Macher will Begonnenes beenden

Rainer Ditzfeld verspürt Lust, Achim weiter zu lenken

Will bei der Bürgermeisterwahl „wieder als Sieger vom Platz gehen“: der parteilose Rainer Ditzfeld.
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Will bei der Bürgermeisterwahl „wieder als Sieger vom Platz gehen“: der parteilose Rainer Ditzfeld.

Achim – „Bürgermeister zu sein, ist der schönste Beruf der Welt“, sagt Rainer Ditzfeld. „Und Golf ist für mich der schönste Sport, den es gibt.“ Aber beides sei leider nicht miteinander vereinbar, seufzt der 59-Jährige. 2008 hatte ihn Ehefrau Patricia Schütz-Ditzfeld für eine vom Achimer Golfclub und Achimer Kreisblatt veranstaltete Verlosung von zehn Plätzen in einem Golfkurs angemeldet, und ihr Ehemann zählte zu den Glücklichen unter mehr als 100 Interessenten.

„Aber seitdem ich 2014 zum Achimer Bürgermeister gewählt worden bin, habe ich nicht mehr gespielt – dafür ist keine Zeit mehr“, verrät Rainer Ditzfeld, der sich am 12. September erneut um das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger bewirbt.

Sollte der „politisch neutrale Kandidat“ von der Bevölkerung auf dem Posten bestätigt werden, wäre er bei Beginn der neuen, fünfjährigen Amtsperiode am 1. November 60 Jahre alt. Ditzfeld wurde im Oktober 1961 geboren und wuchs in der Borsteler Siedlung Achimer Feld auf. Dort, direkt neben dem Elternhaus und gleich hinter der Autobahnbrücke, wohnt er noch heute. Seit 31 Jahren ist er mit Ehefrau Patricia verheiratet, die Söhne Marcel (26) und Pascal (24) sind längst erwachsen, Tochter Felice ist 16. „Ich bin ein absoluter Familienmensch, das habe ich von zu Hause mitgenommen“, bekennt Ditzfeld. Nahe Verwandte in Borstel hätten mit vier Generationen unter einem Dach gelebt, „was mir gefallen hat“.

Onkel Johann politischer Ziehvater

Seinen Onkel Johann Ditzfeld, der jahrzehntelang für die CDU im Stadtrat wie im Kreistag mitwirkte und unlängst seinen 85. Geburtstag feierte, bezeichnet er als seinen „politischen Ziehvater“. Rainer Ditzfeld eiferte ihm nach. 1996 kandidierte er erstmals für den Stadtrat und war sogleich erfolgreich. Auch 2001, 2006 und 2011 sei er „immer direkt gewählt worden“ und nicht über die Parteiliste. „Ich habe meistens die meisten Stimmen für die CDU geholt“, sagt Ditzfeld, der auch acht Jahre lang dem Kreistag angehörte. Von 2004 bis 2014 war er ebenfalls ehrenamtlich als stellvertretender Bürgermeister tätig. Darüber hinaus engagierte sich der Familienvater 15 Jahre lang als Vorsitzender im Schulförderverein Karla.

„Nebenbei“ verdiente der Multi-Funktionsträger auch noch Geld für sich und die Lieben daheim. Nach einer Lehre als Elektroinstallateur und 15 Monaten Wehrdienst wechselte der junge Mann zur Firma Boettger nach Bremen, wo er 25 Jahre als Kundendiensttechniker für Großküchen und Krankenhausgeräte arbeitete. Aber 2014 war Schluss damit.

Neuer Anlauf auf den Chefposten in Achim

Nachdem Rainer Ditzfeld bereits 2006 für die CDU bei der Bürgermeisterwahl angetreten war und gegen Uwe Kellner (parteilos) das Nachsehen hatte, unternahm er nach Ablauf von dessen Amtszeit einen neuen Anlauf auf den Chefposten im Rathaus. Als die CDU es ablehnte, ihn 2014 erneut aufzustellen, verließ er die Partei und Fraktion und ging als parteiloser Kandidat ins Rennen. Bei der Stichwahl gegen Bernd Junker (SPD) triumphierte Ditzfeld mit rund zwei Dritteln der Stimmen.

In den 25 Jahren im Stadtrat, davon die letzten sieben Jahre als hauptamtlicher Bürgermeister, hat er viel erlebt und mitgestaltet. Dabei gibt es allerdings auch Aspekte, die dem „Mann aus der Wirtschaft“ missfallen. „Entscheidungsprozesse auf kommunaler Ebene sind vergleichsweise schwerfällig und langatmig“, da Ausschreibungen, Auslegungsfristen und andere gesetzliche Vorgaben zu beachten seien. „Das läuft in der Wirtschaft ganz anders. Und ich persönlich will alles immer schnell umsetzen.“ Eine Stadt wie Achim habe jedoch keine Chance, das zu ändern, denn Bund, Land und weitere übergeordnete Behörden bestimmten, „wie der Hase läuft“. Ditzfeld bedauert zudem, dass hervorragende Mitarbeiter im öffentlichen Dienst nicht leistungsgerecht entlohnt werden könnten.

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Als spezielles Achimer Problem benennt er das rasante Wachstum der Stadt. Innerhalb weniger Jahre seien große Baugebiete verwirklicht worden und viele Familien mit Kindern in die neuen Häuser gezogen, „ohne mit der Infrastruktur hinterherzukommen“. Rat und Verwaltung hätten es lange versäumt, Plätze in Krippen, Kitas und Schulen in ausreichendem Tempo und Maß zu schaffen. „Wir sind jetzt aber auf einem guten Weg.“

Neben der aktuellen Pandemie, die sich vor Ort vielfältig auswirke und immer wieder neue Maßnahmen erfordere, erinnert sich der Bürgermeister an die Flüchtlingskrise als „besondere Herausforderung“. Innerhalb kürzester Zeit habe die Stadt 2015 Unterkünfte für Hunderte Flüchtlinge bereitstellen müssen und deshalb auch Sporthallen umfunktioniert. Begeistert zeigt sich Ditzfeld noch immer über das „riesige Engagement der vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer. Irre, was für eine Solidarität da in der Stadt geherrscht hat“.

Die Arbeit im Rat mit der CDU sei für ihn nach wie vor schwierig. Aber insgesamt laufe es gut. „Mehr als 80 Prozent der Beschlüsse fallen einstimmig oder werden mit großer Mehrheit getroffen.“ In der kommenden Ratsperiode werde die Zusammensetzung des Gremiums vermutlich bunter sein „und manches erschweren“.

Wie 2014 hoffe er, bei der Bürgermeisterwahl in die Stichwahl zu kommen, „um dann wieder als Sieger vom Platz zu gehen“. Denn „Projekte von der Innenstadt bis Achim-West will ich noch zu Ende bringen“. Sollte er am 12. oder 26. September scheitern, würde er in seinen alten Beruf als Kundendiensttechniker zurückkehren.

Dann hätte Rainer Ditzfeld wohl auch mehr Zeit für seine Hobbys. „Gartenarbeit als Ausgleich“ für den Bürojob nennt er als Erstes. „Ich gehe abends oft zwei Stunden mit dem Schlauch über Rasen und Pflanzen.“ Überdies liest er gerne Krimis, „bevorzugt die von Klaus-Peter Wolf“. Außerdem spielt der Bürgermeister in mehreren privaten Runden Doppelkopf. „Ich bin gerne mit Menschen zusammen.“

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