CDU-Politiker beim Ortstermin mit Anwohnern

Krähen breiten sich in Achim-Nord aus

Jäger Christian Marquardt nimmt eine Krähenkolonie an der Kreuzung Borsteler Landstraße ins Visier.
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Geschützte Saatkrähen oder Rabenkrähen? Jäger Christian Marquardt nimmt eine Krähenkolonie an der Kreuzung Borsteler Landstraße ins Visier.

Achim – Die seit Jahren in Achim bestehenden Krähenkolonien konzentrieren sich aktuell in Achim-Nord. Besonders an der Borsteler Landstraße und der Friedrichstraße reagieren die Anwohner zunehmend genervt auf ihre krächzenden und Kot verteilenden Nachbarn im schwarzen Federkleid. Doch auf Beschwerden bei der Stadtverwaltung erhielten sie bislang keine Antwort. Der CDU-Stadtverband will das Krähenproblem anpacken und traf sich nun zum Ortstermin mit Anwohnern.

Anlass des Treffens: Rüdiger Dürr, ehemaliger Vorsitzender des CDU-Stadtverbands, erhielt einen Anruf im Namen aller Nachbarn an der Borsteler Landstraße. Dürrs jahrelanges Engagement in Sachen Krähenproblematik veranlasste die Gemeinschaft zu dem Appell. 15 bis 18 Krähennester zählten sie in diesem Jahr bereits. Das Problem: Es handelt sich dabei um die Saatkrähe, und diese Art steht unter Naturschutz. Eine Bejagung ist daher strengstens verboten, höchstens eine Umsiedlung der Krähenkolonien durch Vergrämung wäre möglich.

„Das ist ein schützenswerter Vogel, der in Wohngebieten aber zur Plage werden kann“, sagt Werner Hettenhausen, Anwohner der Friedrichstraße. „Eine Lösung haben wir auch nicht, vielleicht müsste man da gesetzlich ansetzen.“ Besonders der Kot, den die Tiere überall in ihrem Siedlungsbereich verteilen, stelle eine Belastung dar: „Wenn ich aus meinem Auto aussteige, muss ich aufpassen, dass ich nicht vollgeschietert werden“, schildert eine Anwohnerin der Borsteler Landstraße. Ganz zu schweigen von den Kosten für die Waschanlage, wenn das Autodach fast täglich mit einer weißlichen Schicht überzogen werde. Auch der Lärm sei unerträglich: „Trotz Hitze können wir im Sommer kein Fenster auflassen.“ Gespräche mit Gästen kreisten nur um dieses Thema. „Die Saatkrähe ist eine geschützte Art. Aber mittlerweile betrifft das Problem gefühlt sehr viele Achimer. Wo ist der Schutz für die Menschen?“, meint ein weiterer Leidtragender.

Anwohner der Borsteler Landstraße im Dialog mit Vertretern des CDU-Stadtverbands: Bürgermeisterkandidatin Dr. Nadine Fischer, Martin Puls und Rüdiger Dürr (v.l.).

Seitens der Achimer Stadtverwaltung kam laut Anwohnern die Rückmeldung, dass derzeit ein Krähenkonzept erarbeitet werde. Bürgermeister Rainer Ditzfeld habe bislang nicht auf Anfragen reagiert. „Wir versuchen, seit Jahren Einfluss zu nehmen, aber es passiert nichts“, sagt der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Martin Puls.

Rüdiger Dürr zufolge gibt es gegen die Quälgeister kaum wirksame Methoden: Bäume kürzen, einen Falkner einsetzen, mit der Krähenklappe vergrämen oder „im Herbst die Nester beseitigen und aufpassen, dass keine neuen kommen“. Auf Dürrs Initiative hin wurden 2015 im Bereich der Kita Achimer Schlaumäuse Bäume gefällt, woraufhin die Krähen umsiedelten: „Mein einziger Erfolg“, stellt der Achimer schmunzelnd fest.

Als Experten hatten die Kommunalpolitiker auch Jäger Christian Marquardt eingeladen, der nach einem prüfenden Blick durch sein Fernglas feststellte: „Das sind Saatkrähen.“ Also: Keine Bejagung, auch nicht im Außenbereich und auch nicht unter Einsatz eines Falkners, betont Marquardt. „Wir werden in den nächsten Monaten überlegen, wie und wo es sinnvoll wäre, einen Antrag zu stellen: bei der Stadtverwaltung, der Landes- oder Bundesregierung“, sagt Dürr, der auch Kontakt zu einer Europaabgeordneten aufnehmen will, um die Möglichkeiten des EU-Rechts zu klären.

Alles weiß überzogen: Mit Krähenkot verschmutzter Wagen an der Friedrichstraße, nachdem er drei Stunden dort gestanden hat.

Laut der Achimer Naturschutzbund-Vorsitzenden Lisa Beulshausen hat sich die Krähenpopulation in Achim seit 2013 nicht vermehrt, sondern sei Schwankungen unterworfen: „2021 haben wir 980 Krähen gezählt, 2016/17 waren es über 1000.“ Vor der Baumfällung und Vergrämung an der Schlaumäuse-Kita 2015 seien es im Bereich Borsteler Landstraße mehr gewesen. Über die Krähenproblematik stehe der Nabu regelmäßig im Gespräch mit der Stadtverwaltung.

Vergrämung stellt laut Beulshausen oft nur eine Verschiebung des Problems dar und sei schon gar nicht im Frühjahr anzuwenden: „Würde man sie jetzt vergrämen, würden sie sich stärker vermehren. Wenn ihnen der Lebensraum entzogen wird, produzieren sie nach.“ Beulshausen verweist auf eine verpasste Chance: „Leider übernimmt Bürgermeister Ditzfeld nicht den konstruktiven Vorschlag von Herrn Dürr, die Krähen unter geeigneten Voraussetzungen umzusiedeln. Hätte man schon 2001 schnellwüchsige Pappeln gepflanzt, könnten dort heute oder zumindest in absehbarer Zeit die Saatkrähen angesiedelt werden.“ Eine Umsiedlung könne durch Anfütterung erfolgreich sein. „Da braucht es keinen Falkner, aber durchaus ein paar halb fertige Nester.“ In der Zwischenzeit könne die Stadt den Bürgern entgegenkommen: „Durch Kot stark verschmutzte Örtlichkeiten könnten immer mal mit einem kräftigen Wasserstrahl, vielleicht als Feuerwehrübung, gereinigt werden.“

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