Desma-Gründer Ludwig war ein Flüchtling

Lange der größte Arbeitgeber und Steuerzahler

Gäste aus aller Welt bei der gestrigen Desma-Hausmesse.

Achim  - Der Name Desma stand lange für Uesen und Achim. Das Unternehmen war der größte Steuerzahler für das reiche Uesen vor der Gebietsreform und lange Zeit auch der größte Arbeitgeber im heutigen Ortsteil Uesen und der heutigen Stadt Achim.

In der aktuellen Titel-Story zu 70 Jahren Desma erfährt man, dass nicht nur heute Achim und andere Orte mit Flüchtlingen konfrontiert werden. Auch vor 70 Jahren. So war der Desma-Gründer Herbert Ludwig einer der Flüchtlinge, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Achim ankamen. Er stammte aus dem Vogtland und hatte in eine Familie von Lederverarbeitern und Schuhfabrikanten aus Dresden eingeheiratet, die Familie Willisch. Die Ludwigs schlossen sich Familienmitgliedern an, die bereits ein kleines Unternehmen in Uesen aufgebaut hatten. Zusammen gründeten sie im Juni 1946 die Deutsche Spezialmaschinen Co.U.E.

Die Ludwigs, Willischs und ihre kleine Belegschaft produzierten nicht nur Textilien, Gartenzäune und Spielwaren, sondern auch Maschinen und Werkzeuge für die Schuhindustrie. In den 50er Jahren entwickelte Ludwigs Desma dann ein Verfahren, das den Schuhen statt teurer Ledersohlen Gummisohlen anheftete. Eine Vulkanisierpresse wurde entwickelt, die die Direktansohlung ermöglichte. Der Beginn einer großen Erfolgsgeschichte.

Der technologische Fortschritt war bis heute unaufhaltsam. In den 60er Jahren brauchte man zum Beispiel ein Team von 25 Arbeitskräften, um 700 Paar Stiefel an einem Tag zu produzieren. Mit der Desma 606 benötigte man nur noch zwei Mitarbeiter für 1000 Stiefel am Tag.

1970 wurde die Desma Marktführer für Schuhmaschinen und Formen, vor allem aufgrund der fortgeschrittenen PU-PVC-Technologie. 1981 wurde sie in die Klöckner-Ferromatik-Gruppe eingegliedert. Die Klöckner-Ferromatik-Desma-Gruppe entwickelte sich dann zum weltweit führenden Unternehmen für Spritzgießmaschinen.

Gäste aus aller Welt bei der gestrigen Desma-Hausmesse.

Durch den Zusammenbruch der Sowjetunion und ihrer Satellitenstaaten Anfang der 90er Jahre brach dem Achimer Unternehmen der wichtigste Absatzmarkt weg. Es geriet in eine tiefe Krise mit massivem Arbeitsplatzabbau. 1993 nach der Re-Organisation des Klöckner-Konzerns wurde die Desma ein unabhängiges Mitglied, bestehend aus den Unternehmen Klöckner Desma Schuhmaschinen in Achim und Klöckner Desma Elastomertechnik in Fridingen.

Die Klöckner Desma Schuhmaschinen GmbH tätigte dann ab 1996 unter dem Geschäftsführer Wolfgang Koliver große Investitionen in der Design-Entwicklung und im Formenbau. Erweiterte Maschinensteuerungskonzepte sowie neue Prozesse für die Schuh- und Sohlenfertigung wurden entwickelt.

2000 startete die Firma nach einem der besten Geschäftsjahre überhaupt selbstbewusst in das neue Jahrtausend. 2003 gründete man die Desma (Guangzhou) Machinery & Engineering Co., Ltd in China, spezialisiert auf die schnelle Lieferung von Ersatzteilen und schnellen technischen Service .

Mit 185 Beschäftigten und 20 Auszubildenden hatte die auch in China und Indien produzierende Firma in der Ära Koliwer fast so viel Umsatz wie früher mit 1300 Leuten gemacht.

Im 70. Jahr sprüht das Unternehmen, das in diesem Jahrzehnt von den den Geschäftsführern Klaus Freese und Christian Decker geleitet wird, vor Optimismus. Man spricht vom Individuellen Schuh und Industie 4.0

mb

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