Von Achim bis Verden marschiert

Kurden demonstrieren für ihre Rechte und gegen Diktatur

+
Vom Achimer Rathaus aus setzte sich der Zug bis zum Verdener in Bewegung. 

Achim/Verden - Von Manfred Brodt. Rund 100 Kurden, überwiegend yezidischen Glaubens, marschierten am Sonntagmittag bei sengender Hitze vom Achimer Rathaus über die Landesstraße 158 bis zum Verdener Rathaus, um für ihre Rechte und gegen den Abbau der Demokratie in der Türkei zu demonstrieren.

Bereits im vergangenen Jahr hatte es eine solche Demonstration gegeben. Damals führte der Marsch in umgekehrter Richtung von Verden nach Achim. Damals standen im Vordergrund die Verfolgung der Yeziden durch die Terrormiliz des so genannten Islamischen Staates und die seltsame Passivität des türkischen Militärs.

In diesem Jahr standen die Ereignisse vor und nach dem gescheiterten Militärputsch vom vorletzten Freitag, den die Demonstranten verurteilten, im Vordergrund.

Sie protestierten auf Flugblättern und Kundgebungen dagegen, dass die türkische Regierung den Friedensprozess mit den Kurden und der PKK ad acta gelegt habe und in der Südost-Türkei, in Nord-Kurdistan, wie sie sagen, Krieg gegen Kurden führe, viele Menschen töte, Häuser dem Erdboden gleich mache und Städte zerstöre.

Auf dem Kühler das Porträt des PKK-Führers Öcalan, auf Transparenten an der Spitze des Demnstrationszuges, hier am Ortsausgang Badens Richtung Etelsen, die wichtigsten Losungen. 

Die Immunität von kurdischen oppositionellen Abgeordneten sei aufgehoben worden. Dies alles schon vor dem gescheiterten Militärputsch. Nach dem Putsch sei der Krieg von Präsident Erdogan grenzüberschreitend bis in den Nordirak intensiviert, 50 000 Lehrer, Soldaten, Polizisten, Richter und Staatsanwälte seien entlassen oder festgenommen, 1500 Universitätsdekane abgesetzt, Akademiker mit Ausreiseverbot belegt und für drei Monate der Ausnahmezustand ohne Wahrung der Menschenrechte verhängt worden.

Diese entstehende Präsidialdiktatur sei ebenso wie eine Miltärdiktatur abzulehnen, unterstrichen die Demonstranten.

Sie vermissen klare Worte und Taten des Westens, der sich wegen des Flüchtlingsdeals mit der Türkei sehr verhalten zeige. Die Demonstranten sehen die Kurden als wichtigen Bündnispartner des freien Westens, der stets auf einen dritten alternativen Weg setze, militärische und zivile Dikataturen ablehne und die effektivste Kraft im Kampf gegen den IS darstelle.

„Freiheit für Öcalan“, den auf einer Insel gefangenen PKK-Führer, „und alle politischen Gefangenen“ war eine der Losungen, die von Achim bis Verden vertreten wurden. Der Zug auf der Landesstraße, untermalt von kurdischer Musik, wurde von einem größeren Aufgebot heimischer und auswärtiger Polizeikräfte begleitet und abgesichert. In Langwedel hatten die Demonstranten bei ihrem 20 Kilometer langen Weg eine Rast eingelegt.

Nach Polizeiangaben kam es zu keinen größeren Zwischenfällen. Gegen eine Teilnehmerin leitete die Polizei ein Strafverfahren ein, weil sie eine Parole mit strafbarem Inhalt skandiert habe.

Mehr zum Thema:

Bayern nach Leipzig-Patzer wieder vorn

Bayern nach Leipzig-Patzer wieder vorn

Riesenjubel in Grün-Weiß

Riesenjubel in Grün-Weiß

DHB-Frauen starten mit Sieg in EM-Hauptrunde

DHB-Frauen starten mit Sieg in EM-Hauptrunde

Weihnachtsmarkt in Sankt Hülfe/Heede

Weihnachtsmarkt in Sankt Hülfe/Heede

Meistgelesene Artikel

Süßes vom Nikolaus auch für große Werder-Kicker

Süßes vom Nikolaus auch für große Werder-Kicker

Einfach abgestellt und abgehauen?

Einfach abgestellt und abgehauen?

Eine besondere Atmosphäre

Eine besondere Atmosphäre

Kreativ und international

Kreativ und international

Kommentare