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Markthalle auf Baumplatz als Magnet für Achimer City

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Von: Michael Mix

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Den von einer Architektin ausgearbeiteten Plan stellte Martin Puls in einer öffentlichen Sitzung der CDU-Fraktion alle Interessierten vor.
Den von einer Architektin ausgearbeiteten Plan stellte Martin Puls in einer öffentlichen Sitzung der CDU-Fraktion alle Interessierten vor. © Mix

Achim – Ein „Masterplan“ für die „Rettung“ der Achimer Innenstadt müsse her, hatte Martin Puls am Dienstag in der Sitzung des Ratsausschusses für Wirtschaft, Stadtentwicklung und Klimaschutz gesagt. Einen Abend später präsentierte der Christdemokrat in einer öffentlichen Fraktionssitzung den Parteifreunden und etlichen weiteren Interessierten im Hotel Gieschen die Idee, die kleine City mit einer Markthalle auf dem Baumplatz, viel Grün und anderem mehr attraktiver zu gestalten.

Das Konzept, zu dem von Puls, Ines Anna Bräuer und Lars Schwuttge, ebenfalls CDU-Mitglieder, die Vorarbeit geleistet worden war und das dann die Achimer Architektin Sonja Lindhorst-Köhler zu einem sogenannten Masterplan zusammengestellt hat, erntete in der Versammlung Beifall, aber auch Kritik.

„Wir sind die ersten und einzigen im Rat, die eine Idee für die Entwicklung der Achimer Innenstadt haben“, verkündete Puls, der die einzelnen „Bausteine“ dafür vortrug und mit Bildern auf einer Leinwand illustrierte. Die politischen Gegner lieferten ja nur „Stückwerk“.

Martin Puls will die verschiedenen Vorhaben über das niedersächsische Förderprogramm „Resiliente Innenstädte“ finanzieren. „40 Prozent der Kosten müsste Achim selbst tragen.“ Dieser Eigenanteil in Höhe von 2,6 Millionen Euro ist vielen seiner Parteifreunde allerdings zu hoch, der Großteil der CDU-Fraktion hat zumindest bisher eine Bewerbung der Stadt für das Programm mit Förderzeitraum von 2023 bis 2027 abgelehnt.

Puls und seinen Mitstreitern sowie Lindhorst-Köhler, die für ein Bremer Büro arbeitet, den Plan für die „Attraktivierung der Achimer Innenstadt“ aber ehrenamtlich entworfen hat, wie sie betont, schwebt eine Markthalle auf dem jetzt hauptsächlich als Parkplatz genutzten Gelände zwischen dem Rathaus und dem Amtsgericht vor. Dort könnten Händler täglich ihre Waren verschiedener Art anbieten und „moderne Gastronomie“ Gäste anlocken. Die Halle, die flexibel nutzbar sein soll, beispielsweise auch für Veranstaltungen, wird nach den Vorstellungen der Architektin durch einen Dachgarten gekrönt.

Der zweite zentrale Baustein des Plans ist die „Strukturierung des Marktplatzes“. Vorgeschlagen wird, das Areal vor der Alten Feuerwache durch einen Wassersprayer, „naturnahe“ und barrierefreie Spiel- und Sitzbereiche für Jung und Alt sowie eine Bouleanlage aufzuwerten. Sogar von einer „Naturbühne“ ist in dem Papier die Rede.

In der gesamten Innenstadt soll die Aufenthaltsqualität durch unterschiedliche Komponenten steigen. Der Plan benennt begrünte Sitzbänke und Fassaden sowie hängende Gärten, also Beete an Hauswänden. All das führe zu einer natürlichen Wärmedämmung, biete Schutz vor dem Aufheizen von Gebäuden und diene dem Artenschutz, weil Lebensraum und Nahrungsquellen für Insekten und andere Tiere entstünden. Außerdem wirke das Blattwerk lärmmindernd. Darüber hinaus ist angedacht, die Pflasterung der Fußgängerzone durch großformatige, glatte Platten barrierefrei zu gestalten.

In der anschließenden Diskussionsrunde kritisierte ein „Gast“: „Am Rathauspark gibt es doch schon einen Bouleplatz, wir brauchen keinen zweiten.“ Und warum wolle die CDU der Stadt den Bibliotheksplatz „wegnehmen“? Der werde doch für den Wochenmarkt und für Feste benötigt. „Der Bibliotheksplatz darf natürlich nur insoweit bebaut werden, dass dort noch Veranstaltungen stattfinden können“, antwortete Puls.

All die aufgezählten Punkte seien für sie „nicht interessant“, bekundete eine Zuhörerin. „Mir fehlen die Geschäfte.“ Worauf Jürgen Striedieck, Vorsitzender der Achimer CDU, entgegnete: „Wenn wir Vitalität in die Innenstadt bekommen wollen, müssen wir etwas probieren.“ Fraktionschefin Isabel Gottschewsky ergänzte: „Es geht darum, das was gut läuft, zu erhalten, und dazu Neues anzuschieben.“

Die Begrünung der Fußgängerzone sei ja schön und gut, sagte Gerhild Schröder von den „Grönfingers“, „aber wer soll das alles reinigen und die Pflanzen bewässern?“ Der städtische Bauhof schaffe das ja jetzt schon nicht. Und die Einzelhändler und Eigentümer der Häuser scherten sich nicht darum, machte die 77-Jährige, die ehrenamtlich unablässig für Farbtupfer in Achims guter Stube sorgt. ihrem Unmut über die Situation Luft. „Wir brauchen einen Hausmeister für die Innenstadt“, forderte Schröder.

Ingo Pongers vom Wirtschaftsbeirat bedachte den Plan mit Lob und Tadel. „Wir würden zu den Ideen gerne einen Runden Tisch mit allen Parteien und Vereinen veranstalten, um Achim attraktiv zu machen.“ Auf den Baumplatz müsse allerdings ein Einkaufsmagnet hin. „Das sehen wir grundsätzlich anders“, erwiderte Puls.

„Ankermieter“ in der Fußgängerzone hielt auch Rudi Knapp, Mitglied der Unternehmergemeinschaft Achim und des Wirtschaftsbeirats, für notwendig. Zumal der Mietvertrag von NKD gerade um zwei Jahre bis Mitte 2024 verlängert worden sei. Was bedeute, dass Eigentümer Bremermann, der auch das benachbarte Nientkewitz-Gebäude und das daneben liegende Gretzschel-Haus besitzt, den geplanten Abriss dieser Immobilien und die Arrondierung der Grundstücke in zentralster Lage wohl verschieben werde. „Bis der Neubau steht, wird es 2028“, zeigte sich Knapp hinsichtlich des angestrebten Wandels der Innenstadt wenig zuversichtlich und wandte sich an die CDU: „Der Druck müsste von Ihnen kommen, damit die Investoren in die Gänge kommen.“

Viel grüner als bisher soll die Innenstadt an vielen Stellen werden, auch durch hängende Gärten. Skizze: Lindhorst-Köhler
Viel grüner als bisher soll die Innenstadt an vielen Stellen werden, auch durch hängende Gärten. Skizze: Lindhorst-Köhler © -

Mit einem „Anker“ sei es nicht getan, meinte dagegen Sven Adamietz, „wir müssen Nischen finden“. Der Plan der CDU enthalte „tolle Ansätze“, lobte der Grüne. „Wenn wir mehr Grün und Aufenthaltsqualität schaffen, wird das Früchte tragen“, sagte er voraus. „Also Ärmel hochkrempeln und ran!“

Woraufhin ein Zuhörer bemängelte, dass durch eine Markthalle auf dem Baumplatz noch weniger innenstadtnahe Parkplätze zur Verfügung stünden als ohnehin schon. „Ich fahre am liebsten in die Geschäfte rein“, bekannte der Mann.

Zum Konzept gehöre, Stellflächen für Autos auf der Wiese des Amtsgerichts zu schaffen, schaltete sich Martin Puls ein. Was er nicht sagte: Die Stadt müsste diese Fläche allerdings vom Land Niedersachsen erwerben.

Schließlich meldete sich noch Rüdiger Dürr, Ehrenvorsitzender der CDU Achim, zu Wort: „Wir müssen Menschen in die Stadt bringen. Dann laufen auch die Geschäfte.“

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