DURCH DAS JAHR MIT ACHIMER GÄRTNERN

Kreuz und quer wächst alles besser

Tochter Dania Sarrad und Mutter Nawal Zahwi in ihrem Garten im Parzellengebiet „Abendfrieden“.
+
Tochter Dania Sarrad und Mutter Nawal Zahwi in ihrem Garten im Parzellengebiet „Abendfrieden“.

Achim – Auch der Ramadan, die muslimische Fastenzeit, die am Donnerstag endete, hielt Nawal Zahwi und Dania Sarrad nicht davon ab, im Garten zu arbeiten. „Das da links sind Saubohnen, die kann man grün essen oder trocknen. Rechts sind Zwiebeln und Knoblauch, weiter hinten Koriander, Kresse und Rucola“, sagt Dania Sarrad und erklärt, dass es sich bei den meisten Sorten um die arabischen Varianten handelt.

Sarrad steht mitten im Parzellengebiet „Abendfrieden“ des Achimer Kleingartenvereins, genauer gesagt: im Garten mit der Nummer 8. Die Parzelle gehört ihrer Mutter Nawal Zahwi. Die mittlerweile in Achim verwurzelte Zahwi kommt aus dem Libanon. Dania Sarrads Vater ist Palästinenser, geboren wurde sie in Tel Aviv.

Nawal Zahwi hegt und pflegt ihren 450 Quadratmeter großen Garten seit 2008. Davor hatte sie eine Eckparzelle, die sie nach einigen Jahren wegen des vielen Unkrautzupfens am Wegesrand aufgab und gegen das Grundstück Nr. 8 eintauschte.

An der Methode hat Nawal nichts geändert: Kreuz und quer bringt sie die Saat in ihre Gemüsebeete. „Das wächst besser, weil die Pflanzen miteinander konkurrieren müssen“, erklärt Dania. Nawal profitiert nicht nur erfahrungsmäßig von den Jahren zuvor. Denn viele Pflanzen säen sich selbst wieder aus. „Was von alleine wiederkommt, lasse ich einfach wachsen.“ Tochter Dania versichert, dass sie mit dieser Methode bis zu dreimal im Jahr ernten kann.

Dass dies in den ersten Monaten dieses Jahres ziemlich zaghaft voranging, liegt am historisch kalten Frühling. Das habe sie in dieser Form auch noch nicht erlebt, gibt die Achimerin zu. So hätten die auf der heimischen Fensterbank vorgezogenen Pflanzensetzlinge – Tomaten, Zuchini und andere Gemüse und Früchte – den Umzug ins Gartenhäuschen nicht überlebt: Alles ist erforen. „Ich hätte eigentlich schon ernten können“, stellt Nawal ein wenig enttäuscht fest.

Vor rund einem Monat legte die Gärtnerin dann mit der Direkt-Aussaat robusterer Gewächse, zum Beispiel Rüben und Radieschen, nach. Diese könnten in etwa zwei Wochen so weit sein. Wenn es wärmer wird, kommen Tomaten, Peperoni oder Okra-Schote hinzu – vielleicht diesmal zugekaufte Setzlinge. „Im Sommer ernähren wir uns fast nur aus dem Garten“, erzählt Dania. Dieses Ziel habe ihre Mutter noch jedes Jahr erreicht. Oft produziere sie von der einen oder anderen Gemüsesorte einen Überschuss. „Wir verschenken dann viel, an Nachbarn oder Leute, die vorbeikommen.“ Auch bei den Nachbarn im Parzellengebiet „Abendfrieden“ scheint das selbstverständlich: Sie schenken im Gegenzug etwa besonders fleischige, russische Tomaten.

Aber der Garten, in dem außerdem Obstsorten wie Kirsche und Pflaume gedeihen, sei auch eine Art Ruhepunkt, sagt Nawal. „Wenn wir keinen Garten hätten, wäre uns während des Lockdowns die Decke auf den Kopf gefallen.“ Jetzt in der Corona-Zeit muss Nawal als Reinigungskraft im Cato-Bontjes-van-Beek-Gymnasium noch gründlicher als sonst putzen, bis hin zum Türklinken desinfizieren. Meist bleibt daher nur das Wochenende für die Gartenpflege – fünf Stunden Arbeit seien das Minimum. Unterstützt wird sie dabei von ihrem Ehemann. „Für mich und meinen Mann ist der Garten Liebe“, sagt sie.

Nawal kennt auch die Eigenarten der Gewächse in ihrem Garten. Mangold säe sich jedes Jahr woanders aus, Petersilie wachse nie am selben Platz. „Die mag sich selber nicht riechen“, formuliert Dania spontan einen Merksatz, der sich auch Gartenlaien schnell einprägen dürfte.

Ein Korb voller Kräuter für vielfältige Küche zu Hause. Was übrig ist, wird verschenkt.

Um die besonderen Eigenschaften von Pflanzen sollte man auch beim Verzehr wissen: „Marokkanische Minze ist gut für Magen und Blutdruck, Kümmel, Fenchel und die rosa Blüte der Malve wirken entzündungshemmend und sind gut für die Verdauung“, erklärt Dania. Malve? Ist das nicht eine Zierblume? Im Libanon und in Palästina werde sie als Essenszutat verwendet. Die eingangs erwähnten Saubohnen sind übrigens, neben Kichererbsen, Hauptzutat für ein Gericht, das in Deutschland vor allem bei Veganern beliebt ist: Falafel. „Die wenigsten wissen, dass das Originalrezept aus Palästina kommt“, sagt Dania. Auch Feinde des Gemüsebeets lassen sich laut Nawal und Dania mit natürlichen Methoden abwehren: Zwiebelhaut oder -wasser diene als Schutz vor Schädlingen wie Blattläusen, gegen Schnecken verteile man zuvor gesammelte Eierschalen in den Beeten. Die scharfkantigen Schalen halten die gefräßigen Weichtiere fern, weil sie sich daran schneiden.

In Nawal Zahwis Garten wachsen nicht nur Obst und Gemüse, sondern auch Rosen, die sie ausschließlich aus Ablegern gewonnen hat. „Wenn mir eine Rose gefällt, frage ich den Gartenbesitzer, ob ich mir einen Ast abschneiden kann.“ Unbestreitbar verfügt Nawal über den berühmten Grünen Daumen, aber auch das Interesse, stets neue Gartentechniken zu lernen. Gerade versucht sie sich mithilfe von Youtube-Tutorials anzueignen, wie man Obstsorten kreuzt oder veredelt, also etwa Äpfel auf einem Kirschbaum kultiviert. Auf arabisch hat diese Technik übrigens kurioserweise die gleiche Bedeutung wie das Wort für „Impfen“.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Tränen bei Joker Gregoritsch: Österreich schreibt Geschichte

Tränen bei Joker Gregoritsch: Österreich schreibt Geschichte

EM-Drama in Kopenhagen: Dänen-Star Eriksen kollabiert

EM-Drama in Kopenhagen: Dänen-Star Eriksen kollabiert

Fußball-EM mit Show vor Italien-Türkei eröffnet

Fußball-EM mit Show vor Italien-Türkei eröffnet

Löw-Stars vor EM: Kroos-Warnung und Sorgen um Hofmann

Löw-Stars vor EM: Kroos-Warnung und Sorgen um Hofmann

Meistgelesene Artikel

Verdener  Gastronom Sven Sottorff querschnittsgelähmt

Verdener Gastronom Sven Sottorff querschnittsgelähmt

Verdener Gastronom Sven Sottorff querschnittsgelähmt
Impfmarathon in der Achimer Moschee

Impfmarathon in der Achimer Moschee

Impfmarathon in der Achimer Moschee
Buss in Ottersberg: Erweiterungskurs Nordost

Buss in Ottersberg: Erweiterungskurs Nordost

Buss in Ottersberg: Erweiterungskurs Nordost
Etelsen: Vergessenes Essen sorgt für Feuerwehreinsatz

Etelsen: Vergessenes Essen sorgt für Feuerwehreinsatz

Etelsen: Vergessenes Essen sorgt für Feuerwehreinsatz

Kommentare