Konzern- und Schalke-Boss Clemens Tönnies beim Achimer Rotary-Club zu Gast

Fleisch und Fußball – zwei mächtige Leidenschaften

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Rotary-Präsident Max Kausche (l.) und Clubmaster Henning Struckmann (r.) überreichten Clemens Tönnies 1500 Euro für die „Aktion Kinderträume“. Der Verein mit Tönnies-Ehefrau Margit als Schirmherrin unterstützt sozial Benachteiligte.

Achim - Von Michael Mix. „Es ist der verrückteste Verein, aber auch der emotionalste“, charakterisierte Clemens Tönnies den FC Schalke 04. Seit 2001 gibt er dort als Vorsitzender des Aufsichtsrates die Richtung vor. Aber der 59-Jährige ist nicht nur Schalke-Boss, sondern auch Geschäftsführer der Tönnies-Gruppe, einem der führenden Fleischproduzenten Europas. Am Montagabend war Clemens Tönnies beim Rotary-Club Achim zu Gast.

An den blau-weiß eingedeckten Tischen im Gasthaus „Weserterrassen“ am Badener Berg blieb kein Platz frei. Zum Clubabend mit dem prominenten Unternehmer und Sportfunktionär begrüßte der Achimer Rotary-Präsident Max Kausche auch Gäste der Clubs Oyten, Verden und Rotenburg. Alle warteten gespannt, und mit einer halben Stunde Verspätung traf Tönnies dann ein.

Kausche freute sich sichtlich, dass sein ehemaliger Chef seine Zusage, mal nach Achim zu kommen, wahr gemacht hatte. Denn der Rotarier arbeitete bis zu seinem Ruhestand in leitender Position bei der Bremer Wurstfabrik Könecke, die inzwischen zur wachsenden Tönnies-Gruppe gehört.

Fleisch und Fußball – der Westfale mit Wohnsitz am Ort der Firmenzentrale in Rheda-Wiedenbrück managt Unternehmen in höchst unterschiedlichen Branchen, gilt hier wie dort durchaus als Reizfigur. „Clemens Tönnies wird über seine zwei Leidenschaften sprechen“, versprach Kausche den Rotariern.

Der betont seriös auftretende Geschäftsmann, der vom Aussehen mit seinen dunklen Haaren und markanter Brille an den jungen Bundeskanzler Helmut Kohl erinnert, nicht jedoch von der Statur her, begann mit dem Bereich seiner Berufswelt, der ihn groß gemacht hat. „Fleischverarbeitung ist heute nicht so ganz einfach“, bekannte Tönnies, dessen Vermögen das US-Magazin „Forbes“ auf rund zwei Milliarden Euro schätzt. Wer sich als Steakesser bekenne, werde doch in gesellschaftlichen Debatten als „schlechterer Mensch“ gebrandmarkt. Dabei verputzten die Spanier mit durchschnittlich 120 Kilo pro Jahr doppelt so viel Fleisch wie die Deutschen.

Weil nur der Erfolg habe, „der berechtigte Fragen der Verbraucher beantwortet“, lege der Konzern, den er 1971 zusammen mit seinem Bruder Bernd gegründet hat, auf die Haltungsbedingungen des Schlachtviehs und Verarbeitungsstandards großen Wert. Tönnies nannte die „Initiative Tierwohl“. Da sei es gelungen, die Land- und die Fleischwirtschaft, den Einzelhandel und kritische Nichtregierungsorganisationen an einen Tisch zu bringen. Daraus resultiere zum Beispiel, dass Schweine täglich zwei Stunden mit beruhigender Panflötenmusik beschallt würden.

Tönnies sprach auch von der „sozialen Verantwortung“ für die 6500 Mitarbeiter. Für die gelte nicht nur der Mindestlohn, auch einen Betriebskindergarten und ein „kleines Stadion mit 5000 Zuschauerplätzen“ habe er für die Beschäftigten bauen lassen.

Die Schalke-Arena fasst noch ein paar mehr Besucher und ist fast immer ausverkauft. Viele Menschen hätten im wirtschaftsschwachen Ruhrpott nichts anderes als S04, sagte Tönnies. „Ein Stehplatz kostet bei uns auch nur 15 Euro.“

Die Identifikation mit dem Verein, dessen Wurzeln im Gelsenkirchener Bergbau lägen und der bis heute für „ehrliche Maloche“ stehe, sei riesig, weltweit. Allein in Deutschland gebe es 1600 Schalke-Fanklubs. Und das trotz des ewigen Wartens auf den ersehnten Titel. „Die letzte Meisterschaft habe ich erlebt – da war ich zwei Jahre alt“, witzelte Clemens Tönnies, Jahrgang 1956.

Fragen zu Ursachen für die aus Schalker Sicht enttäuschende vergangene Saison wehrte der Gast ab. „Wir haben am Schluss schlecht gespielt und die Champions League verpasst“, äußerte er lediglich – „und was ist beim HSV?“

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