Markus Flohr liest aus seinem Debütroman „Alte Sachen“ / Ein Hannoveraner berlinert

Wilde Zeitreise mit Licke, Lior, Ramon

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Marcus Flohr, ein wichtiger Vertreter der jungen deutschen Literatur, bei seiner Lesung in der Achimer Buchhandlung Hoffmann.

Achim - „Ein Schneider, der in seinem Geschäft Motten hat, ist wie ein Koch mit Ratten in der Küche.“ Rieke sagt das einigermaßen fassungslos. Gegen Motten hilft Lavendelöl, gegen die Liebe so gut wie nichts. Hätte Rieke nicht bei Lior, einem Israeli, der sich in Berlin nach seiner Zeit im Kibbuz, bei der Armee und als Weltenbummler mehr schlecht als recht als Schneider versucht, den Falter im Schaufenster entdeckt, gäbe es einige ruinierte Klamotten mehr und eine Liebesgeschichte weniger.

Außerdem hätten Bücherfreunde nichts erfahren von Liors Familiengeschichte.

Von der handelt vor allem der Debütroman von Markus Flohr. In der Achimer Buchhandlung Hoffmann las dieser jetzt aus „Alte Sachen“.

Darin geht es auch um die Bedeutung und Wirkung von Ilan Ramon, der einen Angriff auf eine iranische Atomanlage flog und später mit einer US-Rakete ins Weltall geschossen wurde. Damals hing die israelische Nation an den Fernsehern – bis das Space Shuttle beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre explodierte und alle Besatzungsmitglieder ums Leben kamen. Das war 2003.

Fortan war Ilan Ramon ein Nationalheld. Sein Sohn wurde ebenfalls Kampfpilot. Bei seinem ersten Einsatz verlor er das Leben. Seine Maschine wurde abgeschossen.

Rieke und Lior und Ramon in der jüngeren Vergangenheit und dazu, in den dreißiger Jahren, als die Nazis an die Macht kamen, Otto, Ralf und Alfred. Der berlinert, dass es eine Freude ist. Dabei kommen ihm hohle Sprüche über die Lippen – „Versteht keiner! Es ist wie es ist“– die nie ein Gespräch forcieren, sondern es meistens beenden. Alfred hat immer das letzte Wort. Und Jüngere mit anderen Dingen im Kopf.

Am Landwehrkanal Steine werfen zum Beispiel oder über Liebschaften rätseln - tatsächliche, mögliche und aussichtslose. Otto, aus dessen Sicht Markus Flohr die Geschichte in den dreißiger Jahren erzählt, wird dabei zum wichtigsten Protagonisten.

Flohr ist ein brillanter Romancier und einer der wichtigen Vertreter der jungen deutschen Literatur. Sein Stil ist nie prätentiös, sondern immer glasklar.

Und wenn der gebürtige Hannoveraner sich bei seiner Lesung strikt an die literarische Vorlage hält und wie Alfred in den Dialogen berlinert, obwohl Hannoveraner sich der besten deutschen Aussprache rühmen, dann ist das zugleich witzig und verbindend. Denn nichts ist langweiliger als Perfektion.

häg

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