Matrose Nagelritz fesselt sein Publikum mit Seemannsgarn

Auf Landgang in Achim

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Mal melancholisch, mal heiter: Nagelritz alias Dirk Langer begeisterte mit raubeinigen Geschichten und frivolem Liedgut.

Achim - Von Ingo Schmidt. Das rasche Abfertigen der Schiffe in der modernen Seefahrt, mit den kurzen Lösch- und Ladezeiten in zunehmender Containerisierung, verkürzt die Liegezeiten immer weiter. Die Folge: Landgänge sind nur noch eingeschränkt möglich. Umso erfreulicher war die Tatsache zu bewerten, dass Seemann Nagelritz mit seiner (zumindest angekündigten) Drei-Seemeilen-Kapelle am Sonntagabend den Weg ins Kulturhaus Alter Schützenhof (Kasch) gefunden hat.

Sehr authentisch inszeniert Dirk Langer sein Seefahrer-Universum: Schlagzeug, Tuba, Gitarre und Akkordeon stehen bereit – aber Nagelritz bleibt allein. Unverdrossen legt er los, immer wieder versprechend, seine Kumpane wären auf dem Weg und sicher bald da. Dabei demonstrierte er äußerst unterhaltsam wie es wäre, wenn sie vollzählig wären. Lieder von Leidenschaft und Sehnsüchten der Matrosen wechseln mit obskuren Anekdoten seiner imaginären Mitstreiter Hinnerk und Raoul. Dazwischen sucht Nagelritz immer wieder den Austausch mit seinem Publikum und verteilt fleißig Ahoi-Brause-Päckchen.

Seine Lieder handeln vom Fortfahren und Wiederkehren, von Sehnsucht und unehelichen Kindern. Sein „Kinderlied“ beschreibt all das, was Erwachsene machen, wenn Kinder längst schlafen. Das Publikum nimmt er mit auf Reisen nach Lissabon, St. Petersburg, Hamburg oder Barcelona.

Dazwischen erzählt Nagelritz von Seezeichen und von Dichtungen: In Käpt‘n Blaubär-Manier berichtet er von Lalle-Kalle, der sich als Orientierungshilfe sämtliche Schiffe tätowieren ließ, auf denen er jemals angeheuert hatte. Nur zu einem Zweck: um sicher und trotz Vollrausch von der Hafenkneipe wieder auf Reede zu gelangen.

Dirk Langer schafft mit seiner Seemanns-Figur einen Bühnen-Kosmos. Immer leicht frivol bedient er Seefahrer-Klischees vergangener Tage mit Frauengeschichten, Schlägereien und Saufexzessen in miefigen Hafenkneipen. Dabei trägt er die Faszination Seefahrt weit ins Publikum und erfüllt das geheime Verlangen nach Ferne, grenzenloser Freiheit und Abenteuer. Er stellt den Seemann als kommunikative Figur glaubhaft in fast alle gesellschaftlichen Zusammenhänge und begeistert damit seine Zuhörer bis zum Ablegen.

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