Neuer Plan mit mehr Fördermitteln

Blockade vorbei – auf Lieken-Gelände kann es vorangehen

Auf dem Lieken-Gelände und dem angrenzenden Sanierungsgebiet wollen die Stadt und die Investoren W&S bereits 2020 die ersten von insgesamt 170 Wohnungen fertiggestellt haben. Für den Wandel des Areals sind Fördermillionen von Bund und Land eingeplant. - Foto: Mix

Achim - Das Lieken-Gelände und das angrenzende Areal sind für die Stadt und die Investoren W&S nicht länger eine Hängepartie. Die FDP-Fraktion im Achimer Rat steht nun an der Seite von Rot-Grün, um das Sanierungsgebiet „Nördliche Innenstadt“ voranzubringen. Mit deutlich aufgestockten öffentlichen Mitteln sollen dort 170 Wohnungen, Büros, ein Fachmarkt, eine von der Stiftung Waldheim betriebene Großbäckerei, ein Busbahnhof und ein Parkhaus entstehen.

Mit 22:14 Stimmen bei einer Enthaltung billigte der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung die „Fortschreibung der Rahmenplanung“ und die Anmeldung zusätzlicher Finanzmittel aus dem Städtebauförderungsprogramm „Stadtumbau West 2019“. Statt der bisher veranschlagten 4,3 Millionen Euro soll die öffentliche Hand nun 9,2 Millionen Euro für das Vorhaben bereitstellen. Der Finanzierungsschlüssel sieht vor, dass der Bund, das Land Niedersachsen und Achim jeweils ein Drittel dieser Summe tragen.

Die Stadt müsse damit 1,7 Millionen Euro mehr aufwenden als ursprünglich geplant, verdeutlichte Steffen Zorn, Fachbereichsleiter für Bauen und Planung im Rathaus. Er sprach in der Ratssitzung von einer „erheblichen mittelfristigen Belastung für den Achimer Finanzhaushalt“.

„Wir werden das nicht mittragen“, sagte CDU-Fraktionsvorsitzende Isabel Gottschewsky. „Das gibt der Haushalt nicht her.“ Auch treibe die CDU die Sorge um, dass bei den beabsichtigten vielen Wohneinheiten am Bahnhof „ein neuer sozialer Brennpunkt entsteht“.

Die Chance für den von W&S dort einst geplanten „zentrumsnahen Handel“ in Form von mehreren Fachmärkten und einem großen Verbrauchermarkt habe die Stadt aus der Hand gegeben, aber nun gelte es in die Zukunft zu gucken, äußerte Hans Baum (FDP). Seine Fraktion wolle die Entwicklung des Geländes nicht blockieren und stimme deshalb für die neue Rahmenplanung, begründete er die Kehrtwende der Liberalen.

„Zehn Jahre lang 400.000 Euro stemmen“

Silke Thomas von den Grünen begrüßte diesen Bewusstseinswandel. Wenn die Stadt die Zwei-Drittel-Förderung in beträchtlicher Millionenhöhe liegen ließe, wäre das dumm, merkte sie an.

„Die Investoren haben uns zugesagt, ordentlich Geld locker zu machen“, sagte Werner Meinken (SPD). Zusammen mit den Fördermitteln von Bund und Land ergebe das eine „große Chance für Achim“. Das wirke doch eher „haushaltsentlastend“.

Die Stadt müsse „zehn Jahre lang 400.000 Euro stemmen“, meinte dagegen Wolfgang Heckel (WGA). Er bedauerte, dass der neue Plan keine größeren Flächen für den Einzelhandel, Freizeiteinrichtungen für Jugendliche oder Kunststätten mehr enthält.

Die Stadt und W&S hatten nach langem Hin und Her im vorigen Herbst einen Vertrag abgeschlossen, in dem das Konzept für eine neue Nutzung des Sanierungsgebiets und die Betätigungsfelder der einzelnen Akteure dabei geregelt sind. Danach ist es Aufgabe von Politik und Verwaltung, die Bauleitplanung, den Grunderwerb und die Erschließung des Areals mit Straßen und Wegen zu bewerkstelligen. Der Eigentümer W&S verpflichtet sich, die erforderlichen öffentlichen Flächen zum Verkehrswert an die Stadt zu veräußern und die Altlastensanierung und den Rückbau der Industriegebäude vorzunehmen.

Mehrfamilienhäuser auf etwa 16.000 Quadratmeter

Zudem wird das Hamburger Unternehmen auf etwa 16.000 Quadratmetern Mehrfamilienhäuser errichten, mit einem Anteil von 20 Prozent öffentlich geförderten Wohnungen. Entlang der Gaswerkstraße, also direkt am Bahnhof und damit als Lärmschutzriegel für die künftigen Bewohner des neuen Stadtviertels, stehen rund 5 000 Quadratmeter für Gewerbebetriebe und Dienstleistungsanbieter zur Verfügung, während 800 Quadratmeter für den Einzelhandel reserviert sind.

Bei einem „Qualifizierungsworkshop“ im Juni wollen die Stadt, W&S, weitere Eigentümer, Architekten und Planer das Konzept optimieren. Das Ergebnis dieses städtebaulichen Entwurfs kann nach Angaben der Verwaltung voraussichtlich nach den Sommerferien in den politischen Gremien vorgestellt und beraten werden und bildet dann die Grundlage für das Bebauungsplanverfahren und die weitere öffentliche Beteiligung. 

mm

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