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Mehr als 20 Millionen Euro für neues Wasserwerk in Achim

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Von: Dennis Bartz

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Seit 1966 versorgt das Wasserwerk Wittkoppenberg die Menschen im Norden des Landkreises.
Seit 1966 versorgt das Wasserwerk Wittkoppenberg die Menschen im Norden des Landkreises. © Bartz

Ein Defekt im Notstromaggregat des Wasserwerks Wittkoppenberg hat zuletzt mehrfach dazu geführt, dass viele Menschen für einige Minuten ohne Trinkwasser auskommen mussten. In dieser Woche wird der Schaden behoben. Trotzdem hat der Trinkwasserband Verden große Pläne: Für über 20 Millionen Euro soll ein neues Wasserwerk gebaut werden.

Achim – Erst tröpfelte noch etwas Wasser aus dem Hahn, dann gluckerte es in der Leitung – und schließlich kam nichts mehr. Gleich mehrfach mussten die Bürger im Versorgungsgebiet des Wasserwerks Wittkoppenberg seit Mitte September für jeweils einige Minuten auf frisches Wasser aus der Leitung verzichten.

Besonders ärgerlich war der Ausfall am Freitagmorgen vor zwei Wochen, als die Menschen im Versorgungsgebiet Nord – dazu gehören die Stadt Achim, die Gemeinde Oyten, der Flecken Ottersberg sowie Etelsen im Flecken Langwedel – in den neuen Arbeitstag starten wollten. Duschen war nicht möglich – und auch frisches Wasser für die Kaffeemaschine gab es für knapp eine halbe Stunde nicht.

„Eigentlich sind Ausfälle wie diese bei uns sehr selten. Sie haben unsere positive Bilanz ein wenig kaputtgemacht“, ärgert sich Stefan Hamann, seit Oktober 2012 Geschäftsführer des Trinkwasserverbands in Verden.

Als Ursache für die Probleme nennt er den Brand eines Transformators auf dem Gelände einer Biogasanlage am 20. September: „Dabei kam es zu einer Überspannung, die offenbar die Steuerungseinheit unseres Notstromaggregats zerstört hat.“

Das Aggregat, das einen kompletten Raum im Nebengebäude des Wasserwerks einnimmt und im Ernstfall Strom liefern soll, springt normalerweise sofort an, sobald es zu einem Spannungsausfall im Netz der Stadtwerke kommt. „Mehr als 72 Stunden können wir damit die Wasserversorgung problemlos aufrechterhalten“, erklärt Stefan Hamann und ergänzt: „Wegen des defekten Bauteils ist die Anlage aber auch beim zweiten Zwischenfall Mitte November nicht angesprungen. Wir mussten erst aus Verden anfahren, um die Sicherung per Hand wieder einzuschalten.“

Nachdem bekannt war, welches Bauteil defekt ist, haben Hamann und sein technischer Mitarbeiter Sebastian Müller nach eigenen Worten „alles versucht, um schnellstmöglich Ersatz dafür zu bekommen“. Sie haben sogar einen deutlich höheren Preis in Kauf genommen, weil eine günstigere Steuerungseinheit frühestens Ende Januar lieferbar gewesen wäre. „Solange wollten wir darauf aber nicht warten. Anstatt 15.000 Euro müssen wir nun inklusive Einbau 30.000 Euro bezahlen“, rechnet Hamann vor.

Geschäftsführer Stefan Hamann im Herzstück des Wasserwerks: Die Pumpen fördern eine Wassermenge in Höhe von bis zu 2 000 Kubikmetern pro Stunde in die Haushalte.
Geschäftsführer Stefan Hamann im Herzstück des Wasserwerks: Die Pumpen fördern eine Wassermenge in Höhe von bis zu 2.000 Kubikmetern pro Stunde in die Haushalte. © Bartz

Seit Montag ist eine Spezialfirma vor Ort, um den Austausch vorzunehmen. In der Nacht von Freitag auf Samstag sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. „Ab dann läuft alles wieder so verlässlich wie gewohnt“, hofft Stefan Hamann.

Der 47-Jährige kritisiert die Achimer Stadtwerke: „Uns fehlen von dort leider wichtige Informationen zum Zwischenfall im September. Auf unsere schriftliche Anfrage nach dem Grund für den zweiten Ausfall haben wir bis heute keine Antwort erhalten.“ Sebastian Müller erklärt dazu: „Es ist für uns wichtig, mehr Details zu bekommen, damit wir verhindern können, dass so etwas in Zukunft noch einmal passiert. Die Hauptsicherung springt eigentlich nie raus.“

Dass das Wasserwerk Wittkoppenberg, das 1966 in Betrieb gegangen ist und 1991 erweitert wurde, inzwischen in die Jahre gekommen ist, damit habe der mehrfache Ausfall nichts zu tun, betont Stefan Hamann.

Trotzdem plane der Trinkwasserverband Verden bereits einen Neubau an anderer Stelle, weil die Technik veraltet ist und inzwischen einige Räume in dem Gebäude leer stehen. Mit dem neuen Wasserwerk will der Trinkwasserverband näher an die Stadt Achim rücken und hat dafür das eigene Grundstück an der Käthe-Kruse-Straße im Industriegebiet Achim-Ost vorgesehen. „Die Abstimmung mit den Behörden steht dafür noch aus“, erklärt Hamann, der auf einen Baubeginn spätestens 2025 hofft. Zwei bis drei Jahre später soll das neue Wasserwerk in Betrieb gehen – Kostenpunkt: mehr als 20 Millionen Euro. „Eine Kalkulation ist in der heutigen Zeit schwierig“, sagt Hamann. Die bisherigen 15 Förderbrunnen im Wald im Ortsteil Ueserdicken sollen dann weiter genutzt werden.

Wenn am 30. November die nächste Verbandsversammlung ansteht, soll auch über die gestiegenen Kosten gesprochen werden. Sorgen über höhere Wasserpreise müssen sich die Kunden aber noch nicht machen, beruhigt Stefan Hamann: „Im Jahr 2023 werden die Preise auf jeden Fall stabil bleiben. Das ist in der heutigen Zeit nicht selbstverständlich.

Auf sechs Millionen Kubikmeter Fördermenge pro Jahr ist das Wasserwerk Wittkoppenberg beschränkt, das zusätzlich Bremen-Tenever beliefert. Nach Auskunft von Stefan Hamann liegt die tatsächliche Menge mit etwa 5,6 Millionen Kubikmetern nur knapp darunter.

Techniker Sebastian Müller (l.) und Stefan Hamann zeigen das Notstromaggregat, das derzeit repariert wird.
Techniker Sebastian Müller (l.) und Stefan Hamann zeigen das Notstromaggregat, das derzeit repariert wird. © Bartz

Im ersten Jahr der CoronaPandemie war der Verbrauch durch Privatkunden laut Hamann deutlich gestiegen. „Die Menschen waren mehr zu Hause und konnten außerdem nicht verreisen – deshalb war es ihnen umso wichtiger, dass ihr Rasen schön grün ist.“

Der Geschäftsführer des Trinkwasserverbands rechnet damit, dass aufgrund der hohen Energiekosten der Verbrauch wieder zurückgehen wird: „Wer kürzer duscht, der reduziert nicht nur den Gasverbrauch, er spart auch Wasser.

Dass das Grundwasser knapp wird, erwartet er nicht: „Wir merken den Klimawandel. Die Sommer sind trockener – die gesamte Regenmenge pro Jahr bleibt aber in etwa konstant, 2021 war sogar ein besonders nasses Jahr“, so Hamann.

Einen besonders hohen Wasserverbrauch verzeichnet der Trinkwasserverband jedes Jahr in der ersten trockenen Periode im März oder April. Pro Stunde gehen dann zwischen 1 .600 bis 1 .800 Kubikmeter durch die Leitungen. Bei maximaler Auslastung schaffen die Pumpen bis zu 2 .000 Kubikmeter.

Als „sehr gut“ bezeichnet Stefan Hamann die Wasserqualität: „Die Werte entsprechen der Trinkwasserverordnung. Unser Wasser ist mit einem Wert von 14 bis 15 etwas härter.“ Sein Tipp: Wer den Wasserkocher deshalb entkalken muss, kann dafür beispielsweise Apfelessig benutzen.

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