Unternehmer findet nach „Umweg“ sein Metier

Veit Hoffmann: Lieber Buchhändler als Chemiker

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Seit 2006 betreibt Veit Hoffmann die wenige Schritte von der Fußgängerzone entfernte Buchhandlung. 

Achim - Von Michael Mix. „Ich habe schon immer viel und gerne gelesen – querbeet“, sagt Veit Hoffmann. Heute bevorzuge er historische Romane, „wenn sie gut recherchiert sind“, und politische Sachbücher. Hoffmanns Berufsziel war also vorgezeichnet? Einer anderen Beschäftigung als der des Buchhändlers nachzugehen, stand bei ihm außer Frage?

„Während der Oberstufe war mir klar, ich werde Chemiker“, verrät Hoffmann im Gespräch mit dem Achimer Kreisblatt. Doch selbst nach einem Studium der Naturwissenschaft kam es anders. Was nicht von Nachteil für ihn sein sollte. Am Mittwochabend wurde der 46-Jährige, seit 2006 Inhaber der Buchhandlung Hoffmann, zum „Achimer Unternehmer des Jahres 2019“ gekürt.

Die mit Vertretern des öffentlichen Lebens in der Weserstadt besetzte Jury würdigte damit das außerordentliche Engagement des Kaufmanns, der eigentlich eine andere berufliche Richtung hatte einschlagen wollen. Der Lebensweg von Veit Hoffmann ist weder geradlinig noch gewöhnlich. Das geht schon mit seinem Vornamen los. „Ja, Veit heißen hier nur sehr wenige. Der Name, der auf den Heiligen St. Vitus zurückgeht, ist in Süddeutschland häufiger“, erläutert Hoffmann, der am 18. Oktober 1972 in Paderborn zur Welt kam und in Schlangen im Kreis Lippe aufwuchs. Nach dem Abitur am Gymnasium in Detmold begann er an der Universität Heidelberg ein Chemie-Studium, „es war mir aber zu theoretisch“. Der junge Mann wechselte an die Fachhochschule Höxter, um dort Technischen Umweltschutz zu studieren. Er freundete sich mit einem Kommilitonen an, ein gelernter Buchhändler, der ihn auf den Geschmack brachte und damit weg von einer naturwissenschaftlich-technischen Laufbahn. Der Studienfreund verhalf Hoffmann zu einem Praktikum in einer Buchhandlung am Niederrhein. „Ich war relativ schnell infiziert“, erinnert sich der verhinderte Chemiker. Folgerichtig suchte er nach einem Ausbildungsplatz in diesem Metier und fand ihn in Köln.

Berufswahl verwundert heute

Dass er plötzlich einen ganz anderen Berufsweg einschlug, wundert ihn noch heute ein bisschen. „Den Beruf des Buchhändlers konnte ich mir als junger Mensch gar nicht vorstellen“, bekennt Veit Hoffmann.

Nach der zweijährigen Ausbildung in dem Betrieb in der Domstadt arbeitete er dort noch sechs weitere Jahre. Dass der Westfale vom Rhein an die Weser kommen sollte, hat mit Iris Hunscheid zu tun. Nach der gemeinsamen Grundschulzeit in Schlangen hatte er sie aus den Augen verloren, „aber wir haben uns auf einem Stadtfest in Paderborn wiedergetroffen“. Was für ein Glück! 2005 heirateten sie. Und das junge Paar fasste den Entschluss, sich selbstständig zu machen.

„Da die Buchhandlungslandschaft in Köln gesättigt war, guckten wir uns auch im Norden um“, berichtet Hoffmann. Der „gut geschnittene Laden“ des Ehepaars Götze an der Obernstraße / Ecke Feldstraße, das diesen abgeben wollte, sagte ihnen zu. 2006 ließ sich Hoffmann als Geschäftsinhaber ins Handelsregister eintragen.

Achim kein leichter Standort

Natürlich sei Achim für den Einzelhandel kein leichter Standort. „Die Buchpreisbindung federt einiges ab“, räumt der Unternehmer ein. Um die Gunst der Kunden zu gewinnen, müsse er sich aber dennoch anstrengen. „Es reicht heutzutage nicht aus, einfach nur die Ladentür aufzuschließen.“

Veit Hoffmann und Iris Hunscheid stellen etliche Aktionen und Veranstaltungen auf die Beine. Zum Beispiel gehen sie mit Lernhilfen und Büchern in Kindergärten und Schulen, was der Leseförderung diene, aber sich auch für das Geschäft auszahle, ist der Händler überzeugt. Drei Mal im Jahr preisen Hoffmann, Hunscheid und die Mitarbeiterinnen ihre Lieblingsbücher an. Im September gibt es für Stammkunden die „Achimer Weinwanderung“, bei der neben der Buchhandlung auch Textilhändler, ein Juwelier und ein Weinspezialist kulinarisch verlockende Anlaufstellen sind. Lesungen, etwa mit dem Erfolgsautor Klaus-Peter Wolf, runden das Veranstaltungsangebot ab. „Darüber hinaus tauschen wir uns regelmäßig mit zehn befreundeten Buchhändlern bundesweit aus und nehmen neue Entwicklungen auf.“

„Der Kunde muss gerne kommen“

„Man muss gucken, dass der Kunde nicht nur das Produkt bekommt. Der muss gerne kommen“, sagt Hoffmann, der sich mit dem Geschäft in Achim zufrieden zeigt. „Der Umsatz wächst kontinuierlich.“ Seit 2014, als er zusammen mit seiner Frau eine Buchhandlung in Bonn übernommen hat, besitzt das Paar ein zweites wirtschaftliches Standbein.

Veit Hoffmann, der gerne reist und kocht, ist umtriebig. Als Co-Vorsitzender der Leistungsgemeinschaft Buchhandel, in der 160 Firmen zusammengeschlossen sind, verhandelt er „Rahmenkonditionen“ mit den Verlagen mit aus. Heute früh macht sich der ausgezeichnete Unternehmer auf den Weg zur Leipziger Buchmesse.

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