Kreisarchäologin übernimmt Urne mit Knochen eines vor 3000 Jahren Verstorbenen

„Boah, eine Leiche in der Schule“

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Schulleiterin Bärbel Haverkamp (re.) übergibt die Urne mit dem Leichenbrand an Kreisarchäologin Dr. Jutta Precht. Der so genannte Leichenbrand besteht aus Knochenresten des vor 3000 Jahren Verbrannten, die jetzt in einem Plastiksäckchen gesichert wurden. Inge Möcker (Stadt Achim) hält es in den Händen.

Uphusen - Von Manfred Brodt. Die Kinder in der Uphuser Grundschule waren gleich aus dem Häuschen, als sie den Artikel im Achimer Kreisblatt „Sensationeller Urnenfund in Uphuser Grundschule - Reste eines vor 3000 Jahre Verstorbenen“ lasen: „O, boah eine Leiche auf dem Dachboden!“ Gestern übergab Schulleiterin Bärbel Haverkamp den besonderen Fund der Kreisarchäologin Dr. Jutta Precht.

Wie schon im Achimer Kreisblatt berichtet, hatte die Uphuser Schulleiterin beim Stöbern auf dem Speicher zusammen mit dem Cato-Direktor Dr, Stefan Krolle, der Mobiliar für sein Schulmuseum suchte, eine unscheinbare Kiste entdeckt mit einem „Topf“ voller Knochen. Ihnen war sofort klar: „Das muss etwas Besonderes sein“.

Die kontaktierte Kreisarchäologin Jutta Precht sagte sofort präzise, dass das eine Urne aus der Bronzezeit mit dem Leichenbrand eines Mannes ist. Sie hat da keinerlei Zweifel, denn die Eigenart der Urne zeige eindeutig, dass sie aus Ton von Hand hier in diesem Bereich getöpfert worden sei. Schließlich gibt es im Kreis einige weitere solcher Urnenfunde zum Beispiel rund 250 auf einem Urnenfriedhof in Daverden. Der so genannte Leichenbrand besteht aus nicht verwesenden Knochen eines Menschen, die für eine Frau und ein Kind nicht zart und klein genug sind.

Die Kreisarchäologin berichtet, dass es in der Bronze- und frühen Eisenzeit üblich war, Menschen auf dem Scheiterhaufen zu verbrennen und dann in solchen Urnen zur ewigen Ruhe beizusetzen.

In Uphusen hatte man in vergangenen Jahrzehnten gleich zwei Urnenfriedhöfe auf dem ehemaligen Borgward- und heutigen Sapa-Gelände gefunden.

Die Verbrennungsorte mit den Scheiterhaufen kennt man nicht. Sie könnten an Flüssen, zum Beispiel an der Weser, gelegen haben, wo die Spuren am Ufer schnell weggeschwemmt würden.

Wie die Urne mit dem Leichenbrand auf den Dachboden kommt, ist nicht ganz klar.

Die wahrscheinlichste Version ist, dass ein archäologisch sehr engagierter Uphuser Lehrer namens Wickbold, der eine Reihe Urnen ausgegraben und der Kreis-und Landesarchäologie übergeben hatte, sie gesichert in der Holzkiste unter dem Dach der Schule deponiert hatte und nicht mehr dazu kam, sie zu übergeben.

Nach Aussagen eines früheren Schul-Hausmeisters soll man schon in den 50er/60er Jahren von der Urne in der Schule gewusst haben und den Kindern erzählt haben, es handele sich um Hundeknochen. Vielleicht hatten das auch die Erwachsenen geglaubt.

Die Urne mit dem vor rund 3000 Jahren Verstorbenen findet jetzt im Kreisarchiv einen sicheren Platz, und die Kreisarchäologin will mit den Viertklässlern in Uphusen noch über den Toten in der Schule sprechen.

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