Vogel quälte sich vor Einschläferung

Befund über erschossene Krähe in Achim-Nord liegt vor

Krähe in der Klinik.

Achim - Die erschossene Krähe, die Ende Mai vom Verein „Tierhilfe Achim“ in Achim-Nord gefunden wurde, hat sich vor der Einschläferung in einer Tierklinik erheblich gequält. So lautet das Ergebnis der Sektion beim Veterinärinstitut Hannover. „Die Jung-Krähe wurde offenbar im Flug getroffen“, erklärt Tierärztin Dr. Christine Hoyer vom Veterinäramt des Landkreises Verden auf Nachfrage unserer Zeitung.

Doch damit nicht genug: Durch den Sturz auf den Boden erlitt der Vogel offenbar weitere Verletzungen. Konkret sind das mehrere Brüche im Bereich des Schultergürtels, so Dr. Christine Hoyer. Dies alles habe dem Tier „erhebliche länger andauernde Schmerzen“ zugefügt und war „mit maximalem psychischen Stress verbunden“. 

Das weise auf einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz nach §17 StGB hin. Sofern sich ein Täter ermitteln lasse, müsse das Gericht den Fall auf Rohheit prüfen. Ein enstprechendes Gutachten würden Hoyer und die Tierärztin aus Hannover, die die Sektion vorgenommen hat, gegebenenfalls übernehmen. Die Sache hat nur einen Haken: „Den Täter zu finden, wird schwierig“, räumt Christine Hoyer ein.

In der Tat liegen der Polizei bislang keine Zeugenhinweise vor. „Es gibt keinen neuen Sachstand“, teilt Helge Cassens, Pressesprecher der Polizeiinspektion Verden/Osterholz mit. Immerhin entfernte das Institut bei der Untersuchung ein Diabolo-Geschoss aus dem Tierkadaver – und bestätigte damit, was bereits die Röntgenbilder nahelegten. „Munition ist eine objektive Spur, das ist viel besser als subjektive Zeugenaussagen“, so Cassens. Doch ohne Tatverdächtigen könne man kaum weiter ermitteln.

Nicht alle Waffen sind registriert

Diese Art Projektil finden sich nach Angaben der Unteren Jagdbehörde des Landkreises Verden in Luftgewehren, Luftpistolen oder CO2-Waffen. Aber sind die Träger solcher Waffen irgendwo namentlich registriert? „Eine Geschossenergie von 7,5 Joule ist die Grenze für Waffen. Alles, was darunter liegt, ist zulassungsfrei“, erklärt Frauke Hans von der Unteren Jagdbehörde. 

Wer eine Schreckschusspistole mit dieser Wucht führt, benötigt einen kleinen Waffenschein, sofern der Träger sie außerhalb seines Grundstücks abfeuern möchte. Träger von Luftgewehren haben automatisch eine Zulassung, wenn sie Jäger oder Sportschützen sind. Einen kleinen Waffenschein beantragen kann praktisch jeder. Verweigert werde die Zulassung nur vorbestraften oder anderweitig polizeilich auffällig gewordenen Personen.

Keine weiteren Vögel gefunden 

Auch wenn bisher kein Verdächtiger gefunden wurde, atmet Melanie Windolf von der Tierhilfe Achim auf: „Die ‘Serie’ ist anscheinend abgebrochen, sicher auch aufgrund der Berichterstattung in der Presse.“ Zwischenzeitlich hatte sich die Zahl an toten Krähen, die mutmaßlich erschossen wurden, auf insgesamt 19 erhöht. 

„Die Vermutung liegt in diesen Fällen nahe, denn gesunde Tiere fallen nicht vom Himmel“, erläutert Windolf. Falls der Schuldige gefunden werden sollte, müsse er, neben seiner Strafe auch die Kosten für die Untersuchungen des Vogelkadavers übernehmen. Die Tierhilfe selbst zahlte nur einen kleinen Betrag, den Rest übernahm die Behörde.

An das nächste Jahr zur Vogelbrutzeit möchte Windolf indes gar nicht denken: „Ich hoffe, wir sind dann besser vorbereitet“ – und meint damit (rechtlich abgesicherten) Kamera-Einsatz oder andere Vorsichtsmaßnahmen, die helfen könnten, die Tierquälerei zu verhindern. - ldu

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