Lebensmittel retten, Menschen helfen

Festakt würdigt zehnjähriges Engagement der Achimer Tafel

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Sie sind das Herz der Achimer Tafel: Am Ende standen alle Helferinnen und Helfer gemeinsam auf der Bühne und nehmen eine Rose und eine Urkunde als Dank für ihren langjährigen Einsatz entgegen. Später folgte auch die Ehrung des Vorstandes.

Achim - Sie verteilen 600 Tonnen Lebensmittel pro Jahr an 850 bedürftige Familien an den drei Ausgabestellen in Achim, Oyten-Bassen und Thedinghausen-Lunsen. Dafür wenden die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Achimer Tafel jährlich 18.000 Arbeitsstunden auf und versorgen insgesamt 28.000 Personen, darunter etwa ein Drittel Kinder im Alter von unter 15 Jahren.

Über diese Größenordnung staunten nicht nur die geladenen Ehrengäste beim großen Empfang im Kulturhaus Alter Schützenhof, sondern auch die Aktiven selbst.

Gesamtes Team wird den geladenen Gästen vorgestellt

Am vergangenen Samstag begrüßte der Vorstand des Tafelvereins Vertreter aus Politik, Verbänden und Verwaltung, Mitglieder, Sponsoren und Unterstützer anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Hilfseinrichtung. Etwa 200 geladene Gäste waren erschienen, um den Einsatz der Ehrenamtlichen zu würdigen. „Wir wollen dieses Fest nutzen, um das gesamte Tafel-Team vorzustellen“, erklärte Vorsitzender Rainer Kunze, „dabei ganz besonders diejenigen, die von Beginn an dabei sind.“

Die große Leistung bestehe in der Umverteilung, ließ die SPD-Bundestagsabgeordnete Christina Jantz-Herrmann durch die SPD-Landtagskandidatin Dr. Dörte Liebetruth verlesen. Es sei kein gutes Zeugnis, dass es in der größten Volkswirtschaft Europas Menschen gebe, die sich keine regelmäßige Mahlzeit leisten könnten, wo hingegen große Mengen Lebensmittel einfach weggeworfen würden. Die Achimer Tafel schaffe einen Ausgleich und beschreibe damit eine Erfolgsgeschichte. „Es muss ein politisches Ziel sein, dass man keine Tafeln mehr braucht“, ergänzte Liebetruth, aber dieses Ziel sei noch fern.

„Ungebrochene Einsatzbereitschaft“ gelobt

Rainer Kunze lieferte in seinem Redebeitrag einen Rückblick auf zehn Jahre Tafel-Engagement. „Damals waren die Zeiten andere“, resümierte der Vereinsvorsitzende. „In Deutschland herrschte eine Wirtschaftsrezession, die nicht folgenlos blieb: Es gab rund 5,4 Millionen Arbeitslose, die Agenda-Politik mit Hartz-IV-Gesetz und Arbeitslosengeld II war ausgerufen worden und führte zu finanziellen Einschnitten in vielen Haushalten. Schließlich folgte 2008 die Finanzkrise.“ Viele Menschen kamen auch in Achim nicht mehr über die Runden.

Entstanden sei die Achimer Tafel 2007 aus einem Kreis von Leuten heraus, die sich am Vorbild bestehender Tafel-Vereine gleiches für Achim wünschten. Diese Personen fanden über die Freiwilligenagentur der Stadt zusammen. Martina Meyer und Wiltrud Ysker leisteten dabei wertvolle „Geburtshilfe“.

Heute wirken 110 Personen für die Tafel, davon 92 in Achim in den Räumen an der Unterstraße 9 im Bauernviertel. „Das Engagement der Bürger ist für mich das größte Phänomen“, sagt Kunze. „Wir werden alle älter, aber die Einsatzbereitschaft ist ungebrochen.“ Eine ganz neue Herausforderung bildeten 2015 die Flüchtlinge, die ohne zu zögern in das Programm aufgenommen wurden – sie machen heute die Hälfte der Kundschaft aus.

„Wir können weder Armut noch Verschwendung abschaffen“

Damit der Verein seine Arbeit machen kann, ist er auf Unterstützung angewiesen. Ausgaben für Miete, Einrichtung, Büroausstattung, Heiz- und Kühlenergie, Fuhrpark, Kraftstoff und Versicherungen können aus Vereinsbeiträgen und Anerkennungsgaben der Bedürftigen alleine nicht gestemmt werden. „Wir erfüllen eine Aufgabe, die eigentlich von den Kommunen erledigt werden müsste“, sagt Kunze.

So stand die Veranstaltung im Zeichen der freiwilligen Helfer und der wichtigsten Spender. Vorne weg der Rotary-Stadttombola-Verein mit 55.000 Euro. Gefolgt vom Lions-Club Verden Kristina Regina (17.500 Euro), von der Stiftung der Kreissparkasse Verden (12.500 Euro) und der Familie Ditzfeld mit ihrer Idee der Wiegewette sowie den kooperierenden Handelsketten, Tankstellen, Kleingewerbetreibenden und Privatspendern.

„Wir können die Armut nicht abschaffen und wir können die Verschwendung nicht abschaffen“, stellte Rainer Kunze fest. „Aber wir können versuchen, das Beste aus der Situation zu machen.“

sch

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