Theatergruppe „Korrekte Affekte“ spielt Drama von Kohout 

„Krieg im 3. Stock“ gerät für die Beteiligten zum Albtraum

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Die Theaterleute von „Korrekte Affekte“ fiebern der Premiere des neuen Stücks entgegen: (von links) Christel Schneider, Götz Matthes, Regina Gürlich (vorne), Meike Hager-Behr, Beate Schüssler und Hannes Radke. Holger Kohring fehlt hier. 

Achim - „Krieg im 3. Stock“ – bei einem Stück mit diesem Namen werden vermutlich viele an einen Streit unter Nachbarn denken. Doch was die Achimer Theatergruppe „Korrekte Affekte“ unter dem obigen Titel in wenigen Tagen im Kulturhaus Alter Schützenhof auf die Bühne bringt, hat eine ganz andere Dimension. Eine von politisch-militärischem Ausmaß. Damit dürfte das Stück in unruhigen Zeiten wie diesen brandaktuell sein.

Allzu viel soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Nur Folgendes: Nach einem nächtlichen Einbruch müssen Dr. Blaha, dargestellt von Götz Matthes, und seine Frau (Beate Schüssler) erkennen, dass es sich nicht um eine Räuberbande oder um Protagonisten eines schlechten Scherzes handelt. Vertreter von Behörden, dem Geheimdienst und dem Militär bereiten den Blahas einen schlimmen Albtraum, aus dem es kein Erwachen gibt.

In den weiteren Rollen spielen Regina Gürlich (Postbote, Soldat), Christel Schneider (Arzt, General), Holger Kohring (Polizist, Soldat, Herr Hürlemann), Meike Hager-Behr (Zivilist) und Hannes Radke (General). Für die Technik ist Kenneth Brand verantwortlich, und als Souffleuse agiert Sabine Brandt.

Premiere im Kasch ist am Sonnabend, 26. November, um 20 Uhr. Am Freitag, 2. Dezember, wird das Stück zur gleichen Uhrzeit dort noch einmal aufgeführt. Eintrittskarten kosten zehn Euro, ermäßigt acht Euro.

Vielleicht kommt der eine oder andere Zuschauer auf den Geschmack, mal selbst Theater zu spielen. Die Gruppe „Korrekte Affekte“ probt immer montags von 20 bis 22 Uhr im Kasch und freut sich über neue Mitstreiter, die Spaß am Rollenspiel haben. Wer Interesse hat, kann sich mit Christel Schneider, Telefon 04202/62416, in Verbindung setzen oder einfach einen Übungsabend besuchen.

Aber wie kam es überhaupt zu den „Korrekten Affekten“, und was zeichnet diese Theatergruppe aus? Der nachfolgende Blick zurück aus Reihen der Akteure dürfte einige Antworten liefern.

Alles begann im Februar 1994, als das Kasch-Team Interessierte einlud, um über die Gründung einer neuen Theatergruppe zu diskutieren. Der Einladung folgten dann etwa 20 Achimerinnen und Achimer, die zunächst noch völlig unterschiedliche Vorstellungen hatten. Nach einigen Monaten Theatertrainings kristallisierte sich dann eine kleine Gruppe heraus, die nicht nur proben wollte, sondern einen Auftritt zum Ziel hatte. Die Gruppe „Korrekte Affekte“ war geboren.

Die erste Produktion, eine Szenencollage zum Thema Liebe, trug den Titel „Was Prügel sind, das weiß man schon, aber was Liebe ist...“. Dabei einigte sich die Gruppe auf ihre Grundprinzipien, die bis heute noch gültig sind: Es gibt keine Hierachie und damit auch keinen Regisseur. Entscheidungen, auch hinsichtlich der Auswahl der Stücke, werden nach dem Konsensprinzip gefällt. Jede und jeder sollte möglichst alles in den Bereichen Requisite, Bühnenbild und Bühnentechnick machen können.

Und alle, die bei „Korrekte Affekte“ mitmischen, eint zudem die Vorstellung von Theater. Unterhaltsam sollten die Stücke sein und doch im weitesten Sinne politisch-emanzipatorisch. So fand die Gruppe mit Slawomir Mrozek „ihren“ Autor. Bissig, polemisch, widerständig und listig – diese Attribute werden dem Polen in seiner Arbeit zugeschrieben.

Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass „Korrekte Affekte“ für dieses Jahr ein Stück des Dramatikers Pavel Kohout ausgewählt hat. Denn der Tscheche verfolgt beim Theatermachen einen ähnlichen Ansatz wie Mrozek. 

sg

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