Neuer Pastor an St. Laurentius

Märchenstunde von der Kanzel aus

Bereit für seine erste Pastorenstelle in St. Laurentius, Achim: Jorit Thoren Göbel.
+
Bereit für seine erste Pastorenstelle in St. Laurentius, Achim: Jorit Thoren Göbel.

Achim – Einen Tag nach seinem 30. Geburtstag am 30. Juni tritt Jorit Thoren Göbel seinen Dienst in der St.-Laurentius-Gemeinde an. Der junge Mann mit friesischen Vornamen übernimmt in Achim seine erste Pastorenstelle und ist Nachfolger von Marina Kortjohann, die im Mai in den Ruhestand gegangen ist. Am Samstag, 3. Juli, um 15 Uhr wird Göbel von Regionalbischof Hans Christian Brandy in der Kirche feierlich in sein Amt eingeführt.

Der Weg des gebürtigen Bremers als Geistlicher und Seelsorger war gewissermaßen vorgezeichnet. Schon in jungen Jahren begeisterte er sich für Gott und die Kirche.

„Ich war als Kind oft in Kindergottesdiensten“, erzählt Jorit Thoren Göbel im Gespräch mit dieser Zeitung. „Das war ganz großartig. Der Pastor hat uns als Menschen behandelt.“ Er sei in einem gar nicht mal besonders gläubigen Elternhaus zusammen mit drei Brüdern im Bremer Steintorviertel aufgewachsen. Dennoch habe ihn seine Mutter auf eine evangelikale, freikirchliche Schule in der Hansestadt geschickt. „Die Lehrer waren alle sehr fromm“, erinnert sich Göbel. Aber auch an ein „insgesamt gutes Miteinander. Dort gab es keine Problemkinder.“

Die Erfahrungen in dieser Schule, bis hin zum Abitur, hätten in ihm den Wunsch geweckt, Theologie zu studieren. Was er in Frankfurt am Main und in Freiburg im Breisgau machte. Nach dem ersten Examen startete sein zweieinhalbjähriges Vikariat in der evangelisch-lutherischen Gemeinde in Liebenau im Landkreis Nienburg. „Ich wollte in Niedersachsen, in der Landeskirche Hannover, tätig sein“, erklärt Göbel.

Während dieser praktischen Ausbildung lernte der Theologiestudent den Alltag in einer Pfarrgemeinde kennen. Mit den ersten Schritten bei der Kirche in Liebenau, die übrigens wie die in Achim nach dem frühchristlichen Diakon und Märtyrer Laurentius von Rom benannt ist, tastete er sich hinein. „Da bin ich anfangs nur mit dem Pastor mitgelaufen.“ Doch während der Corona-Pandemie sei der Kirchenvorstand froh gewesen, „dass sie mich als jungen, internetaffinen Menschen hatten“. Weil die üblichen Gottesdienste und andere Präsenzveranstaltungen wegen der Ansteckungsgefahr nicht mehr möglich waren, galt es, Alternativen zu finden. „Wir haben Online-Formate entwickelt. Und dann auf dem Kirchturm, auf dem Friedhof, auf dem Feld ganze Gottesdienste mit viel Musik drin gedreht“, berichtet Jorit Thoren Göbel. Die Nutzer dieses Angebots hätten sich bevorzugt an bekannten Kirchenliedern erfreut, aber auch Predigten seien oft abgerufen worden.

In der selbst ausgearbeiteten, am Pult oder auch von der Kanzel aus vorgetragenen Rede sieht der angehende Pastor, der zurückhaltend und bedächtig wirkt, auch eine seiner Stärken. „Gottesdienst und Predigt“ benennt er als seine Schwerpunkte. Worauf dürfen sich Kirchgänger einstellen? Als Vikar in Liebenau habe er die „Predigt zum Fasching gereimt“, nennt Göbel ein Beispiel. Diese Art des Vortrags solle er unbedingt mit nach Achim bringen, sei ihm an der alten Wirkungsstätte gesagt worden. „Reimen werde ich hier vielleicht aber an Nikolaus.“ Ansonsten erzähle er in der Predigt gerne eine kleine Geschichte, verrät der noch 29-Jährige weiter. Gottesdienstbesucher hätten ihm gesagt: „Das klingt eher wie eine Märchenstunde.“

Er wolle in seinen Predigten allerdings auch brisante Themen nicht ausklammern, versichert Göbel auf Nachfrage. Und nennt die Stichworte „Missbrauch, gerade in der evangelischen Kirche, Unterdrückung von Minderheiten wie den Uiguren in China, Christenverfolgung weltweit, Anstieg von häuslicher Gewalt in der Corona-Zeit“.

Den Ort für seine erste „richtige Stelle“ nach dem bestandenen zweiten Examen hat Göbel bewusst gewählt. Vom dörflichen Liebenau kommt er jetzt in eine große Stadtgemeinde, in der er mit den angestammten Pastoren Christoph Maaß und Ulrich Wilke zusammenarbeiten wird. „Ein Zentrum war mir wichtig“, sagt Göbel mit Blick auf die Kirche und das Laurentius-Haus und die Tatsache, dass keine verstreut liegenden Kapellen oder Gemeindehäuser mit „bespielt“ werden müssen. Er wolle in Achim möglichst mit dem Fahrrad unterwegs sein und auf ein Auto verzichten, fügt er hinzu. Und die Nähe zu Bremen, zur Familie, habe bei seiner Bewerbung für den Posten natürlich auch eine Rolle gespielt.

Der Single, der in seiner Freizeit gerne zeichnet, „meist Karikaturen“, bezieht das alte Pfarrhaus von Pastorin Kortjohann an der Magdeburger Straße. Ob er auch ihren Pfarrbezirk und ihre Aufgaben in der Gemeinde übernehmen wird, sei noch nicht geklärt.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Amazon Achim: „System des Drucks“? Sprecher kontert Kritik am Online-Händler

Amazon Achim: „System des Drucks“? Sprecher kontert Kritik am Online-Händler

Amazon Achim: „System des Drucks“? Sprecher kontert Kritik am Online-Händler
Verdener Domplatz beim Open-Air-Festival in Partystimmung

Verdener Domplatz beim Open-Air-Festival in Partystimmung

Verdener Domplatz beim Open-Air-Festival in Partystimmung
Der Liebe wegen – Blender statt Virginia

Der Liebe wegen – Blender statt Virginia

Der Liebe wegen – Blender statt Virginia
Scheunenbrand in Riede: Rauch viele Kilometer weit sichtbar

Scheunenbrand in Riede: Rauch viele Kilometer weit sichtbar

Scheunenbrand in Riede: Rauch viele Kilometer weit sichtbar

Kommentare