Schneider-Pungs (SPD). „Große Projekte wie Achim-West, Lieken, Innenstadtentwicklung zu verwirklichen, ohne die Stadt stark zu verschulden“, lautete das Statement von Bürgermeister Rainer Ditzfeld (parteilos).

„Eine Balance zwischen den individuellen Bedürfnissen zu schaffen und dabei zum Beispiel auch die Landwirte nicht zu vergessen“, sagte Dr. Nadine Fischer (parteilos), die für die CDU antritt. „Bei der Klimakrise mit ihren finanziellen Belastungen muss die Stadt allen unter die Arme greifen, egal ob Unternehmen, Familien oder jungen Leuten“, äußerte Marcel Dominic Bandowski (Freie Wähler). Die Podiumsdiskussion des Achimer Kreisblatts am Montagabend vor in der Pandemie 60 zugelassenen Besuchern im Kasch nahm schnell Fahrt auf.

Dabei wartete Redaktionsleiterin Bischoff auch mit der einen oder anderen überraschenden Frage an die Aspiranten für den Chefsessel im Rathaus auf. „Wenn Sie frei über Geld verfügen könnten, welche Visionen hätten Sie für Achim?“ Fischer sprach von einem „unrealistischen Szenario“, rang sich dann noch zu der Antwort „ÖPNV für alle kostenfrei machen“ durch. Bandowski würde Tourismus, Innenstadt und nicht zuletzt Sportstätten fördern, „damit endlich wieder ein Deutscher Meister aus Achim kommt“. Digitalisierung, überhaupt Innovation und Klimaschutz nannte Schneider-Pungs als Stichworte und fügte hinzu, „dass wir keinen Müll mehr verursachen“. Ditzfeld würde den Weserradweg mit der Innenstadt verknüpfen und die Achimer Tafel oder den Bürgerbusverein mit hauptamtlichen Kräften unterstützen.

Wo könnte die Stadt sparen? Sollte sie die Steuern erhöhen? „Achim hat doch schon die höchste Gewerbesteuerquote im Landkreis“, schüttelte Bandowski den Kopf. Und sparen halte er für schwierig, „dann würde irgendjemandem was fehlen“. Sie wolle „der Kultur nicht den letzten Krümel wegnehmen“, stimmte Schneider-Pungs zu. Sie wandte sich auch gegen ein Drehen an der Personalkostenschraube, „weil ja alles am Laufen gehalten werden muss“. Steuern zu erhöhen, bezeichnete die Sozialdemokratin als „allerletzten Schritt“. Auch Ditzfeld lehnte es ab, Zuschüsse an Bäder oder Vereine zu streichen. „Wenn überhaupt, sollten Ausgaben generell um fünf oder zehn Prozent gekürzt werden.“ Fischer plädierte dafür, auf eine Oberstufe an der IGS zu verzichten und das Projekt „Achim-West“ mit seinen „immensen Folgekosten“ zu stoppen.

Womit die Debatte zum Reizthema „Gewerbegebietsentwicklung“ eröffnet war. Sie sei für „moderates Wachstum. Achim-West ist uns über den Kopf gewachsen“, stellte Fischer fest. Alternativ könnte das Industrie- und Gewerbegebiet Achim-Ost in Richtung Baden erweitert werden, schlug die CDU-Kandidatin vor. „Was meinen Sie, wie schnell da eine Bürgerinitiative dagegen entstehen würde?!“, entgegnete Ditzfeld. „Achim-West“ böte eine „Riesenchance“, um die Gewerbesteuererträge, die 46 Prozent der Einnahmen der Stadt ausmachten, zu steigern. Aber auch die verkehrliche Entlastung Uphusens sei nur mit den zum Projekt gehörenden „sehr teuren“ Straßenbaumaßnahmen und Grundstückskäufen möglich, merkte der Bürgermeister an. Ein Gewerbegebiet Achim-West läge verkehrstechnisch günstig, hob Schneider-Pungs hervor. Und nötig, damit keine Unternehmen mit hunderten Arbeitsplätzen abwanderten. Allerdings sollte keine Versiegelungswüste über 90 Hektar gebaut werden, sondern eher ein Gewerbepark. Bandowski teilte die Position der beiden Vorredner zu „Achim-West“ und brachte zudem „Co-Working in der City“ ins Spiel.

In der Publikumsrunde hielt ein Einwohner Schneider-Pungs entgegen, dass infolge „West“ die Blechlawine auf der Bremer Straße um 3 000 Fahrzeuge pro Tag wachsen würde. „Die Blechlawine in ganz Achim muss weg“, erwiderte die SPD-Kandidatin. „Wir müssen viel mehr in den ÖPNV investieren“, etwa für einen Bahnhalt in Uphusen. „Hilfreich wäre natürlich auch Radfahren.“

Gespannt verfolgte das Publikum im Saal des Kasch das Frage-Antwort-Spiel.

Neben zu viel Verkehr bemängeln viele Einwohner, zu wenig bezahlbaren Wohnraum in Achim vorzufinden. Schneider-Pungs erinnerte daran, dass künftig in Neubaugebieten der Anteil der Sozialwohnungen 20 Prozent betragen müsse. Eine Bürgermeisterin Fischer würde „Experten nach Lösungen suchen lassen“. Bandowski hatte eine Idee: „Wir müssen wohl auf begrenzter Fläche in die Höhe bauen“, er machte sich auch für Mehrgenerationenwohnen stark. Für diesen Zweck sollte es nach Ansicht von Ditzfeld Fördermittel für Hausumbauten geben.

Wie bleibt oder wird Achim lebenswert? Ditzfeld vermisste eine „florierende Innenstadt“ und weitere Investoren dafür. „Jugendliche wünschen sich einen besseren ÖPNV und mehr Treffpunkte“, warf Fischer ein. „Auch in den Ortsteilen sollte es mehr Angebote für die Gemeinschaft geben“, ergänzte Bandowski. „Mehr Miteinander von Baden bis Uphusen“, forderte Schneider-Pungs ein.

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Zum Abschluss hatte die souverän durch die Diskussion führende Bischoff noch eine spannende Frage parat: „Was möchten Sie nach Ihrer Amtszeit über sich in der Zeitung lesen?“ Marcel Dominic Bandowski (28) antwortete: „Ich möchte als jemand in die Geschichte eingehen, dem man vertrauen konnte.“ Nadine Fischer (33): „15 Jahre Volldampf – jetzt ist Platz für was Neues“. Rainer Ditzfeld (59): „Innenstadt und Wirtschaft nach vorne gebracht.“ Und schließlich Cornelia Schneider-Pungs (40): „Vor 20 Jahren angetreten – hat die Stadt innovativ nach vorne gebracht und die Bürger begeistert.“

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