Tiergestützte Pädagogik mit Hühnern in Kita Bierden

Ei kommt nicht aus Supermarkt

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Für eine Woche hat Ralf-Wigand Usbeck an der Lebenshilfe-Kita in Bierden ein Freigehege für fünf Hühner aufgebaut. Unbefugte hätten da drin nichts zu suchen, zeigen die selbstgemalten Schilder der Kinder an. Dahinter stehen die jungen Pädagoginnen.

Achim - Hühner scharren, picken und gackern auf dem Außengelände der Lebenshilfe-Kindertagesstätte an der Bremer Straße in Achim-Bierden. Kleine Mädchen und Jungen reichen ihnen Futter. Für die Froschgruppe ist „tiergestützte Pädagogik“ angesagt, erklärt Fachkraft Jacqueline Buchholz.

Der ungewöhnliche Einsatz von Hühnern in einer Kita geht auf drei junge Frauen zurück, die die Fachschule Sozialpädagogik an den Berufsbildenden Schulen in Verden besuchen. Die angehenden Erzieherinnen Mascha Glaß, Alexandra Krüger und Lina Wolters standen vor der Aufgabe, für ihre praktische Prüfung ein Projekt auf die Beine zu stellen. „Es sollte was mit Tieren sein, aber wir haben ja alle keine zu Hause“, berichtet Glaß. „Eine Klassenkameradin schlug uns dann vor, macht doch was mit Hühnern.“

Und da kam das Trio schnell auf Ralf-Wigand Usbeck. Er hält in Achim-Borstel nicht nur Rassehühner, sondern geht mit ihnen auch in halb Norddeutschland auf Reisen. Wochenweise erfreut das Federvieh Bewohner von Altenheimen, Schul- und Kindergartenkinder. „Die fünf Hennen hier sind zahm, fressen den Kindern aus der Hand, und ich bringe Futter, Stall und Zaun mit“, benennt Usbeck sein „Servicepaket“.

Mit der Projektidee stießen die Fachschülerinnen in der Kita auf offene Ohren. Die 16 Kinder im Brückenjahr, also im Übergang zur Schule, „sollen lernen, Verantwortung zu übernehmen, für sich, für andere Menschen, aber eben auch für Tiere“, erläutert Sozialpädagogin Buchholz. „Die Hühner gehören jetzt zu unserer Tagesstruktur dazu.“

Vom Frühstück zweige jedes Kind etwas für die „Flotte Berta“ oder die weiße Henne „Frau Holle“ ab, Brotkrümel etwa oder Obststücke. „Besonders gerne fressen sie Bananen“, hat Glaß beobachtet. Manchmal dauere es etwas länger, bis das Futter aus der Hand gepickt werde, sagt Buchholz, die Fünfjährigen müssten sich eben auch in Geduld üben.

„Wir machen mit den Kindern auch den Stall sauber, füllen Wasser in der Stülptränke nach“, ergänzt Krüger. Und im Forscherraum der Kita hätten sie die schönen bunten Federn eingehend betrachtet und festgestellt, dass diese „wunderbar fliegen“, erzählt Wolters.

Wenn die Kinder ein warmes Ei aus dem Nest nehmen, sei das ein besonderes Erlebnis. Dabei, weiß Buchholz, stelle sich für nicht wenige ein Lerneffekt ein: „Ah, das Ei stammt gar nicht aus dem Supermarkt.“

mm

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