Friedrichstraße verliert weiteres Geschäft

Leerstände in einst lebendiger Ladenzeile

Die „Apotheke in der Vahr“ hat seit September 2015 geschlossen. Ein Nachmieter ist nicht in Sicht. Seit dem 1. Juli gehört auch „Blumen Vergissmeinnicht“ nach 21 Jahren der Vergangenheit an.

Achim - Von Lisa Duncan. Viel hat die Stadt in Achim-Nord mit öffentlichen Fördergeldern saniert: Etwa das Magdeburger Viertel, dessen Förderperiode 2017 ausläuft, und das an den Bahnhof angrenzende Sanierungsgebiet „Nördliche Innenstadt“, das auf die nächsten zehn Jahre ausgelegt ist.

Eine Entwicklung, von der die einstige Ladenzeile an der Friedrichstraße nicht profitiert. Betrüblich besonders für die ältere Bevölkerung, die vor vielen Jahren hergezogen war, weil die Geschäftsmeile einen bequemen Einkauf ohne lange Wege ermöglichte. Diese Zeiten sind längst vorbei: Nach der Schließung der „Apotheke in der Vahr“ im September 2015 hat nun auch Sibylle Wilcke ihren Blumenladen „Vergissmeinnicht“ aufgegeben. Nach 21 Jahren.

Nach Angaben der Floristin, die sich noch als „Urgestein“ des Viertels sieht, geschieht die Geschäftsaufgabe aus persönlichen Gründen. Finanziell habe sich der Laden zwar gelohnt („Ich habe meine Stammkunden“), aber die Langwedelerin wollte nach so vielen Jahren nicht mehr hinter dem Ladentisch stehen. Ihren Service bietet sie nun weiter auf ihrer Internetseite an und beliefert diverse Tankstellen in Achim mit Blumenbinderei. Etwas wehmütig erinnert sich Wilcke an die Anfangszeiten ihres Geschäfts: „Da war ja was, das Viertel hatte ein bisschen was.“ Sie vermutet, dass noch weniger Laufkundschaft kommen wird, falls sich die Sparkasse in absehbarer Zeit ebenfalls zurückziehen sollte.

„Das Potenzial an Kunden ist da“

Pflanzenfreunden ist nebenan der „Achimer Blumentreff“ geblieben. Auch das Geschäft „Haarwelt“ von Christine Rensch floriert.

Das ist tatsächlich geplant: „Die Geschäftsstelle in der Friedrichstraße wird aufgegeben, wann genau ist zurzeit noch offen“, teilt Dr. Beate Patolla, Leiterin Unternehmenskommunikation bei der Kreissparkasse Verden, mit. Ein Termin steht noch nicht fest, aber Patolla deutet an, dass es mit der Eröffnung der Hauptfiliale in der Innenstadt zusammenfallen soll.

Seit längerer Zeit leer steht auch der alte Penny-Markt und ein kleiner Laden, an dem noch der einstige Name „Kristall-Markt“ zu lesen ist. Gehalten hat sich an der Zeile lediglich ein Döner-Imbiss, ein weiterer Blumenladen und der Friseursalon „Haarwelt“. Dessen Inhaberin Christina Rensch betreibt ihr Geschäft seit fünfeinhalb Jahren und denkt noch lange nicht ans Aufhören, denn sie hat sich im Laufe der Jahre eine Stammkundschaft aufgebaut.

Aber so richtig zufrieden ist Rensch auch nicht: „Es wäre schön, wenn hier wieder Geschäfte rein kommen würden.“ Rensch hofft, dass die Stadt Achim sich für die Wiederbelebung der Friedrichstraße stark macht. „Das Potenzial an Kunden ist da“, betont die Friseurin. Sie erinnert sich an frühere Zeiten

Ältere vermissen Nahversorger

als Supermarkt, Apotheke und Toto-Lotto-Laden noch vor Ort waren. „Die Leute haben damals die Häuser gekauft, weil die Nahversorgung da war. Und nun? Mit dem Rollator kommen viele noch in die Stadt hinein, aber nicht mehr zurück.“ In Selbsthilfe-Manier bietet ihr Mann darum Fahrdienste für einzelne Stammkunden an.

Der Stadt Achim seien die Hände gebunden, betont Angelika Steinbach, Mitarbeiterin im Fachbereich Stadtentwicklung. Zum einen liege die Friedrichstraße genau an der Grenze zum Sanierungsgebiet, werde aber nicht mehr dazugezählt. Es nachträglich zum Förderprogramm hinzuzufügen sei nicht möglich.

Zum anderen sei es Sache des Vermieters, Geschäftsleute zu finden, die sich in der Ladenzeile einmieten wollen: „Und der könnte vielleicht das Gesamtpaket ändern, indem er zum Beispiel für den Supermarkt eine andere Flächengröße anbietet“, schlägt sie vor. Denn für heutige Discounter seien 1500 Quadratmeter Verkaufsfläche Standard – und nicht die vorhandenen 500 Quadratmeter. „Als Stadt können wir das nicht selber machen, sondern nur beratend tätig sein“, so Steinbach.

Auf Nachfrage dieser Zeitung beim Dörverdener Hausverwalter Jürgen Bertram und beim Berliner Eigentümer Henry Zehden war bei Redaktionsschluss keine Stellungnahme einzuholen. „Viele Dank für die Zusendung ihrer Fragen, allerdings werden wir diese zur Zeit nicht beantworten“, heißt es da.

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