Lieken-Investor für Vorhaben in Fußgängerzone offen / FDP: Fronten aufweichen

Will geht auf Kritiker zu und nimmt City ins Visier

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Auf dem Lieken-Gelände ein Einkaufszentrum, das der Fußgängerzone schadet? Die W&S-Gruppe erwägt nun auch Investitionen in der City. Die Liberalen Hans Baum, Harald Koch und Gero Hocker (von links) freuen sich über Bewegung in dieser Frage.

Achim - Der Plan der Hamburger Investorengruppe W&S, auf dem Lieken-Gelände ein Einkaufszentrum samt großem Discountmarkt zu schaffen, ist in Achim hoch umstritten. Die CDU zählt zu den Befürwortern; die rot-grüne Mehrheit im Stadtrat befürchtet dagegen, dass durch die Ansiedlung eines „Vollsortimenters“ am Bahnhof insbesondere die Marktpassage „kaputt“ gehen könnte. Nun macht Investor Karl Will einen Schritt auf die Kritiker des Konzepts zu.

„Ja, ich kann mir vorstellen, auch etwas in der engeren Innenstadt zu entwickeln“, sagte der Geschäftsmann gestern auf Nachfrage. Wenige Tage vor der Sitzung des Stadtrats am Donnerstag, in der über den Plan der W&S-Gruppe für das Lieken-Gelände entschieden werden soll, gibt es also doch noch Bewegung in dieser Frage.

Die FDP sieht sich dabei in der Rolle eines Maklers. „Wir haben den Eindruck, dass sich die Fronten zwischen den Befürwortern und Gegnern des Konzepts verhärten“, sagte der FDP-Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete Dr. Gero Hocker gestern bei einem Redaktionsbesuch. Um so erfreulicher sei es daher, dass Will ihn unlängst angerufen und ihm im Gespräch mitgeteilt habe, den Bereich der Fußgängerzone bei seinem Engagement für Achim nicht mehr länger außen vor lassen zu wollen, teilte der Liberale mit.

Harald Koch, 2. Vorsitzender der FDP Achim, und Hans Baum, Pressesprecher des Stadtverbands, begleiteten Hocker beim Pressetermin, nicht jedoch Günther Krebs. Der FDP-Ratsherr hatte sich ebenso wie die Fraktionen von SPD und Grünen sowie Bürgermeister Rainer Ditzfeld (parteilos) klar gegen das Vorhaben von W&S ausgesprochen. Der geplante Verbrauchermarkt „würde die Geschäfte in der Innenstadt stark schädigen oder sogar ruinieren. Weitere Leerstände könnten die Folge sein“, hatte Krebs vor kurzem Position bezogen. „Die beabsichtigte Entwicklung der Innenstadt wird dadurch erschwert.“

Und genau die will Will nun offenbar genauer in den Blick nehmen. Er wolle sich erkundigen, was dort an Objekten zum Verkauf stehe, wo man etwas entwickeln könne und dann „schauen, was macht Sinn – sanieren oder abreißen?“, erklärte Will auf Nachfrage der Redaktion. Bei den bestehenden Gewerbebauten sei „meistens zu geringe Deckenhöhe das Hauptproblem“, zudem fehle es oft an „ordentlichem Licht“.

Kleinere Läden in der Fußgängerzone eigneten sich gut, um Nischen im Warenangebot zu besetzen, sagte Will weiter. Zum Beispiel funktioniere in Ahrensburg bei Hamburg ein „Schuhstübchen“ auf 200 Quadratmetern mit hochwertiger Palette gut, auch ein Dessous- oder ein Ökoladen könnten nach Meinung des Investors in der Achimer City laufen.

Vor diesem Hintergrund erwägt die FDP für die Sitzung am Donnerstag zu beantragen, einen Ratsbeschluss in Sachen Lieken-Bebauung zu vertagen. „Wir sollten die Chance, die vielleicht da ist, nicht auslassen“, unterstrich Harald Koch.

mm

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