Preisgekrönte Autorin liest vor Achimer Schülern

„Manchmal denke ich, Gott ist auch schon von hier geflüchtet“

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Carolin Philipps, vielgereiste Autorin, Historikerin, unter anderem mit dem Unicef-Preis für Frieden und Toleranz ausgezeichnet, aber nach eigenen Worten auch „leidenschaftliche Mutter“ und mittlerweile Großmutter, bei ihrer Lesung in der Liesel-Anspacher-Schule.

Achim - An einem ganz normalen Donnerstagvormittag wurden Mädchen und Jungen der Achimer Liesel-Anspacher-Schule mit der Hölle des Bürgerkriegs in Syrien konfrontiert. Carolin Philipps, preisgekrönte Autorin von Jugendbüchern wie „Milchkaffee und Streuselkuchen“ sowie Verfasserin historischer Autobiographien, las aus ihrem Werk „Talitha“.

Die junge Titelheldin aus Damaskus, der „Stadt der Freude“, erlebt mit, wie letzte Oasen der Ruhe dort verschwinden, Soldaten und IS näherrücken, auf dem Schulschornstein eine Granate explodiert und viele in den Tod reißt. 

Ihr Großvater kommt im Kriegsgeschehen um, ihr älterer Bruder stirbt bei der Explosion einer Autobombe, und das gewohnte Leben der Familie zerbricht immer mehr. „Manchmal denke ich, Gott ist auch schon von hier geflüchtet“, sinniert Talitha.

Die junge Christin ist verliebt in einen 17-jährigen Moslem, der gemeinsam mit ihrem Bruder versucht, Sticks mit Fotos aus Folterlagern ausländischen Zeitungen zukommen zu lassen.

Syrischer Geheimdienst nimmt sie fest

Als sie nach dem Tod ihres Bruders selbst die Aktion unterstützt, gerät sie in die Fänge des syrischen Geheimdienstes, wird geschlagen und fast vergewaltigt. Ihrem sicheren Ende entgeht sie nur, weil ein beim Geheimdienst tätiger Freund des Vaters ihren Tod beim Verhör bescheinigt und ihr so das Entkommen ermöglicht.

Klar ist aber, dass die gesamte Familie mittlerweile auf der Fahndungsliste des Assad-Regimes steht und sich nur durch rasche Flucht retten kann. Und so macht sie sich auf den Weg über die Türkei, Griechenland und zur österreichisch-ungarischen Grenze. In Wien kommt „Talitha“ dann ganz allein an.

Dem Bücherschreiben gehen immer ausführliche Recherchen voraus, berichtete die in Meppen geborene, heute in Hamburg lebende Carolin Philipps. So sprach sie mit jungen Flüchtlingen in einem Wiener Erstaufnahmelager über deren Schicksale, als sie „Talitha“ plante. 

Für eine früheres Werk – „Made in Vietnam“ – hatte sie im Heimatland ihres Mannes Fabriken besucht, in denen 12- bis 14-jährige Mädchen für umgerechnet 35 Euro monatlich täglich 13 bis 14 Stunden lang Turnschuhe für westliche Konzerne fertigen.

Herz der Menschen berühren

Sie möchte schon mit ihren Büchern die Herzen der Menschen erreichen, damit sich im Kopf und dann im Handeln etwas ändere, erläuterte die 63-jährige Autorin den Schülern, nachdem sie ihnen mit „Talitha“ ziemlich harte Kost präsentiert hatte.

Toleranz gegenüber Menschen, die anders als wir selbst sind, ist ihr ein äußerst wichtiger Grundsatz. Die Schüler waren spürbar beeindruckt, und sogar Tränen gab es. Einige aus der 26-Nationen-Anspacherschule dachten womöglich über eigene Fluchterlebnisse nach.

„Talitha“ sei ihr bisher einziges Buch, dem eine Fortsetzung folge, kündigte Carolin Philipps noch an. Darin geht es dann um das weitere Leben der jungen Syrerin in ihrer neuen Heimat.

la

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