Das Krähenurteil liegt im Wortlaut vor / Initiative am Oertel siegt auf ganzer Linie

Akustische Vergrämung vor Brutzeit ist nicht verboten

Achim - Etwas Feierstimmung kommt bei Klaus Barfuß und seinen Mitstreitern auf, als sie jetzt die schriftlichen Urteile mit Begründungen des Oberverwaltungsgerichtes Lüneburg zum Berufungsprozess in den Händen halten, nach denen sie am Oertel in Uesen ihre hundertfach vorhandenen Nachbarn, die Saatkrähen, durch akustische Maßnahmen vertreiben dürfen. Nach sieben Jahren Prozessiererei gegen die Naturschutzbehörde des Landkreises Verden Sieg auf der ganzen Linie und eine schallende Ohrfeige für die Vorinstanz, das Verwaltungsgericht Stade.

Die Oberverwaltungsrichter haben den Verwaltungsrichtern und auch dem Kreis ins Stammbuch geschrieben, dass sie nicht berechtigt gewesen seien, nach dem Bundesnaturschutzgesetz die Vergrämung mit dem Lärm einer Krähenklappe oder den per Megaphon verstärkten Rufen eines Greifvogels zu verbieten. Nach dem Bundesnaturschutzgesetz sei es nur verboten, „wild lebende Tiere der streng geschützten Arten und der europäischen Vogelarten während der Fortpflanzungs-, Aufzucht-, Mauser-, Überwinterungs- und Wanderungszeiten erheblich zu stören“ und insbesondere „die Fortpflanzungsstätten oder Ruhestätten der Tiere aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören“.

Nester, Eier zerstören und entnehmen oder die schwarzen Vögel verletzen wollen Barfuß und Co, die die krächzenden, kotenden und sehr intelligenten Krähen ansonsten durchaus faszinierend finden, nicht. Sie wollen sie nur vor der Eiablage und der Brutzeit akustisch vertreiben.

Das stellt nach Einschätzung des Oberverwaltungsgerichtes keine erhebliche Störung im Sinne des Gesetzes dar, denn die durchaus vorhandene lokale Population im Oertel solle nur halbiert werden auf eine Größe, die auch die meisten sonstigen niedersächsischen Krähenkolonien hätten.

Von einer „Verschlechterung des Erhaltungszustandes“ dieser Population könne auch keine Rede sein, denn sie könne in andere Habitate im Süden ausweichen an der Hünenburg und in Thedinghausen mit den von ihnen geschätzten Eichen und Birken.

Die Ablage und das Ausbrüten der Eier könnten auch verspätet und in neuen Nestern nachgeholt werden. Durch in Tochterkolonien dann fehlenden Konkurrenzkampf um die Nester und erhöhte Fruchtbarkeit in folgenden Jahren könne die vorübergehende zahlenmäßige Dezimierung des Nachwuchses an einem Ort ausgeglichen werden.

Schon gar nicht wird nach Einschätzung des Gerichtes die Art an sich durch diese Vergrämung ausgerottet, denn im Norden Achims gebe es noch mehrere Krähenpopulationen, die von ihren Nahrungsquellen und ihren Aktionsradien nichts mit denen am Oertel zu tun hätten.

Die Richter in Lüneburg sehen anders als die Stader Vorinstanz in der Anbringung und Betätigung der Krähenklappe an Bäumen auch keine „Beschädigung der Fortpflanzungsstätten“. Kein Nest werde beschädigt, kein Vogel verletzt.

Schließlich wischt das Oberverwaltungsgericht auch die Behauptung vom Tisch, diese akustische Vergrämung verstoße gegen europäisches Recht.

Sie werfen dem Stader Gericht vor, es habe sich nur auf einen rechtlich völlig unverbindlichen Leitfaden einer EU-Dienststelle gestützt.

Da das Oberverwaltungsgericht Lüneburg keine Revision zugelassen hat, ist das Urteil richtungsweisend für viele andere ähnlich gelagerte Fälle auch andernorts.

mb

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