„Manche sind wie gelähmt und bleiben gleich im Bett“

Mobbing über soziale Netzwerke: Polizei im Gespräch mit Schülern

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Polizei-Kontaktbeamtin Katja Brammer ermunterte beim Abschlussgespräch über Mobbing in sozialen Netzwerken die Gymnasiums-Sechstklässler, dem jeweiligen Opfer sofort zur Seite zu stehen und den Lehrer gleich mit zu informieren.

Achim - Es habe mit dick sein, eine große Brille tragen oder Pickelgesicht nichts zu tun. Auch der coolste Typ der Klasse könne zum Mobbing-Opfer werden, berichtete die Achimer Polizei-Kontaktbeamtin Katja Brammer bei der Gesprächsrunde mit Sechstklässlern in der Bibliothek des Achimer Cato-Bontjes-van-Beek-Gymnasiums.

Um den anonymen Terror in sozialen Netzwerken und was dagegen zu machen ist, ging es an diesem Projekttag, den Bibliotheksleiterin Heike Fiebelkorn gemeinsam mit der Polizistin vorbereitet hatte.

Den ersten Projekttag zu Gefahren aus dem Netz gab es vor fünf Jahren. Damals hatten nur einzelne Schüler ein internetfähiges Smartphone, erinnert sich Heike Fiebelkorn. Heute seien so gut wie alle damit ausgestattet.

„Wir respektieren dich, so wie du bist“

Ein Faustschlag auf dem Schulhof könne sehr wehtun, doch gehe der Schmerz bald zurück. Cyber-Mobbing dagegen bringe Stress rund um die Uhr, führe zu Bauchschmerzen, Schlaflosigkeit, Misstrauen gegenüber jedem und auch zu Isolation. Manche fänden kaum noch Kraft, morgens aufzustehen und blieben wie erstarrt im Bett liegen.

Besonders wichtig sei es, dass Klassenkameraden sich eindeutig auf die Seite des oder der Gemobbten stellen und das Gefühl vermitteln: „Wir respektieren dich so, wie du bist“. Auch der Lehrer sollte informiert werden. „Das ist dann kein Petzen“, betonte die Kontaktbeamtin.

Schlägerei aus der Netzfehde entwickelt

Es gab einige in der Runde, die genau wussten, wovon sie redete. Zunächst einer habe verletzende Botschaften über ihn verbreitet, und dann hätten sich weitere angeschlossen, schilderte ein Schüler eigene Erfahrungen. Er habe sogar die Schule gewechselt, um den dauernden Attacken zu entgehen.

Doch wusste auch jemand zu berichten, wie gut es ihm getan habe, als sich sofort andere seiner annahmen und mit gegen den Angreifer stellten.

Von „sich selber ritzen“ als verzweifelte Reaktion auf zermürbende Mobbing-Aktionen war ebenfalls die Rede. In einem anderen Fall hatte sich eine Schlägerei aus der Netzfehde entwickelt.

Immer wieder neue Formen

Die Schüler frühzeitig für Gefahren aus der digitalen Welt zu sensibilisieren und über wirksame Reaktionen nachzudenken, ist stets der Hintergrund des alljährlichen Projekttages. Schon in den Grundschulen müsse die entsprechende Aufklärung beginnen, betonte Katja Brammer.

Auch in Achim nehme Mobbing übers Internet vermutlich zu, obwohl sich der Trend nicht leicht nachweisen lasse, erläuterte sie auf Nachfrage. Direkt zur Anzeige bei der Polizei führten nämlich nur die extremsten Fälle.

Es gebe zudem immer wieder neue Formen im Netz, um andere herabzusetzen, zu beleidigen oder öffentlichem Spott auszusetzen.

la

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