Lockdown wäre schlimmer gewesen

Achimer Corona-Modellprojekt geplatzt: Betroffene mit Verständnis

 Frank Adler vom Atrium
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Es bleibt beim Außer-Haus-Verkauf: Frank Adler vom Atrium bedauert das Aus für das Corona-Modellprojekt, geht aber ohnehin von einem neuen Lockdown aus.

Achim – Bedauerlich –  so lautet vielerorts der Tenor auf den Ausstieg Achims aus dem Corona-Modellprojekt wegen fehlender Testkapazitäten. Während Vertreter der CDU und der FDP wie berichtet Bürgermeister Rainer Ditzfeld in diesem Zusammenhang kritisiert hatten, lobt der Ehrenvorsitzende der Unternehmergemeinschaft Achim (Uga), Rudi Knapp, die schnelle Entscheidung des Rathauschefs, die Teilnahme zu stoppen.

„Die Verwaltung ist nicht Schuld, im Gegenteil: Die Mitarbeiter hatten alles sehr gut vorbereitet. Aber was soll man machen, wenn der Betreiber des Testzentrums plötzlich einen Rückzieher macht?“, fragt Knapp. Es sei nicht machbar, ein solches Zentrum, das an sechs Tagen die Woche öffnet, aus eigener Kraft aufzubauen. „Das kann nicht funktionieren. Es war weitsichtig und klug von Rainer Ditzfeld, das Projekt nicht weiter zu verfolgen.“

Nichtsdestotrotz bedauere Knapp, dass aus den dreiwöchigen Corona-Lockerungen für Einzelhandel, Gastronomie, Fitnessstudios und Kultureinrichtungen nichts wird. „Vor allem für die Gastronomie wäre es eine Chance gewesen. Schade, dass es nicht klappt.“

Jens Buse, Inhaber des Bekleidungsgeschäfts Enterprise in der Fußgängerzone, war nach eigenen Angaben von vornherein skeptisch. „Ich bin gleich davon ausgegangen, dass es nicht klappt.“ Von den Lockerungen, die das Modellprojekt mit sich gebracht hätte, hätte er allerdings ohnehin nicht sonderlich profitiert. „Mir macht die Situation, wie sie jetzt ist, nicht so viel aus. Wir haben viele Stammkunden, und mit Terminvergabe dürfen wir sie reinlassen.“ Von einer Öffnung für Kunden mit negativem Coronatest hätte er sich keinen deutlich höheren Umsatz versprochen, sagt der Einzelhändler.

Allerdings habe er gehofft, das 30-jährige Bestehen seines Ladens mit einigen ausgewählten Kunden während der Modellphase feiern zu können. Daraus wird vorerst nichts. Schade findet Buse die Absage aber in erster Linie für die Gastronomen: „Die sind natürlich gekniffen.“

Atrium-Wirt Frank Adler trägt die Rolle rückwärts mit Fassung. „Es ist bedauerlich und es wäre sicherlich eine gute Sache für unsere kleine Stadt gewesen. Ich denke auch, dass es funktioniert hätte, aber ich gehe ohnehin davon aus, dass die Bundesregierung in dieser Woche wieder einen Lockdown verhängt.“

Zudem hätte er ein besseres Gefühl gehabt, wäre der Projektzeitraum in einen wärmeren Monat gefallen. Denn Restaurants und Cafés hätten ihre Gäste lediglich im Außenbereich bewirten dürfen.

Das Aus für den Modellversuch sei für sein Restaurant in der Fußgängerzone noch rechtzeitig gekommen. „Klar haben wir uns auf eine Öffnung vorbereitet. Wir haben angefangen, die Sitzkissen für die Stühle auf der Terrasse zu waschen, aber wir haben noch nicht das Lager sortiert geschweige denn Ware bestellt“, sagt Adler. Sorge hatte er vor einem Lockdown, der das Projekt frühzeitig beendet hätte. Dann wäre er auf den frisch gelieferten Getränken sitzen geblieben.

Das Atrium bietet zurzeit, wie viele andere Restaurants auch, Gerichte nur zum Mitnehmen an. „Es wäre gut, überhaupt mal wieder richtig öffnen zu können“, sagt der Wirt. Im Mai, so sein Bauchgefühl und seine Hoffnung, könnte es wieder losgehen.

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