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Landschaftsplanerin erklärt Arbeiten im Naturschutzgebiet „Sandtrockenrasen Achim“ am Ellisee

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Von: Dennis Bartz

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Zur Abschluss der Arbeiten treffen sich Anne-Sophie Burmeister (links) und Lena Koslowski vom Landkreis Verden mit Kristof Meyn vom Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz.
Zur Abschluss der Arbeiten treffen sich Anne-Sophie Burmeister (links) und Lena Koslowski vom Landkreis Verden mit Kristof Meyn vom Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz. © Bartz

Achim – Der Bagger und weiteres schweres Gerät sind inzwischen abtransportiert worden, zurück bleibt im Naturschutzgebiet „Sandtrockenrasen Achim“ am Ellisee auf den ersten Blick eine Schneise der Verwüstung. Und das ärgert Spaziergänger wie beispielsweise Leserbrief-Schreiberin Angelika Henke aus Bierden, die kritisiert, dass es einerseits zum Schutz der Natur nur noch wenige Wege gebe („Alles wurde verboten. Nicht mal mit dem Hund kann man, wie früher, spazieren gehen, ohne dass man ermahnt wird, ja die Wege nicht zu verlassen.“) und andererseits nun Bagger alles „platt gemacht“ hätten. Sie fürchte zudem, dass viele Hasen, Rehe und Vögel verscheucht worden seien: „Ich bin für Naturschutz, aber den stelle ich mir anders vor“, sagt die Hundebesitzerin.

Zum Erhalt der Natur seien die Pflegearbeiten an dieser Stelle nötig geworden, erklärt Landschaftsplanerin Lena Koslowski vom Amt für Naturschutz beim Landkreis Verden auf Nachfrage des Achimer Kreisblatts. Die Untere Naturschutzbehörde habe die Umsetzung und Betreuung der geplanten Maßnahme im Auftrag des niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in Hannover übernommen. Der zuständige Projektverantwortliche Kristof Meyn war kürzlich vor Ort, um die Arbeiten zum Abschluss „abzunehmen“.

In dem Naturschutzgebiet, das als Fauna-Flora-Habitat-Gebiet (FFH) ausgezeichnet ist, gebe es zwei schützenswerte Lebensraumtypen, erklärt Lena Koslowski: „Sandheiden und offene Grasflächen, also Trockenrasen, beide sind hier wertbestimmend für das Gebiet.“ Das Land Niedersachsen sei dafür verantwortlich, die Ausdehnung und den Zustand zu erhalten.

Dies sei heute jedoch nur mit regelmäßiger Pflege möglich, weil es die ehemals natürliche Binnendünenlandschaft nicht mehr gebe. „Auf alten Fotos Ende des 19. Jahrhunderts ist sie noch zu erkennen. Während der beiden Weltkriege wurden die Dünen jedoch abgebaut und der Sand unter anderem für den Bau von Autobahnen verwendet“, informiert Koslowski. Ein weiteres Problem an dieser Stelle sei, dass das Gebiet nun „städtisch umbaut“ sei.

Ohne unsere Pflege würde hier deshalb alles irgendwann zuwachsen und zu einem Wald mit Birken, Kiefern und Eichen werden. Wir wollen den stark gefährdeten Lebensraum schützen – auch vor Neophyten wie der Traubenkirsche, mit der wir stark zu kämpfen haben.

Landschaftsplanerin Lena Koslowski

Beide Faktoren würden zu einer „natürlichen Sukzession“ führen – das bedeutet, dass sich Büsche und Bäume dort ausbreiten und damit nach und nach die Heide und den Sandtrockenrasen verdrängen.

Früher sei das anders gewesen: „Die Dünen waren von Natur aus gewandert und hatten sich damit selbst regeneriert. Das ist heute so leider nicht mehr möglich. Ohne unsere Pflege würde hier deshalb alles irgendwann zuwachsen und zu einem Wald mit Birken, Kiefern und Eichen werden. Wir wollen den stark gefährdeten Lebensraum schützen – auch vor Neophyten wie der Traubenkirsche, mit der wir stark zu kämpfen haben.“

Zur Pflege des Gebiets würden dort jedes Jahr im Herbst Schafe grasen. Doch das alleine genüge nicht – nachdem länger nichts passiert sei, sei man darum nun aktiv geworden, in Zukunft sollen weitere Arbeiten folgen: „Im regelmäßigen Turnus werden wir in Absprache mit den zumeist privaten Grundstücksbesitzern einzelne Flächen in Angriff nehmen. Nicht alles auf einmal zu erledigen ist entscheidend, um verschiedene Altersstadien der Pflanzen zu haben – das ist unter anderem wichtig für die Tiere, die dort vorkommen“, so Koslowski weiter.

Das Naturschutzgebiet „Sandtrockenrasen Achim“ habe insgesamt eine Größe von knapp 60 Hektar, etwa 1,7 Hektar davon seien nun bearbeitet worden: „Ältere Gehölze wurden zum Teil gerodet und die Wurzelstubben entfernt, ältere Eichen haben wir als prägnante Einzelbäume gekennzeichnet und erhalten. Danach wurde die obere Humusschicht gemulcht und gefräst, ehe etwa zehn bis 15 Zentimeter abgetragen wurden.“

Parallel dazu habe eine Fachfirma eine Kampfmittelsondierung durchgeführt. Das sei nötig gewesen, weil es den Verdacht gab, dass dort Geschossrückstände früherer militärischer Nutzung in der Nähe des alten Bunkers vorhanden sein könnten. „Das hat sich auch bestätigt: allerdings nur kleine Splitter, nichts Explosives“, erklärt Kristof Meyn vom NLWKN.

Die als Plaggmaßnahmen bezeichneten Arbeiten hätten das Ziel, den Lebensraum der beheimateten Pflanzen zu erhalten, ergänzt Koslowski: „Sie wachsen nur auf nährstoffarmen Standorten. Diese gehen verloren, wenn sich Pflanzenreste ansammeln, verrotten und den Boden damit anreichern.“

Nun sei Geduld gefragt: „Nach und nach werden sich auf den zunächst noch kahlen Sandflächen neue Pflanzen ansiedeln, als erstes der Trockenrasen mit Silbergras.“ Das passiere auf natürliche Weise, denn drumherum seien ausreichend Spenderflächen erhalten geblieben. In diesem Jahr sei vermutlich jedoch noch nicht viel zu sehen, „aber spätestens im darauf folgenden Sommer und Herbst siedeln sich dort Heide und andere Pflanzen wieder an“, kündigt Koslowski an.

Sie nimmt auch Stellung zu den weiteren Kritikpunkten der Leserbrief-Schreiberin: Das nun bekannte Wegekonzept habe die Stadt mit den privaten Grundstückseigentümern erarbeitet. Spaziergänger, auch mit Hunden an der Leine, seien dort grundsätzlich jederzeit willkommen. „Das Naturschutzgebiet soll erlebbar für die Menschen bleiben.“

Wild lebende Tiere, die womöglich durch das schwere Gerät verscheucht worden seien, würden nach ihrer Einschätzung zudem schnell wieder zurückkehren. „Das klappt bei Feldern auch, wenn dort ein Trecker pflügt“, so Koslowski, die ergänzt, dass die Arbeiten zudem extra außerhalb der Brut- und Setzzeit durchgeführt worden seien.

Die Pflegemaßnahmen sind mit Mitteln des IP-Life-Projekts „Atlantischer Sandlandschaften“ finanziert worden. Insgesamt etwa 40.000 Euro haben allein die Gehölzarbeiten gekostet, 60 Prozent davon trägt die EU, jeweils 20 Prozent die Länder Niedersachsen und Nordrhein Westfalen. „Wir hatten somit eine 100-prozentige Förderung, dem Landkreis Verden sind also keine Kosten entstanden“, so Koslowski.

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