Langjährige ehrenamtliche Arbeitsgruppe: Disput mit Ditzfeld in Gestaltungsfragen

„Achim blüht auf“ streitet mit Bürgermeister und wirft hin

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Renate Willhöft bei ihrer letzten Aktion in der AG „Achim blüht auf“: Die 73-Jährige stellte zum Beginn des Wonnemonats Mai zusammen mit weiteren Helfern Blumenkübel entlang der Kreisstraße von Badenerholz bis zum Golfplatz auf und bepflanzte die Gefäße mit sommerlichen Sorten.

Achim - Von Michael Mix. „Achim blüht auf“ – so der Titel und das Motto einer Gruppe von Bürgerinnen und eines Bürgers, die seit vielen Jahren das Stadtbild durch bunte Blumen, Grünpflanzen und andere Farbsprenkel ansehnlicher gestalten. Doch damit ist nun wohl Schluss. „Unsere Arbeitsgruppe löst sich auf“, sagt Renate Willhöft. Offenbar nach Auseinandersetzungen mit Bürgermeister Rainer Ditzfeld.

Nach knapp zwei Jahrzehnten ehrenamtlicher Tätigkeit sei es „jetzt genug“, antwortete Willhöft auf Nachfrage der Redaktion. Aus Altersgründen? Das spiele bei ihr auch eine Rolle, bekennt die 73-Jährige und schiebt hinterher: „Mehr möchte ich dazu nicht sagen.“

Auf weitere Nachfrage verrät sie dann aber doch, dass es „Ärger mit dem Bürgermeister“ gegeben habe. Und Renate Willhöft wirkt ziemlich angefressen, als sie beim Redaktionsbesuch verkündet, dass die Aktion der AG zum 1. Mai die letzte gewesen sei. Wie berichtet, hatte die 73-Jährige zusammen mit Mitstreitern an der Kreisstraße zwischen Badenerholz und dem Golfplatz Pflanzkübel aufgestellt und mit Sommerblumen bestückt und an der Strecke auch Bäume mit Bändchen in den Achimer Stadtfarben geschmückt.

Aber warum das Ganze weit ab vom Zentrum und nicht, wie sonst üblich, in der Fußgängerzone? „Naja, einen Maibaum wollte der Bürgermeister in der Innenstadt ja auch nicht aufstellen lassen.“

Auf welche Art Achims „gute Stube“ durch Pflanzen und andere Gestaltungselemente für Besucher ein einladendes Bild bieten könnte, darüber gehen die Meinungen offensichtlich auseinander. Am Rande einer Stadtbegehung der Gruppe mit dem Bürgermeister und weiteren führenden Verwaltungskräften zu dem Thema habe es „mächtig gekracht“, berichtet ein Mitglied der AG hinter vorgehaltener Hand.

Doch in welchen Punkten sich die Kontrahenten nicht grün sind, mag niemand der Öffentlichkeit mitteilen. „Wir haben zum Teil andere Vorstellungen zur Gestaltung der Innenstadt“, bestätigte Rainer Ditzfeld immerhin auf Nachfrage.

Und der Bürgermeister hat inzwischen gehandelt. Vor wenigen Wochen ließ er an mehreren Bäumen in der Innenstadt verschiedenfarbige Gießkannen von Mitarbeitern des Bauhofs aufhängen. „Die haben wir auf Anregung von Einzelhändlern, die ein bunteres Stadtbild haben wollten, in einer Gärtnerei beschafft“, erläutert Ditzfeld. Ursprünglich hätten Ostereier in die Bäume gehängt werden sollen, „doch da war Ostern schon fast wieder vorbei.“

Trotz der offenkundigen Querelen hofft der Bürgermeister, dass das von Willhöft verkündete Aus der AG „Achim blüht auf“ noch nicht endgültig ist. „Ich würde es sehr schade finden, wenn es tatsächlich dazu kommt. Die Gruppe hat das die ganzen Jahre toll gemacht.“

Als Rat und Verwaltung Ende der 90er Jahre die Bürgerinnen und Bürger dazu aufriefen, ihren Wohnort durch freiwilliges Engagement nach vorn zu bringen, gründete sich unter anderem auch die Arbeitsgruppe „Achim blüht auf“. Zu den Mitinitiatorinnen zählten Dörte Borzek, Uta Klages, Margret Ringies, Annameta Rippich und Heide Sonnenberg, erinnert sich Renate Willhöft, die ebenfalls nahezu von Anfang an mitmischte. Zuletzt waren vorwiegend noch sie, Gerhild Schröder, Helmut Aucamp und Marlies Migowski bei der Sache, wenn es darum ging, der Stadt zu einem adventlichen, frühlingshaften oder herbstlichen Gesicht zu verhelfen. „Meines Wissens nach“, fügt Willhöft an, „sind wir die letzte der ehemals zahlreichen Freiwilligengruppen in Achim gewesen.“

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