Carlos Morgado ist neuer Integrationsmanager / Studierter Brasilianer mit vielen Erfahrungen

„Komme selbst aus einer Migrantenfamilie“

Carlos Morgado, der aus Rio de Janeiro stammt, an seinem Schreibtisch im Rathaus. Foto: mix

Achim - Von Michael Mix. Migration ist für Carlos Morgado alles andere als ein Fremdwort. Der 30-jährige Brasilianer hat familiäre Wurzeln in Portugal, lebt in Deutschland, kümmerte sich in Uganda um Flüchtlinge. In seiner Heimatstadt Rio de Janeiro studierte er Sozialwissenschaften mit dem Schwerpunkt internationale Beziehungen und machte an der Uni Oldenburg seinen Master rund um das Thema Migration. Seit Beginn dieses Jahres arbeitet der junge Kosmopolit als Integrationsmanager bei der Stadt Achim.

„Ich hatte mich auf die Stelle beworben und es hat geklappt“, freut sich Morgado im Gespräch mit dieser Zeitung in seinem Dienstzimmer im Rathaus. Der Job war begehrt. „Es gab Mitbewerber“ für den Posten, den Andrea Wessel nach eineinhalbjähriger Tätigkeit aufgegeben hatte. Seine Aufgabe ist es nun, den „schätzungsweise 500 bis 700 Flüchtlingen, die seit 2015 nach Achim gekommen und hier geblieben sind“, bei der Eingliederung in die Gesellschaft zu helfen.

Dafür scheint Carlos Morgado mit seinen vielfältigen Erfahrungen und Sprachkenntnissen bestens geeignet zu sein. Er spricht nicht nur fließend Portugiesisch, Deutsch und Englisch, sondern „auch etwas Französisch und Spanisch, und auf Arabisch bekomme ich zumindest eine Begrüßung hin“.

Weil seine Großeltern mütterlicherseits aus der Nähe von Porto stammen, hat der junge Mann neben der brasilianischen auch die portugiesische Staatsbürgerschaft. „Ich komme selbst aus einer Migrantenfamilie“, sagt er.

Dass er nach seinem Bachelor-Studium in Rio und einem anschließenden Job in einer Software-Firma der brasilianischen Metropole den Rücken kehrte und in Norddeutschland landete, hat er seiner Frau zu verdanken. „Ich wollte eigentlich nach Argentinien gehen. Aber De Lira war als Austauschschülerin ein Jahr lang bei einer Familie in Hepstedt im Kreis Rotenburg zu Gast gewesen, und es gab dann auch Gegenbesuche in Rio.“ So sei er auf die Idee gekommen, an der Uni in Bremen einen Master-Studiengang zu belegen. Das klappte zwar nicht, aber dennoch siedelte sich die junge Familie, zu der inzwischen der dreijährige Sohn Valentim („mit m hinten, das ist die portugiesische Schreibweise“) gehört, in der Hansestadt an. Anders als in seiner Heimat, wo der rechtsgerichtete Präsident Jair Bolsonaro „viel Unheil“ anrichte, herrsche in Bremen und andernorts hierzulande zum Glück ein eher liberales Klima. Zudem ging es für das Paar auch beruflich voran.

Über das Erasmus-Programm der EU bekam Carlos Morgado ein Stipendium für ein Master-Studium in Oldenburg, wo er sich mit Migration und interkulturellen Beziehungen näher befasste. Unterdessen erweiterte De Lira, „eine Malerin“, an der Hochschule für Künste im Sozialen in Ottersberg die Kenntnisse in ihrem Metier. „Sie ist jetzt als Kunsttherapeutin und Erzieherin tätig.“

Während des Studiums legte Morgado ein halbjähriges Praktikum in Uganda ein und arbeitete in dem ostafrikanischen Land für das Uno-Flüchtlingshilfswerk. Zusammem mit seiner Frau startete er in einem Camp mit Kindern und Jugendlichen ein Projekt unter dem Titel „Kunst und Migration“.

2015, mit Beginn der sogenannten Flüchtlingskrise, stieg Carlos Morgado bei der Caritas in Bremen ein. Der Brasilianer betreute vier Jahre unbegleitete Minderjährige, auch bei der Jugendhilfe und beim Verein Fluchtraum mischte er mit.

Bei seiner neuen Stelle in Achim wolle er nicht nur auf seinen praktischen Erfahrungsschatz zurückgreifen, sondern auch sein „erworbenes theoretisches Wissen einbringen. Ich glaube, es ist möglich, die Aufgabe kreativ zu gestalten und Flüchtlingen Teilhabe zu verschaffen.“

Er spreche mit vielen Leuten und sammele Ideen für Projekte. „Als erstes will ich einen Sprachkurs für Frauen mit Kinderbetreuung anbieten.“ Auch wolle er die Kontakte zu den Bildungsträgern intensivieren, kündigt der Integrationsmanager an. „Es ist wichtig, Frauen und Kinder noch besser zu erreichen.“

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