Nach Ehrenpreis der Stadt

THW-Mitglied Stefan Frese erhält die Niedersächsische Rettungsmedaille

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Stefan Frese (links) gestern mit Landesmedaille und Urkunde im Rathaus. Bürgermeister Rainer Ditzfeld überreichte ihm anschließend noch den „Heldenwein“.

Achim - Von Lisa Duncan. Stefan Frese war als ehrenamtliches Mitglied im Achimer Ortsverband des Technischen Hilfswerks (THW) schon an vielen kräftezehrenden Einsätzen beteiligt. Allen voran die Flutkatastrophe 2013. Doch am 30. April 2016, als dichter Qualm aus der Wohnung seines Nachbarn drang, war der 25-Jährige auf sich allein gestellt.

In Sekunden fällte er die Entscheidung selbst hineinzugehen und seinen Nachbarn, der auf dem Sofa eingeschlafen war, zu wecken. Durch eine verkohlte Pizza im Ofen hatte sich so starker Rauch gebildet, dass auch Frese sein Leben aufs Spiel setzte. Gestern erhielt er für sein Engagement die Niedersächsische Rettungsmedaille. Bürgermeister Rainer Ditzfeld gab ihm die Auszeichnung im Auftrag von Landesinnenminister Boris Pistorius.

Gefährlicher Einsatz für seine Mitmenschen

An den Tag vor fast genau einem Jahr erinnert sich der gebürtige Bremer, der seit 2013 in Achim wohnt, noch genau: Es ist Samstagvormittag, gegen 11 Uhr, als Stefan Frese ein ungewohntes Geräusch bemerkt. Bis ihm dämmert, dass es sich dabei um einen Rauchmelder aus der Nachbarwohnung handelt, vergehen einige Sekunden.

Rauchschwaden auf dem Balkon seines Nachbarn bestätigen die Vermutung – und Frese zögert nicht lange. Er erklärt sich bereit, die Leiter zu erklimmen, die andere Anwohner aufgestellt haben, um schnell in die Nachbarswohnung zu gelangen. Oben angekommen, muss er noch drei, vier Meter in die völlig verrauchte Wohnung vordringen, um den halb bewusstlos auf dem Sofa liegenden Mann wachzurütteln.

„Ich habe einfach funktioniert“

Dann treffen Feuerwehr und Polizei ein, die Frese zuvor per Notruf verständigt hat, stürmen unter Atemschutz in die Küche und „entschärfen“ die Rauchquelle. Inwzischen ist der Mann bei Bewusstsein und kann die Leiter herunterklettern.

Wie lange das alles dauerte? Stefan Frese kann es nicht sagen: „Man verliert das Zeitgefühl in so einem Moment.“ Dass er dabei sein eigenes Leben hätte gefährden können, daran verschwendete er kaum einen Gedanken: „Ich habe einfach funktioniert“, schildert er bescheiden. „Erst im Nachhinein wurde mir klar, was alles hätte schiefgehen können.“ Die Frage, ob er wieder so handeln würde, bejaht er, gleichwohl mit einer Einschränkung: „Ich würde natürlich versuchen, die Gefahr abzuschätzen.“

THW: „Stefan ist halt sehr bescheiden“

Durch seine ehrenamtliche Mitarbeit in der THW-Ortsgruppe, der er seit 2011 angehört, ist Frese zwar kein Brandschutzexperte. Er verfügt jedoch über eine Grundschulung im Umgang mit Feuer und Rauchgasen. Wie leicht man sich mit nur wenigen Atemzügen eine Rauchvergiftung holen kann, ist ihm bewusst.

Die Feuerwehr wollte den zivilen Hilfseinsatz des Achimers damals nicht an die große Glocke hängen – als Vorsichtsmaßnahme, damit nicht völlig ungeschulte Bürger zu Nachahmern werden. Katrin Döring vom Vorstand des THW Achim kann die Gründe dafür nachvollziehen fand aber auch, dass die Einzeltat von Frese gesondert gewürdigt werden sollte. Dafür setzte sie sich ein: „Stefan ist halt sehr bescheiden.“

Dank Dörings Fürsprache fragte Bürgermeister Ditzfeld beim niedersächsischen Innenminister an. Und so hatte der Achimer Verwaltungschef nun die Ehre dem jungen Mann, der im Dezember 2016 schon den Ehrenpreis der Stadt erhalten hatte, nun auch noch die Rettungsmedaille des Landes zu verleihen. „Das erste Mal in meiner Amtszeit. Und ich kann mich auch davor in meiner Zeit als Ratsmitglied an keinen derartigen Vorgang erinnern“, verkündet Ditzfeld.

Neben der Medaille, die das springende Ross und die Worte „Für Rettung aus Gefahr“ zieren, erhielt Frese eine Urkunde – und als persönliches Geschenk aus dem Rathaus eine Flasche „Heldenwein“.

Dabei ist Frese, der sehr zurückhaltend auftritt, weit davon entfernt, sich für seine Tat von 2016 als Held zu gebärden. Dass er so und nicht anders gehandelt hat, war für ihn allem Anschein nach selbstverständlich. Eine Geschichte, die zeigt: Helfen geschieht oft losgelöst von der Erwartung auf eine Gegenleistung. Denn auf die Frage nach der Reaktion des Geretteten antwortet Frese nur vorsichtig, dass er von ihm niemals ein Dankeschön erhalten habe.

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