Liesel-Anspacher-Schule beginnt Lesementoren-Projekt mit Paulsberg-Hort

Mit Stimme und im Dialog startklar fürs Unterrichten

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Peter Lüchinger (2. v.l.), Schauspieler bei der Bremer Shakespeare Company, trainiert mit Schülern mittels einfacher Übungen, wie sie ihre Stimmen besser einsetzen können. Eine gute Vorbereitung für deren künftiges Ehrenamt als Lesementoren.

Achim - Peter Lüchinger blickt in den Kreis aus acht Schülern, die ihn umringen. Er leitet sie an, die Arme in die Luft zu heben, sie mit Ausfallschritten nach rechts, links, vor, zurück zu schwenken. „So groß ist unser Raum, dabei haben wir den Platz nicht verlassen“, fügt der Schauspieler der Bremer Shakespeare Company erklärend hinzu. Bei seinen Zuhörern handelt es sich um Schüler der Liesel-Anspacher-Schule (LAS) Achim, die sich auf ihre Rolle als Lesementoren vorbereiten.

Bereits am Montag hatte die Bildungseinrichtung an der Waldenburger Straße damit begonnen, die jungen Leute für ihre neue Aufgabe zu rüsten: Ein halbes Jahr lang sollen sie ehrenamtlich mit Kindern, die den Hort der Lebenshilfe im Landkreis Verden in der Paulsbergschule besuchen, das Lesen üben. Zu Beginn der Woche hatten sie darum bereits ein paar Stunden Theorie erhalten und gemeinsam den Hort und die Stadtbibliothek besucht.

Lüchinger stellt die nächste Aufgabe: In einen Dialog miteinander kommen. Wie beim Tennisspiel schnellt die Hand nach vorn und ein lautes „Pah!“ imitiert den Aufschlag des Balls. „Lasst euch Zeit für den Dialog, sonst ist das kein Dialog, sondern ein Kampf“, fährt Lüchinger fort. Alle wollen es gut machen, die Anspannung ist manchen anzumerken. „Wie soll ich das machen ohne zu lachen?“, fragt eine Schülerin. Das löst die Stimmung etwas.

„Das ist für Schüler natürlich völlig fremd“, meint Schulleiter Dominik Lerdon. „Sonst, etwa beim Bewerbungstraining, sollen sie das Gegenteil, eine eher versteifte Haltung, zeigen.“ Am Ende des Tages sollen die Schüler mit selbstbewusster Stimme aus Texten vorlesen. Das rudimentäre Schauspieltraining sei wichtig, um als Lesementor den Jüngeren selbstbewusst gegenübertreten zu können. „Es geht ja nicht nur ums Lesen beibringen, sondern auch darum, Motivation zu vermitteln“, so Lerdon.

Alle Teilnehmer sind zwar in Deutschland geboren, aber nur eine hat Deutsch wirklich als Muttersprache. Das erleichtert Lüchinger, der aus der Schweiz stammt, den Zugang. „Die Schweizer Mundart kann man auch nicht aufschreiben, die muss man sprechen“, sagt er. Kein Wunder, dass der Schauspieler das „Lesementoring“-Projekt – finanziell gefördert von der Achimer Bürgerstiftung – schon zum dritten Mal unterstützt.

Nach insgesamt drei erfolgreichen Lesementoring-Durchläufen an der Astrid-Lindgren-Schule wechselte die Schule nun zu einem anderen Kooperationspartner – und einer neuen Herausforderung: Am Paulsberg-Hort werden es die Schüler erstmals auch mit Realschülern und Gymnasiasten als Mentees zu tun haben. Wenn sie die Hortkinder ehrenamtlich in 16 Einheiten unterrichtet haben, erhalten die Schüler ein Zertifikat, den „Kompetenznachweis Kultur“.

Das Auswahlverfahren erfolgt informell, aber sorgfältig: „Kollegen schlagen Schüler vor, die sie für geeignet halten und wir treffen gemeinsam eine Auswahl“, erklärt Steffi Lindenberg, Leiterin der Schulbücherei an der LAS. Nicht immer werde das gleich von den Schülern angenommen, dann müsse erst Überzeugungsarbeit geleistet werden. „Sie werden ja auch ein Stück weit erwachsener, lernen Verlässlichkeit und Verantwortung“, sagt Holger Nanz vom Sozialpädagogischen Verein für Familien- und Lebenshilfe (Sofa), der das Projekt begleitet. „Das ist der positive Nebeneffekt, dass sie auch Sozialkompetenz lernen.“ Lindenberg ergänzt: „Was es für einen Arbeitsaufwand kostet, sich auf die Stunden vorzubereiten, wird vielen erst später bewusst.“ Durch die Erfahrung mit dem Unterrichten entwickelten sie zudem mehr Verständnis für die eigenen Lehrer, wenn diese mal nicht optimal vorbereitet seien.

„Da profitieren alle von“, fasst Nanz zusammen. „Wenn Ehemalige später selbst zu Lesementoren würden, wäre das eine runde Sache.“

ldu

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