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Künstlerin Svenja Wetzenstein startet Kurs und lädt zu Charity-Verkauf in Achim ein

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Von: Dennis Bartz

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Die Achimer Künstlerin Sonja Wetzenstein verbringt während der Pandemie viel Zeit in ihrem Atelier.
Die Achimer Künstlerin Sonja Wetzenstein verbringt während der Pandemie viel Zeit in ihrem Atelier. © Bartz

Achim – Wenn sie einen ihrer unzähligen Pinsel in einen Klecks aus Ölfarbe taucht und danach feinste Linien zieht oder vorsichtig mit der Haarspitze ihres Kunstwerkzeugs über das Material streicht, um ihre zum Teil sehr filigranen Werke zu malen, ist Künstlerin Svenja Wetzenstein aus Achim ganz in ihrem Element – und hört dabei am liebsten Heavy Metal.

Die 48-jährige Achimerin widmet sich in ihrer Kunst nach eigenen Worten gerne der Verletzlichkeit und Endlichkeit des Lebens. Dazu passe sehr gut der neue Kurs, den sie ab Donnerstag, 21. April, in den Räumen des Kunstvereins am Mittelweg anbietet.

An insgesamt elf Terminen bis zu den Sommerferien, jeweils donnerstagvormittags, widmen sich Wetzenstein und ihre Schüler der Aktmalerei. Eine Premiere für die Künstlerin, die bereits seit drei Jahren Kurse mit wechselnden Schwerpunkten in Achim anbietet. „Das wird deshalb eine spannende und besondere Herausforderung“, freut sie sich.

Laut Kursbeschreibung lädt sie Kunstbegeisterte dazu ein, „der Faszination am unbekleideten menschlichen Körper auf die Spur zu gehen, die sich durch die gesamte Entwicklung der bildenden Kunst – von Höhlenmalerei bis heute – zieht“.

Seit 15 Jahren wohnt Wetzenstein in Achim. Sie ist in Kiel geboren und aufgewachsen. Dort hatte sie auch Kunst und Deutsch auf Lehramt studiert, ehe sie sich an der Kieler Kunsthochschule ganz ihrer Leidenschaft, der freien Kunst, gewidmet hatte. Während sie lange Zeit nebenbei einem „Brotjob“ nachgegangen sei, wie sie es nennt, genieße sie es nun umso mehr, sich ganz der Malerei, den Kursen und ihrer Familie widmen zu können.

Eine Besonderheit ihrer Werke ist die Wahl des Untergrunds: Nachdem die Künstlerin früher oft auf großen Leinwänden gemalt hatte, hat sie nun Holzplatten für sich entdeckt. „Die Maserung ist für mich dabei genauso wichtig wie meine Malerei. Beides lässt sich gut miteinander verbinden. Ich habe deshalb immer zahlreiche Holzplatten in meinem Atelier und wähle je nach Motiv die Passende aus.“ Sie arbeite heute zudem in kleineren Formaten, um die Intimität der Fotos, die ihr als Vorlage dienen, genauso zu erhalten wie auch den Glanz der Bilder.

Aktmalerei habe sie als neues Kursthema gewählt, weil diese einen besonderen Reiz ausübe – und diese Faszination wolle sie nun an die Teilnehmer weitergeben: „Es macht Spaß, den Körper zu studieren, die Proportionen richtig umzusetzen ist je nach Perspektive schwierig.“

Damit das bestmöglich gelingt, bekommen die Teilnehmer des Kurses die Chance, ein professionelles Aktmodell zu malen, das dafür posieren wird. Für den Auftakttermin hat Svenja Wetzenstein eine Frau ausgewählt. „Ein besonders schönes Aktmodell, das ich selbst schon von Kursen kenne. Im späteren Verlauf sollen es aber auch Männer sein.“

Aktmalerei habe dabei nichts mit Erotik zu tun. „Man konzentriert sich dafür viel zu sehr darauf, wie die Linien des Körpers, der Arme, des Pos und des Busens verlaufen“, erklärt Svenja Wetzenstein. Dennoch erwarte sie, dass einige Teilnehmer zunächst eine Hemmschwelle hätten.

Um diese zu nehmen, starte sie mit Übungen zur Auflockerung: „Dafür bietet es sich zum Beispiel an, dass das Modell alle zwei Minuten die Pose wechselt – mit Papier und Bleistift entstehen schnelle Skizzen.“

Ausstellungen digital per Zoom haben mir nicht geholfen – das ist für mich so, als würde ich hungrig eine Kochshow gucken.

Sonja Wetzenstein

Sonja Wetzenstein betont, sie habe Freude daran, die Kursteilnehmer auf ihrem Weg zu begleiten. Die Werke sollen nach dem Kurs im Rahmen einer Ausstellung gezeigt werden – wegen der Pandemie sei das bei den vorherigen Kursen oft nicht möglich gewesen.

„Die Zeit war schlimm für mich als Künstlerin, obwohl ich viel Zeit in meinem Atelier verbringen konnte. Kurse sind ausgefallen, ich konnte keine Ausstellungen machen und selbst keine besuchen. Das hat mir am meisten gefehlt. Ausstellungen digital per Zoom haben mir nicht geholfen – das ist für mich so, als würde ich hungrig eine Kochshow gucken.“

Im vergangenen Jahr war sie an zwei Ausstellungen beteiligt: Werke von ihr waren in der Kieler Stadtgalerie und bei der Landesschau in Eutin zu sehen. Mit ihrem Projekt „Totentanz“ hat sie sich 2021 erfolgreich um ein Arbeitsstipendium des Landes Niedersachsen für soloselbstständige Künstler beworben.

Sie porträtiert dafür einen Feuerwehrmann, der regelmäßig als Tod auf Mittelalterfestivals zu Gast ist. Zahlreiche Werke auf Holzplatte sind dabei entstanden. „Mit ihm werde ich außerdem ein Interview führen, um daraus ein Buch zu erstellen, das Ende des Jahres in den Druck geht. Der Kontrast, dass er beruflich Leben rettet und in seiner Freizeit als Tod unterwegs ist, fasziniert mich“, erklärt Sonja Wetzenstein, die ihre Werke bei Ausstellungen und über ihre Internetseite www.svenja-wetzenstein.de zum Verkauf anbietet.

„Ein Original zu haben, ist immer etwas Besonderes, weil viel Herzblut des Künstlers darin steckt“, erklärt sie. In ihrem Haus hingen viele Bilder anderer Künstler, aber kein Werk von ihr: „Das wäre für mich wie ein andauerndes Arbeitsgespräch“, betont sie, während sie sich ihren Arbeitskittel umhängt. Sie genieße es besonders, wenn sie beim Malen „im Flow“ sei und es „fließe“ – dafür startet sie ihren CD-Player, der in ihrem Atelier steht – und kurz darauf erklingt Heavy Metal.

Charity-Verkauf zugunsten von Ärzte ohne Grenzen an Muttertag

Für Muttertag, 8. Mai, plant Künstlerin Sonja Wetzenstein mit den Teilnehmern des aktuellen und vergangener Kurse eine Charity-Aktion mit dem Titel „Imagine – Bilder für den Frieden“. Etwa 15 Künstler werden sich mit ihren Werken an der Ausstellung beteiligen.

Der Verkauf in den Räumen des Kunstvereins am Mittelweg 19 in Achim läuft in der Zeit von 11 bis 17 Uhr. „Die Originale sind dann für einen Preis von etwa 50 bis 200 Euro zu haben. Der komplette Erlös aus dem Verkauf kommt der Ukraine-Hilfe zu Gute. Unsere Spende geht an Ärzte ohne Grenzen“, kündigt Svenja Wetzenstein an und bedankt sich bei Bürgermeister Rainer Ditzfeld und seinem Stellvertreter Rüdiger Dürr, die die Schirmherrschaft übernommen haben. In ihrem nächsten Kurs, der nach den Sommerferien startet, soll es um den kreativen Umgang mit Farben gehen.

„Wir werden sie selbst anmischen, auf die Leinwand werfen oder einfach laufen lassen“, kündigt Svenja Wetzenstein an. Weitere Informationen über ihre Arbeiten gibt es unter www.svenja-wetzenstein.de. Der Achimer Kunstverein informiert über seine Angebote unter www.kunstverein-achim.de.

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