Marion Zwilling macht Mut

Hilfe zum Leben nach einem schlimmen Verlust

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Marion Zwilling auf dem gut besuchten Abend mit ihr in der Buchhandlung Hoffmann. Die Badenerin ist ausgebildete Trauerbegleiterin und im Vorstand des Kinderhospiz Löwenherz aktiv.

Achim - Marion Zwilling weiß, wie sich der für Eltern vermutlich schlimmste Verlust anfühlen kann. Sie und Ehemann Ulf verloren 2011 ihre Tochter Vanessa, die seit der Geburt schwerstbehindert gewesen war und mit 18 Jahren starb. Vier Jahre lang war das Kinderhospiz Löwenherz an der Seite der Familie.

Für Marion Zwilling Anlass, sich selber für das Kinderhospiz zu engagieren. Sie ist dort seit 2012 ehrenamtlich in der Öffentlichkeitsarbeit tätig und seit 2013 stellvertretende Vorsitzende. Außerdem ließ sie sich zur Trauerbegleiterin ausbilden.

Jetzt sprach sie in der gut gefüllten Buchhandlung Hoffmann zum Thema „Tabus im Trauerprozess: Was darf ich – was darf ich nicht. Und wer bestimmt das eigentlich?“. „Trauer“, sagte Marion Zwilling, „ist ein emotionaler Ausnahmezustand.“

Er zeige sich in vielfältigen Ausdrucksformen. Es gebe Menschen, die beim Verlust von wichtigen Lebensbezügen – das können Menschen sein, Tiere, oder lieb gewonnene Gewohnheiten – „ins Handeln kommen“, ins Fühlen und Denken. Oder sie entwickeln Vermeidungsstrategien.

Was passiert, wenn der Tod in das vertraute System einer Familie, einer gewachsenen Gruppe oder Freundschaft bricht, erklärte Marion Zwilling mit Hilfe eines Bildes: „Wenn von einem Mobile ein Teil weggenommen wird, kommt es nie wieder so ins Lot wie vorher.“ Ähnlich sei es auch mit der Trauer. „Sie bringt uns aus dem Gleichgewicht.“

In einer Gesellschaft, in der Funktionieren erwartet wird und Leistung zählt, bleibe jedoch kaum noch Zeit für Unpässlichkeit, Tod und Trauer. Diese verliere nach und nach an Intensität. Ganz weg gehe sie nie. Und: „Intensität misst sich nicht an Tränen.“

Immer wieder „von Trauer gebissen“

Auch sie, so Zwilling, werde immer wieder einmal „von der Trauer gebissen“. Dazu erzählte sie eine eigene Geschichte. In dem Sommer, als sie in Baden Schützenkönigin wurde, war kurz zuvor ihr Vater gestorben. Er mochte Schützenfeste und hätte sich für seine Tochter gefreut.

Marion Zwilling entschied für sich, das Fest mitzufeiern und zu gehen, wenn es ihr zu viel würde. Das wäre ganz im Sinne ihres Vaters gewesen, der seiner Tochter früh die Erkenntnis mit auf ihren Lebensweg gegeben hatte: „Mach was du willst, die Leute reden doch.“ Will heißen: Den Kompass für sein Handeln hält man selbst in Händen, nicht andere.

Marion Zwilling sprach auch über „die Formen des Loslassens“, über das Trösten, das gemeinsame Aushalten von Schmerz und vom Füreinander-da-sein. „Es kann auch tröstlich sein, gemeinsam schweigend aus dem Fenster zu schauen.“

Und sie sprach vom Verhalten gegenüber Kindern und Jugendlichen, wenn diese die Traurigkeit der Erwachsenen spüren und mehr wissen wollen vom Tod.

„Seien sie vorsichtig, was sie sagen“

„Seien sie vorsichtig, was sie sagen. Aber sprechen sie rechtzeitig mit den Kindern und befähigen Sie sie, mit schwierigen Situationen umzugehen.“ Dazu gehöre es auch, Kindern ihre Unbefangenheit zu lassen.

Die Badenerin berichtete von einem Vierjährigen, der am Grab seines Großvaters stand und ihm wünschte: „Tschüss Opa, viel Spaß mit Gott.“ Danach ging das Kind unbeschwert spielen.

Die Themen an diesem Abend waren zwar Tod und Trauer, doch Marion Zwilling gelang es, diesem Bereich durch Einbringen eigener Erfahrungen und professioneller Kenntnisse zugleich viele lebensbejahende Momente zu entlocken.

häg

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