Polizei ermittelt

Krähenmord in Achim-Nord?

Deutlich zu sehen ist auf diesem Röntgenbild des in Achim gefundenen Krähenkörpers das Projektil.

Achim - Von Lisa Duncan. Ihre durchdringenden, heiseren Stimmen und ihre Kot-Hinterlassenschaften bringen ihnen seit Jahren Kritik in Achim ein. Und gerade dort, wo sie sich geballt zusammenrotten, würden die Anwohner lieber auf die Nachbarschaft mit Krähen verzichten.

Nachdem auf Antrag der CDU-Fraktion im Stadtrat eine Kolonie dieser Vögel im Magdeburger Viertel fast vollständig vergrämt wurde, ereignete sich nun vermutlich ein Fall von Selbstjustiz: An der Dresdener Straße hat der Verein „Tierhilfe Achim“ eine Krähe tot aufgefunden. Und Röntgenbilder zeigen, dass im Vogelkadaver ein Projektil feststeckt. Der Sektionsbericht des Veterinäramtes steht indes noch aus.

„Am 21. Mai hat man uns über eine verletzte Krähe unweit der Dresdener Straße informiert“, berichtet Melanie Windolf, Gründerin und erste Vorsitzende der „Tierhilfe Achim“. In der Tierklinik Posthausen unterzog der Verein das Tier einer Röntgenuntersuchung. Wie die Aufnahmen zeigten, steckte im Krähenkörper ein Diabolo-Projektil für gängige Luftwaffen. Für den Vogel das Todesurteil: „Das Tier musste aufgrund der schweren Verletzungen erlöst werden“, so Windolf.

So fand die „Tierhilfe Achim“ die Krähe vor rund einer Woche tot im Gras nahe der Dresdener Straße.

Die Tierhilfe zeigte den Fall sofort bei der Polizei an. Straftatbestand ist das, was man landläufig unter „Tierquälerei“ versteht. In § 17 des Tierschutzgesetzes heißt es: „Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer 1. ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund tötet oder 2. einem Wirbeltier a) aus Rohheit erhebliche Schmerzen oder Leiden oder b) länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt.“ Zudem stehen Krähen unter Naturschutz, das heißt, gemäß des Bundesnaturschutzgesetzes ist es verboten, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten.

Parallel informierte die Tierhilfe Achim das Veterinäramt des Landkreises Verden. Dr. Christine Hoyer vom Fachdienst Veterinärdienst und Verbraucherschutz hat den Krähenkadaver samt Röntgenbildern Mittwoch Früh in Posthausen abgeholt. Zur Sektion (wie man die Obduktion bei Tieren nennt) ist der Rabenvogel ins Veterinärinstitut Hannover geschickt worden. „Wir haben Hinweise, aber wir müssen den Sektionsbefund abwarten“, betont Hoyer. Ein Ergebnis werde ab Mitte nächster Woche erwartet.

Mal abgesehen davon, dass die Krähenkolonien in Achim seit langem ein Politikum darstellen, verurteilt Bürgermeister Rainer Ditzfeld die Tat. „Wir müssen uns an gesetzliche Vorgaben halten. Für Vergrämung und alles weitere ist die untere Naturschutzbehörde zuständig“, so der Verwaltungschef.

Die Tierhilfe Achim will sich nicht zu Krähen-Lobbyisten aufschwingen, Windolf betont aber: „Als Tierschutzverein können wir keinen Unterschied zwischen den einzelnen Tierarten machen.“

Laut Melanie Windolf ist es allerdings nicht der erste Fall dieser Art. Sie spricht von einer „beispiellosen Serie von Krähentötungen im Gebiet rund um Achim“: Innerhalb von zwei Wochen seien rund acht geschützte Krähen abgeschossen oder erschlagen aufgefunden worden. Weitere acht tote Rabenvögel wiesen keine offensichtlichen Verletzungen auf.

Zumeist nur Zufallsfunde

Die toten Tiere seien meist in unmittelbarer Nähe zu Wohnhäusern gefunden worden. „Ob jagdliche Interessen hier als Motiv eine Rolle spielen, muss die Polizei noch ermitteln“, erklärt Windolf. Da es sich hier fast ausschließlich um Zufallsfunde handelt, geht die Tierhilfe Achim zudem von einer sehr hohen Dunkelziffer aus. Aktuell ergaben sich auch in Mahndorf Hinweise auf eine Krähentötung. Dort ist allerdings das Veterinäramt des Landes Bremen zuständig, erklärt Veterinärin Dr. Christine Hoyer.

Eine Serie von Krähentötungen ist zumindest der Polizei Achim „nicht bekannt“. Laut Polizeipressesprecher Boris Koch ist es der erste Fall dieser Art. Die Polizei grenzt die Straftat auf rund zwölf Stunden, in der Nacht vom 20. auf den 21. Mai, ein. Dieser relativ lange Zeitraum erschwere die Ermittlungen. 

„Aber wenn es einen Beschuldigten gibt, hat er, auch wenn es sich um einen Erstverstoß handelt, mindestens eine saftige Geldstrafe zu erwarten“, so Koch. Zeugenhinweise erbittet die Polizei unter Tel. 04202/9960. Darüber hinaus kann man sich auch an die Tierhilfe Achim unter Tel. 0175/6003592 oder per E-Mail an melanie.windolf@tierhilfe-achim.de wenden.

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