Kindergarten St. Matthias bemängelt bei landesweiter Aktion die Novelle des Kita-Gesetzes

„Leider wird nichts besser“

Um Kinder fördern zu können, braucht es mehr Personal.
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Um Kinder fördern zu können, braucht es mehr Personal.

Achim – „Leider wird nichts besser. Zwei Erziehungskräfte für 25 Kinder sind zu wenig, der Personalschlüssel bleibt schlecht“, kritisierte Regina Gürlich, Leiterin des Kindergartens St. Matthias, die geplante Novelle des niedersächsischen Kindertagesstättengesetzes. Mit einer Aktionswoche fordert die Einrichtung der katholischen Kirchengemeinde in Achim als Teil eines landesweiten Aktionsbündnisses die rot-schwarze Regierung in Hannover auf, „endlich bessere Rahmenbedingungen für die Kitas“ zu schaffen.

Bereits im Oktober 2019 habe ihr Haus eine „Appell-Kiste“ für die ganze Stadt organisiert, eine lange Liste mit Unterschriften von Eltern sei ans Kultusministerium geschickt worden, um den Druck auf die Politik in dieser Angelegenheit zu erhöhen, erinnerte Gürlich am Mittwoch beim Pressetermin auf dem Kirchplatz. „Ein von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi gedrehter und an die Landesregierung adressierter Film hat ebenfalls dem Ziel gedient, ein neues Kita-Gesetz zu erreichen, das diesen Namen auch verdient.“ Doch offenbar habe all das nicht gefruchtet.

Gürlich, ihre Stellvertreterin Annika Schröder und weitere Erzieherinnen zeigten nun mit Stellwänden und im Gespräch vor dem Kindergarten St. Matthias auf, „wie unser pädagogischer Alltag aussieht, welche Bedürfnisse Kinder, welche Wünsche Familien haben und welche Anforderungen das pädagogische Personal zu erfüllen hat“. Auch die Ergebnisse einer im Februar erfolgten Elternumfrage seien auf bunten Zetteln an die Wand gepint worden, unter anderem werde eine bessere Bezahlung des Kita-Personals verlangt, informierte die Einrichtungsleiterin.

Sie und der gesamte Berufsstand bräuchten mehr Zeit für jedes einzelne Kind, Gesundheit, Vertrauen, Rückhalt, benannte Gürlich einige Forderungen. „Wir bringen unter anderem ein enorm hohes Verantwortungsgefühl, reichlich Engagement und Empathie mit.“

Kleine Kinder benötigten für eine gesunde Entwicklung eine ganze Menge. „Die ersten Jahre sind entscheidend, da wird der Rucksack für das Leben gepackt“, verdeutlichte Regina Gürlich.

Seit Inkrafttreten des Kita-Gesetzes 1998 sei die Zahl der Fachkräfte in den Tagesstätten runtergefahren worden statt sie zu erhöhen, bemängelte Petra Wieckhorst, Kita-Fachberaterin der Caritas im Bistum Hildesheim, die sich neben anderen Wohlfahrtsverbänden und weiteren freien Einrichtungsträgern, der evangelischen Kirche, Verdi und Elternbündnissen an der Aktionswoche beteiligt. „Dabei sind die Anforderungen an die Kitas gestiegen. Die Eltern stellen andere Ansprüche, sie fordern Sprachförderung und andere frühkindliche Bildung ein“, erläuterte Wieckhorst. Dazu komme noch die Inklusion, also die Aufgabe, geistig beeinträchtigte Mädchen und Jungen zu betreuen und zu fördern. „Dafür braucht das Kita-Personal mehr Zeit.“ Auch weniger Kinder in einer Gruppe seien für die Betreuungsqualität entscheidend.

Silke Thomas, Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Stadtrat, die ebenso wie Rüdiger Dürr (CDU) sowie Pfarrer Matthias Ziemens, Vorsitzender des Pastoralrats der St.-Matthias-Gemeinde, und dessen Stellvertreter Heinrich Wellen der Veranstaltung beiwohnte, wunderte sich, dass nicht auch die zahlreichen anderen Kindergärten in Achim bei der Protestkundgebung vertreten waren. Von denen habe es leider keine Rückmeldungen gegeben, bedauerte Gürlich.

Ein Kita-Gesetz, das einen besseren Betreuungsschlüssel in den Einrichtungen festschreibt, ist ja schön und gut, aber es sind doch überhaupt nicht genügend Fachkräfte vorhanden, oder? Das sei leider so, räumten Tobias Buse, Vorsitzender des pädagogischen Beirats der Kita St. Matthias, und andere auf Nachfrage ein. Kurzfristig lasse sich wohl kaum etwas ändern. „Der Beruf muss mehr Anerkennung erfahren“, betonte Wieckhorst. „Ich kriege Wut, wenn ich von Kita-Neubauten lese“, bekannte Margarete Wolf vom Pastoralrat. „Was nützen die, wenn es kein Personal gibt.“

Von Michael Mix

In ganz Niedersachsen gibt es dafür ein Aktionsbündnis.
Protest mit Plakatwänden: (v. l.) Annika Schröder, Regina Gürlich (Kindergarten) und Petra Wieckhorst (Caritas).

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