Sensible Jugendarbeit: Fachtag kommt an

Klischees der Geschlechter aufbrechen

Achim - Wie ist die emanzipatorische Idee, geschlechtsspezifisches Rollenverhalten zu überschreiten und besonders in der Jugendarbeit zu reflektieren, in die Praxis umzusetzen? Dieser Frage widmeten sich an einem langen Vormittag im Achimer Rathaus über 20 Teilnehmer des Fachtags „geschlechtersensible Kinder- und Jugendarbeit“.

„Die Idee und die Kooperation der Fachstellen auf diesem Feld resultierte aus dem Bedürfnis, aktuelle Entwicklungen der Jugendarbeit aufzugreifen und zielgerichtet die Qualität der Kinder- und Jugendarbeit zu verbessern“, teilt Dr. Angelika Saupe, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Achim, dazu mit..

Dr. Ines Pohlkamp, Fachreferentin für intersektionale Bildung mit jahrelanger Erfahrung in der Jugendarbeit, gestaltete den Workshop mit fachspezifischem Input und durch praxisorientierten interaktiven Austausch.

Rollenverhalten reflektieren

Dabei war es ihr laut Pressemitteilung besonders wichtig, dass allein die Erkenntnis „Frauen machen Mädchenarbeit und Männer die Jungenarbeit“ noch keine geschlechtersensible Pädagogik ist. Dazu gehöre eine bestimmte Haltung, die das jeweilige Rollenverhalten in den Gruppen reflektiere und auch gerade geschlechterspezifische Themen in die Jugendarbeit einbringe.

Identifikationsstrategien für Jugendliche zu entwickeln, die nicht nur gesellschaftliche Normierungen widerspiegeln, sei die wahre Kunst. Ziel des Fachtages war es somit, die eigenen Handlungsmuster zu überprüfen und für die tägliche pädagogische Arbeit neue Perspektiven zu entwickeln.

Da sozialisierende Prägungen schon im früheren Kindesalter wirken, sollten Pädagoginnen und Pädagogen sowie Lehrkräfte sich dem Thema Geschlechtersensibilität schon früh – im Kita-Alter – annehmen und die dafür entsprechenden Kompetenzen erwerben.

Die Rückmeldungen am Ende des Fachtages zeigten nach Angaben von Saupe, dass dieser mit großer Zustimmung aufgenommen wurde und sich die meisten Teilnehmenden eine Fortsetzung und Vertiefung der angesprochenen Methoden wünschen.

„Teils heftigen Anfeindungen ausgesetzt“

Geschlechtersensible Pädagogik, seit Jahren in der Fachwelt mit vielen Ansätzen etabliert, sei in der öffentlichen Wahrnehmung wenig präsent, beklagt Saupe. „Sie ist auch durch rechts- und rückwärtsgewandte Politiken unter Beschuss und teils heftigen Anfeindungen ausgesetzt.“

Ökonomisch werde sie durch ein massives, stereotypes Gender-Marketing unterwandert und pervertiert – zum Beispiel rosa und blaue Tütensuppen und Ähnliches – und von vielen jungen Menschen werde Gleichberechtigung weniger als Aufgabe denn als Selbstverständlichkeit gesehen, was sich bei näherer Betrachtung häufig als Fehleinschätzung erweise.

„Alle diese Entwicklungen haben zur Folge, dass sich Geschlechterklischees wieder verfestigen, die viele schon überwunden glaubten“, stellt Saupe fest. Hier setze die pädagogische Arbeit an und ziele dabei auf eine offene Gesellschaft mit vielfältigen Identitätsmöglichkeiten, die keine tradierten Geschlechterstereotypen reproduziert.

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