Landkreisweite Gewerkschafts-Demonstration vor dem Achimer Rathaus / Eltern aus Achim fordern Ende des Streiks

„Hier geht es an unsere Existenzen“

+
Rund 30 Personen, Eltern und deren Kinder, die die Kita „Achimer Schlaumäuse“ besuchen, aber nur teilweise im Notdienst betreut werden, forderten ein Ende des Ausstands.

Achim - Von Lisa Duncan. Bereits in die vierte Woche geht der Streik der Erzieherinnen an öffentlichen Kindertagesstätten. Verständnis für den Kampf um bessere Arbeitsbedingungen ist zwar immer noch vorhanden. Aber es gibt auch mittlerweile einen großen Anteil Eltern, die sich einfach nicht mehr zu helfen wissen. Ihrem Ärger über die desolate Betreuungssituation machten einige Achimer gestern Nachmittag lautstark vor dem Achimer Rathaus Luft – und forderten ein Ende des Streiks. Auf der anderen Seite: Rund 150 Streik-Sympathisanten aus dem gesamten Landkreis Verden.

Innerhalb Achims war es seit Beginn des Ausstands am 8. Mai bisher die größte Aktion der Gewerkschaft Ver.di. Nicht nur Erzieherinnen öffentlicher, sondern auch privater Träger sowie einige Eltern beteiligten sich, gibt Gewerkschaftssekretär Sascha Gröters Auskunft.

„Wir sind als freier Träger zwar nicht involviert, aber wir wollen die Möglichkeit nutzen, die Kolleginnen bei ihrem Anliegen zu unterstützen“, sagt Petra Zimny, Leiterin der „Kinderstube Achim“, die mit drei Mitarbeiterinnen vor Ort war.

Es gehe nicht ums Geld, sondern um die Eingruppierung der Löhne, sagt eine 30-jährige Erzieherin aus Verden. Die stamme noch aus einer Zeit, als die Kinder noch kein Mittagessen in der Kita bekamen und nur zugelassen wurden, wenn sie der Windel schon entwöhnt waren. „Heute wickle ich Vorschulkinder“, betont sie.

„Wir sind nicht grundsätzlich gegen die Forderungen. Nur irgendwann ist Schluss“, sagt Kendra Rademacker, stellvertretende Elternvertretung bei der Kita „Schlaumäuse“. Es sei anders als beim Bahnstreik, „denn hier geht es an unsere Existenzen“, betont eine Mitstreiterin. Neben ihr steht die Mutter eines vierjährigen Kindes, die nach eigenem Bekunden als Folge des Streiks ihren Job verloren hat. Der Chef habe es nicht offiziell so begründet, aber „ich wurde durch einen jungen Mann ersetzt, der keine Kinder hat“, erzählt sie. Sophia Iseringhausen und ihr Mann Dennis Grabow haben für ihre Zwillinge Emma und Paul keinen Notdienstplatz bekommen – und mit anderen Eltern eine Art Betreuungskooperative gestartet. Sie ärgern sich, dass die „Kinder außer acht gelassen werden“.

„Wir sind nicht leichten Herzens in den Streik gegangen“, verkündet eine Demonstrantin der Verdi-Seite durch das Megaphon. Die Reaktion bleibt nicht aus: „Der Druck geht doch nur gegen uns“, „Es trifft die Falschen“ und „Wir haben auch keine Solidarität auf der Arbeit“, lassen einige Eltern ihrem Frust freien Lauf.

„Die Rückmeldungen der Eltern fallen sehr unterschiedlich aus, ein Teil ist solidarisch, ein anderer Teil ist solidarisch mit den Forderungen, aber nicht mit der Aktionsform des Streiks. Es gibt aber auch eine Minderheit, die es kategorisch ablehnt“, weiß Sascha Gröters von Ver.di. Die Vertreter der Arbeitgeberverbände und die Gewerkschaft verhandeln seit Montag wieder. Donnerstag werde voraussichtlich über das weitere Verfahren entschieden, so Gröters.

Und was, wenn der Streik noch bis zu den Sommerferien anhält? „Es gibt keine Lösung, wir können nur auf den Notdienst hoffen und weiter Überstunden abbauen“, sagt eine demonstrierende Mutter. „Das wär‘ ne Katastrophe“, findet eine Erzieherin aus Verden und fügt hinzu: „Ich vermisse meine Kinder auch. Einige werden nach den Sommerferien eingeschult und die sehe ich dann nicht mehr.“

Mehr zum Thema:

"Schwung und Kraft": Vettel jagt Hamilton in Australien

"Schwung und Kraft": Vettel jagt Hamilton in Australien

Neue Bewegung in Aufarbeitung der Germanwings-Katastrophe

Neue Bewegung in Aufarbeitung der Germanwings-Katastrophe

Ermittler rätseln über Motiv des London-Attentäters

Ermittler rätseln über Motiv des London-Attentäters

Trotz Tragödien im Mittelmeer wächst Kritik an den Rettern

Trotz Tragödien im Mittelmeer wächst Kritik an den Rettern

Meistgelesene Artikel

Mehrere Verletzte bei Unfall auf der A27

Mehrere Verletzte bei Unfall auf der A27

Schlussstrich unter angebliche Sexaffäre

Schlussstrich unter angebliche Sexaffäre

Erst Stromausfall, dann kein Wasser

Erst Stromausfall, dann kein Wasser

Glockenspiel: Zwei Jahre Pause beendet

Glockenspiel: Zwei Jahre Pause beendet

Kommentare