Große Spielfest-Aktion führt zu empörtem Brief

Ärger um Luftballons und Darmverschluss

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Viel Freude hatten die Kinder der zu den Bodelschwinghschen Anstalten gehörenden Janosz-Korczak-Schule in Baden beim Auflassen von 300 Ballons als Spielefest-Höhepunkt. Doch gab es ein Nachspiel in Form von heftiger „Umweltfrevel“-Kritik. 

Baden - Für die einen war es ein Ausdruck der Freude auf dem sommerlichen Spielfest – für andere „verständnisloser Umweltfrevel“. 300 Luftballons mit angehefteten Gute-Wünsche-Kärtchen hatten Schüler der Badener Janosz-Korczak-Schule, der Likedeeler-Förderschule sowie der Grundschule zum Höhepunkt des Festes in die Luft entweichen lassen.

Der kurze Bericht darüber und das Bild in der Zeitung brachten Erhard V. auf die Palme. „Worin sehen Sie den Unterschied zwischen dem Wegwerfen einer Zigarettenkippe, eines leeren Pappbechers, von Bonboneinwickelpapier oder Ähnlichem und der Tatsche, die Umwelt mit bis zu 500 Luftballons, Schnüren und Postkarten zu belasten?“ fragt er empört in einem Brief Udo Paepke, den Vorsitzenden der BUND-Gruppe im Landkreis Verden.

In den Schnüren könnten sich Tiere verheddern oder sogar strangulieren. Aber auf ein paar hundert Gummifetzen und Bindfäden mehr komme es angesichts des Plastikmülls in den Meeren auch dem BUND wohl nicht mehr an, wettert V.

Der Vorsitzende des Bundes für Umwelt- und Naturschutz weist in seiner Antwort darauf hin, dass beim Aufstieg von mehr als 500 Kinderluftballons in der Umgebung von Flughäfen die Freigabe der Deutschen Flugsicherung (DFS) erforderlich sei. Für Aufstiege von weniger als 500 Ballons wie in Baden gelte die Freigabe unter bestimmten Auflagen als erteilt. Es dürften etwa keine harten Gegenstände an den Ballons befestigt sein. Umweltfreundlich sei eine solche Ballonaktion aber nicht, räumt Paepke ein.

Reste könnten gefressen werden

„Irgendwann kommen die Ballons als Gummireste runter und machen alles dreckig.“ Außerdem seien in den Gummiresten viele Chemierückstände: „Frisst ein Schaf oder eine Kuh so einen Restballon, kann das Krankheiten, schlimmstenfalls Darmverschluss, auslösen“. Das hatte laut einem Bericht der Bildzeitung vom 23. Februar der pensionierte Biologielehrer Ernst Hasenfuß aus Gro-ßenkneten nach einer großen Luftballonaktion zur Bürgerpark-Tombola kritisiert und sogar Anzeige wegen „vorsätzlicher Umweltverschmutzung“ gegen den Bremer Bürgermeister Carsten Sieling erstattet. Auch andere Medien berichteten über den Ballonbekämpfer aus dem Emsland. Jetzt haben Ausläufer dieser Initiative offenbar Achim erreicht.

Es habe sich in Baden um eine einmalige Aktion aus ganz besonderen Anlass gehandelt, macht Gabriele Feder, die Leiterin der Korczak-Schule, deutlich. Gefeiert wurde mit dem Kinderfest das 150-jährige Bestehen der von-Bodelschwinghschen Stiftung in Bethel, die sich auf Hilfe angewiesenen Menschen widmet, diese unterstützt und auch Trägerin der Badener Korczak-Schule ist.

Offizielle Erlaubnis vorhanden

Sie habe sich vor der Luftballonaktion sowohl mit der Stadt Achim als auch der Deutschen Flugsicherung abgestimmt und natürlich eine offizielle Erlaubnis erhalten, hob die Schulleiterin weiter hervor. Bis nach Dänemark schaffte es ein Ballon, und von dort traf schon vom Finder eine Dankeskarte für die guten Wünsche auf dem Kärtchen ein. Die fliegenden bunten Botschafter hätten also offenbar viel Freude verbreitet.

Es gebe in Sachen aufgelassene Luftballons nur Regelungen von der Flugsicherheit, teilte auf Nachfrage Silke Brünn mit. Die Leiterin des Fachdienstes Wasser, Abfall und Naturschutz in der Kreisverwaltung betont ebenfalls, dass solche Aktionen bei einem Inlineportal der DFS gemeldet und genehmigt werden müssen. Ansonsten gebe es keine ordnungs- oder umweltrechtlichen Vorgaben, auch wenn durch Luftballons mit langen Bändern schon Wild- und Seevögel verletzt worden seien.

Hier gehe es aber auch nicht um Abfallbeseitigung, da ganz im Gegenteil die Luftballons mit Karten ja gefunden und die Karten zurückgeschickt werden sollen.

Weitere Vorschriften, die beim Auflassen zu beachten wären, gebe es auf Kreis- oder Gemeindeebene nicht, fasst die Fachdienstleiterin zusammen. Eine Anzeige wegen Umweltverschmutzung und Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz, wie von Leser V. gefordert, hätte daher kaum Aussicht auf Erfolg.

la

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