Shanty Chor entert Kasch-Bühne

Wo die Meerjungfrau den Leuchtturmwärter küsst

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Via Plakat animierte der Shanty Chor Bremen das Kasch-Publikum zum Mitsingen.

Achim - Wenn der Bremer Shanty Chor „Leinen los!“ befiehlt und musikalisch in See sticht, dann ist natürlich auch „The Drunken Sailor“ mit an Bord. Einer läuft ja immer aus dem Ruder.

So auch am Freitagabend im Kulturhaus Alter Schützenhof (Kasch), wo das 1978 gegründete maritime Ensemble im blauen Saal konzertierte. Freunde der seemännischen Arbeitslieder, die auf den Ozeanen gesungen wurden, weil das Leben dort hart war und bisweilen groß die Angst vor der Strenge des Kapitäns oder den Launen der Meere, hatte sich im blauen Saal eingefunden.

Nicht, dass man bei Auftritten von Shanty-Chören etwas wirklich Neues im Repertoire erwarten darf. Interessant sind die unterschiedlichen Interpretationen. Allzu süßliche, beinahe klebrige Seefahrer-Romantik törnt ab, Gehör verschaffen sich Chöre, die sich der eigentlichen Bedeutung von Shantys verpflichtet fühlen. So ein Chor ist das Bremer Ensemble.

Seefahrt nicht immer lustig

Seefahrt ist nicht immer lustig. Im Gegenteil: „Der Beruf des Seemannes auf einem Segelschiff war der härteste der Welt“, sagte Chorleiter Christian Preiss-Daimler. An Deck machten sadistische Vorgesetzte der Mannschaft das Leben zur Hölle, und in den Hafenvierteln dieser Erde pickten aufgehübschte langbeinige Bordsteinschwalben sich im Zwielicht von Straßen und Kneipen die Heuer der Matrosen. Eine Ausnahme mag „Angelina“ gewesen sein. Ihr wurde von Harry Belafonte ein musikalisches Denkmal gesetzt. Im Kasch intonierte der Bremer Shanty Chor seine Liebeserklärung.

Das Ensemble hatte nicht nur viel zu singen, zum Beispiel Achim Reichels „Aloha heja he“ oder Klassiker des plattdeutschen Stimmungsgesangs wie den „Hamborger Veermaster“, sondern auch viel zu erzählen. Immer mit dabei: jede Menge Seemannsgarn. Das wurde großzügig verarbeitet bei der Geschichte von der Liebe zwischen Meerjungfrau und Leuchtturmwärter, aus der natürlich besondere Kinder hervorgingen, oder in den Liedern über Alkohol, in denen das Wort Alkohol nicht einmal fällt. 

Konzert begeistert

Verbürgt ist die Anekdote über Kuddel, einem Festmacher im Bremer Hafen, der nur Platt schnackte, keine andere Sprache. Dennoch verständigte er sich mit Schiffsbesatzungen aller Nationen. Es muss seine rustikale Art gewesen sein und die nicht vorhandene Scheu, die englische Sprache völlig neu zu interpretieren. Sogar Chinesen wussten sofort, was Kuddel wollte.

Das Konzert des Bremer Shanty Chores begeisterte all jene, die sich gerne Seeluft um die Nase wehen lassen. Ausnahmen gab es im zahlreichen Publikum nicht.

häg

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