Leistungskurs im Magdeburger Viertel

BBS-Schüler fragen nach: Was macht ein Sozialarbeiter?

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Sozialarbeiter Mehmet Ates (rechts) führte den Leistungskurs der BBS durchs Magdeburger Viertel.

Achim - Von Michael Mix. „Wer im Magdeburger Viertel in Achim aufwächst, hat im Schnitt schlechtere Chancen im Leben als andere“, weiß Jörn Fischer, Lehrer an den Berufsbildenden Schulen (BBS) Verden. Umso wichtiger seien Sozialarbeiter in solch einem „schwierigen“ Stadtteil, die dazu beitrügen, Menschen auf die Sprünge zu helfen, fügt der Diplompsychologe hinzu. Gestern besuchte er mit dem Leistungskurs Pädagogik-Psychologie des Beruflichen Gymnasiums der BBS das Viertel, in dem sehr viele Migranten unterschiedlicher Herkunft wohnen.

„Einer unserer Abi-Schwerpunkte ist Soziale Arbeit“, berichtete die Schülerin Isabella Camargo Blaschke beim Ortstermin im Bürgerzentrum (Büz) an der Magdeburger Straße. Dort begrüßten Büz-Leiter Dirk Ysker und seine Kollegen Mehmet Ates und Marianne Staudacher die Gäste. „Es ist toll, dass wir hier gezeigt bekommen, wie Soziale Arbeit in echt aussieht“, freute sich Blaschke.

Ysker, Ates und Staudacher haben in ihrem beruflichen Alltag reichen Erfahrungsschatz gesammelt. Und den wollten die Jugendlichen heben. „Was macht ein Sozialarbeiter?“, fragte Sinem Ova.

„Gemeinwesenarbeit“, lautete die kurze, zusammenfassende Antwort. Anstatt sich nur isoliert um einzelne Personen zu kümmern, geht es dabei darum, den sozialen Problemen im ganzen Viertel zu begegnen.

Stichwortartig und mitunter auch ausführlicher füllten Ysker und seine Mitstreiter den Begriff „Gemeinwesenarbeit“ mit Inhalt. Dabei kam eine ganze Menge zusammen, denn im bald 40 Jahre bestehenden Büz wurden zahlreiche Initiativen und Konzepte entwickelt und in die Tat umgesetzt.

Abend-Treffen für Migrantinnen

Zum Beispiel Abende für Migrantinnen - die waren und sind wichtig, denn während ihre Männer im Berufsleben über soziale Kontakte verfügen, sitzen etwa aus der Türkei stammende Frauen oft einsam zu Hause. Bei diesen Treffen und in der Mutter-und-Kind-Gruppe gibt es Gelegenheit zum Austausch.

Eine Fahrradselbsthilfewerkstatt und eine Forscherwerkstatt für Kinder sind Anlaufstellen für Praktiker, die gerne auch mal was ausprobieren und dazulernen wollen. Formularlotsen helfen Zugewanderten und Einheimischen, die mit dem Amtsschimmel hadern, bei „Behördenkram“.

„Bildungsmentoren“, das sind speziell geschulte Schüler, greifen Gleichaltrigen oder Jüngeren mit Lernschwierigkeiten unter die Arme. Und das Lesemausprojekt unterstützt Migrantenkinder im Grundschulalter.

Stadtteilfrühstück einmal im Jahr

Einmal im Jahr veranstaltet das aus dem Büz, der Astrid-Lindgren-Schule und der Kita „Achimer Schlaumäuse“ bestehende Kooperative Familienzentrum für alle Bewohner ein Stadtteilfrühstück. Brisante Themen, wie etwa Probleme mit Müll oder Kriminalität, werden in Stadtteilkonferenzen erörtert.

Dazu kommt die sogenannte aufsuchende Sozialarbeit. „Wenn es zum Beispiel Fälle von Gewalt gibt, gehen wir in die Familien, betreiben Konfliktmanagement und versuchen, zu schlichten“, erklärte Mehmet Ates, der nebenbei den mangelnden Nachwuchs in seinem Metier beklagte.

Vielleicht ergreift ja der eine oder andere Schüler nach diesem Einblick in die Praxis diesen Beruf. Sinem Ova zeigte sich jedenfalls „beeindruckt, wie viel die Sozialarbeiter für das Magdeburger Viertel erreicht haben“.

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