Körperverletzungs-Freispruch für 33-Jährigen

Sie ohrfeigt, er packt sie am Hals

„Wie aus den Nichts“ habe seine ehemalige Lebensgefährtin ihm heftig „eine geschmiert“, als er in ihrer Rieder Wohnung noch im Schreibtisch nach Unterlagen suchte.

„Hast Du ’ne Macke?“ habe er verdutzt gefragt und eine zweite Ohrfeige bekommen. Als sie zur dritten ausholte, habe er die Frau mit gestreckter Hand von sich weggeschoben, in Richtung Schlafzimmer gedrängt und gegen ein Hochbett gedrückt. Dann habe er die Schlafzimmertür hinter sich geschlossen und wenig später das Haus verlassen. Ein Nachbar war durch die Schreierei am Morgen jenes 20. Februar 2015 schon aufmerksam geworden, kam in die Wohnung und fragte besorgt, was denn hier los sei.

So schilderte der in Hamburg geborene 33-jährige Angeklagte im Achimer Amtsgericht die Ereignisse aus seiner Sicht. Seine Ex-Partnerin hatte ihn wegen Körperverletzung angezeigt.

Das Verfahren endete mit Freispruch, den sogar die Vertreterin der Staatsan- waltschaft gefordert hatte.

Die als Zeugin geladene 32-jährige Ex des Angeklagten hatte sich auch nach Einschätzung von Richter Matthias Hahn in Widersprüche verwickelt. So sprach sie jetzt von einem Faustschlag, den ihr der Mann noch verpasst habe. Bei der Polizei hatte sie kurze Zeit nach der Auseinandersetzung davon nichts erwähnt.

Ein als Zeugin geladene Polizisten, die damals mit im Einsatz war, erinnerte sich, nur leichte Rötungen am Hals der Frau und keine weiteren Verletzungen festgestellt zu haben. Ein ärztliches Attest gibt es nicht.

Klar ist, dass das Paar sich in der heißen Phase der Trennung befand und auch per SMS nicht gerade Freundlichkeiten austauschte. Er hatte bereits eine neue Partnerin, was zusätzlich das Klima verschärfte.

Die 32-Jährige hatte ihn gebeten, am besagten Tag auf die Kinder aufzupassen, weil sie einiges „auf dem Amt“ zu erledigen habe. Der andere habe jedoch lange nicht reagiert, so dass sie ihm mitteilte, sie werde sich nun um alles selbst kümmern, nehme die Kinder mit zum Amt und brauche ihn nicht mehr.

Plötzlich habe der einstige Partner dann doch morgens um 9 Uhr in der Tür gestanden, und die Auseinandersetzungen begannen. Sie habe ihn schnell des Hauses verwiesen und nach eigener Aussage „gebrüllt wie am Spieß, als er mich am Hals packte“.

Der Angeklagte betonte, dass er die Frau mit dem Hinweis, den lauten Streit bitte nicht vor den Kindern auszutragen, habe beruhigen wollen. Die Tochter habe sich sogar zwischen ihre Eltern gestellt und sie angefleht, endlich mit der Schreierei aufzuhören.

Handy-Protokolle belegten, dass der Mann auf die Bitte seiner Frau beinahe umgehend reagiert und sofort zugesagt habe, die Kinder zu beaufsichtigen.

Auch dies verstärkte die Zweifel des Gerichts an der Glaubwürdigkeit der 32-Jährigen und deren Darstellung des Geschehens. Also war Freispruch die logische Konsequenz.

la

Rubriklistenbild: © dpa

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