Prüfung der Baubehörde

Baustopp für Neubauten in Achim: Arbeiten an einem Haus gehen weiter

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Der Neubau vorne verfügt über zweieinhalb Geschosse und hat damit ein Stockwerk mehr als erlaubt. 

An der Weserstraße in Achim hatte der Landkreis Verden eine Baustelle stillgelegt. Zwei dort hochgezogene Häuser, deren Außenwände und Dächer bereits nahezu fertig dastehen, überschreiten zum Teil deutlich die genehmigten Maße. Nun gibt es wieder grünes Licht für eines der Gebäude.

Update vom 17. Januar: Der von der Baubehörde des Landkreises Verden als zu groß und breit eingestufte Hausneubau an der Weserstraße, Ecke Mühlenfeldstraße, in Achim darf nun doch fertiggebaut werden. „Die Ausmaße dieses Objekts liegen noch im Toleranzbereich, haben Mitarbeiter unserer Behörde festgestellt“, informierte Rolf Thies, stellvertretender Leiter des Bauamts beim Landkreis, am Freitag diese Zeitung. 

Dagegen bleibe der Baustopp für das benachbarte höhere Haus bestehen. Bei diesem Neubau, der sich über zweieinhalb statt der genehmigten eineinhalb Geschosse erstreckt, prüfe die Behörde noch, gebe es noch kein Ergebnis, sagte Thies. Die Baugesellschaft Tönjes und Meichsner als Bauherr der beiden Objekte muss nach seinen Angaben damit rechnen, dass das höhere Gebäude um ein Geschoss zurückgebaut werden muss.

Original-Artikel vom 13. Januar: Achim - Rolf Thies, stellvertretender Leiter des Bauamts beim Landkreis Verden, begründete den verhängten Baustopp am Montag auf Nachfrage dieser Zeitung wie folgt: „Das Haus an der Ecke zur Mühlenfeldstraße ist zu lang und zu breit. Wir checken jetzt, ob Grenzabstände eingehalten worden sind." Einen zweiten, noch gravierenderen Grund schob er gleich hinterher: „Das andere Haus hat zweieinhalb Geschosse und damit ein Stockwerk mehr als erlaubt. Besonders dieses Gebäude weicht erheblich von den Genehmigungen ab.“

Die in Bösel im Landkreis Cloppenburg ansässige Baugesellschaft Tönjes und Meichsner, die in Achim eine Außenstelle betreibt, habe inzwischen Unterlagen für die mit der Baugenehmigung nicht übereinstimmenden Bauausführungen nachgereicht. Das Amt prüfe jetzt, ob diese noch im „Toleranzbereich“ seien oder nicht.

Das Haus an der Ecke zur Mühlenfeldstraße ist nach Angaben des Landkreises zu lang und zu breit gebaut.

Eine Ordnungswidrigkeit stellten die Verstöße in jedem Fall dar, informierte Thies. Die Behörde habe ein Bußgeldverfahren wegen Bauens ohne Baugenehmigung eingeleitet. Der fällige Betrag werde sich voraussichtlich in vierstelliger Höhe bewegen.

Weitergehende Konsequenzen erörterten die Fachleute im Kreishaus. Als härteste Maßnahme könne das Bauamt den Rückbau der Gebäude in Achim anordnen. „Ein Freikauf seitens des Bauherrn ist bei derartigen Verfehlungen nicht möglich“, stellte Thies auf Nachfrage klar. Bei einem ähnlichen Fall in Wildeshausen, hatte die Behörde kürzlich noch eine nachträgliche Baugenehmigung erteilt.

Fehlende Baugenehmigung in Achim: Baugesellschaft schweigt

Das Unternehmen mochte sich zu dem Vorgang bezüglich der Baugenehmigung gegenüber dieser Zeitung nicht äußern. Stephan Tönjes, Chef der Baugesellschaft, verzichtete auf eine Stellungnahme.

Nachbarn sind die empor gewachsenen „Wohnklötze“ bereits seit Wochen ein Dorn im Auge. „Wir haben nichts dagegen, dass auf dem Grundstück gebaut wird, aber solche Kästen? Die sind ja viel größer als die Häuser in der Umgebung“, bemängelt Anwohner Stefan Guttmann.

Die künftigen Bewohner zumindest der oberen Stockwerke der jeweils zwei Doppelhaushälften könnten bestens in seine Wohnung und die seiner Eltern gucken, bemängelt der Mann aus Achim. „Und meine Solaranlage hier auf dem Dach wird aufgrund der hohen Bauten in der Umgebung wohl auch deutlich weniger Sonnenstrahlen einfangen können als bisher“, führt Guttmann weitere Kritikpunkte an und legt im Gespräch mit dieser Zeitung noch nach.

Nachbarn seien kleinere Erweiterungsbauten auf ihren Grundstücken verwehrt worden, sie erhielten keine Baugenehmigung. „Große Firmen dagegen kriegen Sachen durch, bei denen einem die Nackenhaare hochgehen.“

Im Auftrag eines direkten Anwohners der „Riesenhäuser“ habe er beim Landkreis einen Antrag auf Akteneinsicht in der Angelegenheit gestellt, berichtet Guttmann. Er selbst besitze dieses Recht nicht, da er auf der anderen Straßenseite wohne.

Neubau-Nachbar kritisiert Stadt Achim: Nur Amazon im Kopf

Nicht gut zu sprechen ist der Achimer auch auf den Baufachbereich im Rathaus. „Die Stadt scheint sich nur mit den Großvorhaben Achim-West und Amazon zu beschäftigen. Der Rest wird offenbar durchgewunken.“

Ein früherer Eigentümer des Grundstücks, der dort bauen wollte, sei leider ausgebremst worden, teilt Guttmann bedauernd und erzürnt mit. „Der wollte nicht so hohe Kästen errichten.“

Riccardo Schöttler beabsichtigte nach eigenen Angaben, „ein Haus mit fünf Wohneinheiten zu bauen, zehn Meter hoch“. Der Landkreis Verden habe den Neubau jedoch wegen dessen Länge von 19 Metern nicht genehmigt, „maximal 16 Meter waren möglich“. Das Gebäude hätte längst nicht die gesamte Grundstücksfläche ausgefüllt, sagt Schöttler. An der Ecke zur Mühlenfeldstraße seien Parkplätze und Grünanlagen vorgesehen gewesen.

Über die Entwicklung auf dem Areal in Achim, das er an Tönjes und Meichsner verkaufte, schüttelt der verhinderte Bauherr den Kopf. Die Behörden mäßen wohl mit zweierlei Maß. „Ich fühle mich ungerecht behandelt“, sagt Riccardo Schöttler. „Ich hatte das alte Haus auf dem Grundstück abreißen lassen und bin auch auf den Planungskosten sitzen geblieben.“

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