Klaus Barfuß’ 15. Wanderung nördlich des Polarkreises 

Auf dem Königsweg mit der Natur seine Kräfte messen

Klaus Barfuß auf Spezialskiern mit seiner Pulka, seinem Gepäckschlitten, unterwegs in der einzigartigen Schneelandschaft nördlich des Polarkreises kurz vor Frühlingsanfang.

Achim   - Klaus Barfuß (75) ist ein bescheidener und zugleich bemerkenswerter Mann. Er ist nicht nur der, der die Krähenklappe erfunden und nach jahrelangen Prozessen gegen den Kreis durchgesetzt hat, sondern hat auch ein besonderes Hobby: Wandern nördlich des Polarkreises.

Jetzt war es wieder einmal soweit, schon zum 15. Mal. Der Achimer machte sich mit seinem Münchener Freund, Peters Gerd, auf den Weg in die nördlichsten Gefilde der Welt. Mit dem Flugzeug nach Stockholm, von dort noch einmal 1000 Kilometer nördlich mit der Bahn bis Abisko in Schweden an der Grenze zu Norwegen, 200 Kilometer nördlich des Polarkreises. Eine Wegstrecke ab Achim von 2500 Kilometern Richtung Norden.

Ein einsames Bäumchen versucht sich zu behaupten, in einer unwirtlichenUmgebung.

Bei früheren Touren war er auch bis Narvik gefahren, den norwegischen Ort, den Hitlers Truppen, einen Tag vor Barfuß’ Geburtstag, am 7. April 1940 besetzt hatten auch, um an Eisenerzvorkommen zu gelangen. Es ist eine Gegend, in der am 21. Juni die Sonne nicht mehr untergeht und am 21. Dezember erst gar nicht aufgeht. Klaus Barfuß wandert am liebsten im März, denn dann ist es lange hell. Am 21. März gibt es auf allen Punkten der Welt bis zu zwölf Sonnenstunden. Die klimatischen Bedingungen sind dann fürs Wandern nördlich des Polarkreises geeignet. Das heißt: Zehn bis 15 Grad minus, Tag und Nacht.

15 bis 25 Kilometer pro Tag sind sie den Kungsleden, den Königsweg, wieder gewandert auf Skiern, ihre Pulkas, ihre Gepäckschlitten, hinter sich herziehend, durch eine einsame Schnee- und Eis-landschaft, ohne Zivilisation und befestigte Wege.

Eine erstarrte, gebirgige Winterlandschaft, in der sie mal ein Schneehuhn, Spuren des Vielfraßes, eines Dachses, sehen konnten. Braunbären oder Elche ließen sich nicht blicken.

Große Mahlzeiten konnten sie während der Wanderung bei dem Frost nicht einnehmen. Ein Müsliriegel und Tee aus der Thermoskanne mussten reichen. Ihre Mahlzeiten bereiteten sie sich abends in einer der Herbergshütten zu, die jeweils sechs bis acht Schlafplätze bieten.

Diesmal drohte Barfuß’ Tour jedoch, ein vorzeitiges Ende zu nehmen. Der Mann, der als früherer Marathonläufer auch heute noch recht sportlich ist, schwächelte gewaltig. Sie mussten auf halber Strecke an einer Nothütte die Tagestour beenden. Sein Freund aus München drängte auf Abbruch und Einlieferung ins Krankenhaus. Barfuß lehnte ab, und so schleppte er sich am nächsten Tag zur am Vortag nicht erreichten Herbergshütte. Da erfuhr er, dass eine andere Wanderin, die 60-jährige Barabara, die jedes Jahr hier alleine wandert, schon Polizei und Rettunsgdienst wegen seiner Erkrankung alarmiert hatte.

Der Alarm wurde abgeblasen, der Achimer kam mit diversen Medikamenten, die ihm Wanderkollegen verabreicht hatten, wieder zu Kräften trotz seiner schweren Bronchitis, die später seine Badener Ärztin feststellen sollte.

Sie erreichten das Ziel der langen Wandertour, Vakkotavare. Ein Ort, in dem auch wieder ein Bus hält, der zur entfernten Bahnstrecke fährt.

Was reizt einen 75-Jährigen, sich dies bei Eis, Schnee und Frost anzutun?

Klaus Barfuß. „Man lernt tolle Menschen, tolle Typen kennen“. Zum Beispiel jene hilfsbereite Barbara, einen jungen Mann aus Dresden, der sich als Staatssekretär der Thüringischen Landesregierung entpuppte, oder Samen, Ureinwohner Schwedens.

Das Wichtigste aber ist die Einmaligkeit. „Dass man die Wegstrecke schaffen will, mit der Natur seine Kräfte messen muss und sich in dieser einzigartigen erstarrten, erfrorenen Gebirgslandschaft bewegt. Licht, Sonne, Schnee, gefrorene Natur.“

Ein Programm für Körper und Seele. Klaus Barfuß: „Alle Kumpels, die einmal mitgewandert sind, warten schon darauf, dass die Sonne wieder höher steht und der März kommt.“

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